um es sich dienstbar zu machen. Der Materialismus fing eben an, von Hoch und Niedrig verehrt zu werden. Das Geld ward die Alles bewegende Kraft, der Besitz desselben gab Ansehen und Macht. – Du weisst, lieber Bruder, dass wir grade nur so viel besassen, um als alte Edelleute anständig und mit dem notdürftigsten Aufwande leben zu können. Das konnte nicht besser werden, wenn man nicht die Zeit benutzte und sich ihrer Schwächen bediente – missbrauchte, wenn Du willst. Ich entschloss mich dazu, erbaute mit geborgtem Gelde die Fabrik und begann meine modernen Speculationen. Das Glück lächelte mir, weil ich den rechten Zeitpunkt getroffen hatte. Binnen Jahresfrist war unser gemeinsames Vermögen verdoppelt und ich konnte jetzt einen Schritt weiter gehen!"
"Das Umsichgreifen der sogenannten Volksfreiheit verbunden mit dem offen ausgesprochenen Hass gegen den Adel war mir von jeher ein Dorn im Auge und empörte mich wie Dich. Wir haben in frühern Jahren häufig unsere Meinungen darüber gegen einander ausgesprochen. Betrachtete ich nun dieses gerühmte Volk, diesen Klumpen anstandsloser, wenig gebildeter Menschen, die in ermattender Arbeit Zweck und Lust des Lebens finden und jedem höhern geistigen wie sinnlichen Genusse fremd bleiben, so bemächtigte sich meiner ein unaussprechlicher Ekel, der jedoch bald einem stillen jubel der Seele weichen musste. Ich glaubte nämlich das Mittel gefunden zu haben, dies freche, plumpe, auf seine junge Freiheit überstolze dumme Volk demütigen und es uns, seinen angestammten rechtmässigen Herren, wieder unbedingt unterwürfig machen zu können. Seine Lust, sein Vermögen, dachte' ich, soll seine Geissel werden. Nicht mit Skorpionen, nein, mit freundlichen Worten will ich es peitschen, mit der Freiheit, auf die es so stolz ist, werde ihm sein aufgespreizter Dünkel gewürzt. Ich beschloss, die Freiheit zum Büttel zu machen! Höre, wie ich dies anfing."
"Kaum ward es ruchbar, dass Herr am Stein eine grosse Spinnfabrik anlegen wolle, als sich eine grosse Menge Arbeiter meldeten. Viele, ja die Meisten kamen von fern her, nur der kleinere teil waren meine Untertanen. Ich nahm Jedermann freundlich auf und warb so viele, als ich beschäftigen konnte. Nur bedang ich mir aus, dass, wer bei mir Arbeit finden und behalten wollte, sich auf meinem eigenen Grund und Boden ansässig machen müsse. Anfangs stutzte Mancher bei diesem Verlangen, als ich ihnen aber vorschlug, unentgeltlich ein Stück Land zu geben und für Bau eines kleinen Hauses Geld zu niedrigem Zins vorzuschiessen, schlug Jeder ein. Ich fing die Freiheitshelden wie genäschige Mäuschen. Schaarenweise sprangen sie in meine Falle, und so entstand das Spinnerdorf drüben am See."
"Als meine Schuldner waren diese Toren von Anfang an in meiner Gewalt, die ich sogleich hätte gebrauchen können, wenn ich nicht ein grösseres Ziel im Auge gehabt hätte. Mein Streben ging, wie Du weisst, auf Wiedererwerbung aller durch die Verschwendung unseres Vaters verloren gegangenen Ländereien. Ich erreichte mein Ziel und gewann dadurch um ein Dritteil Untertanen mehr als unser Vater je besessen hat. Es waren dies freilich keine Leibeigenen, sondern freie Menschen, die tun und lassen konnten, was sie wollten, die mir bloss einige geringfügige Steuern und andere unbedeutende Dienste zu leisten hatten. Sollte nun mein Plan einen dauernden Zweck haben, so mussten diese Freien, die ich als Volk so gern über uns erheben und uns gesetz vorschreiben möchten, durch sich selbst zu Knechten gemacht werden und zwar zu freien Knechten, d.h. zu solchen, deren Joch die Freiheit, deren Galeere der Feiertag ist."
"Arbeit! Arbeit! Dieser Ruf hallt wieder in aller Welt! Jeder will Arbeit, Jeder preist die Arbeit, Jeder sieht in der Arbeit Gewinn, Ueberfluss, ein schönes, glückliches, sorgenfreies Leben in der Zukunft blühen!"
"Euch soll dies ersehnte Paradies baldigst lachen! dachte ich bei mir und gab dem freien volk, was es wünschte, suchte, liebte – Arbeit! Glücklichere Menschen habe ich nie gesehen. Von früh bis Abends scholl lustiger Gesang durch die Säle meiner Fabrik. Sie nannten mich ihren Wohltäter, ihren Vater und ich liess es mir gefallen. Um sie noch fester an mich zu ketten, bezahlte ich meine Arbeiter einige Jahre gut, besser, als ich es eigentlich durfte, ohne Grosses zu riskiren. Indess auch hier blieb mir das Glück treu und ich gewann doch noch. Meine Freigebigkeit hatte den gewünschten Erfolg. Die Arbeiter wurden luxuriös, weil sie leicht verdienten und ihrer Einnahme gewiss waren. Sie sparten durchaus nicht. An Sonn- und Feiertagen lebten sie lustig und froh."
"Dahin wollte ich die glückseligen Freien haben. Plötzlich, wie der Wind umschlug, trete ich eines Tages unter sie mit betrübter Miene und verkündige ihnen, dass ich den bisherigen Arbeitslohn eingetretener Conjuncturen wegen nicht mehr zahlen könne, dass ich grosse Verluste gehabt und meinen Ruin befürchten müsse, wenn ich dieselben Summen, wie bisher zahlen sollte. Ich stellte es ihnen daher frei, ob sie mir für geringeren Lohn dienen wollten und könnten. Wer darauf nicht eingehen könne, dem stünde es frei, anderwärts ein besseres Unterkommen zu suchen."
"Nicht ein Einziger verliess mich. Die Dankbarkeit, wie ich erwartet hatte, kettete sie an mich. So wenigstens sagten Alle, wenn auch die wahre Veranlassung zu ihrem Bleiben in den Verbindlichkeiten zu suchen war, die sie gegen mich hatten. Das gute freie Volk arbeitete von stunde' an noch emsiger für geringeres Geld,