geselligen Gewandteit, von Ihrem Lehrertalent abhängen, ob ich gern Ihre Schülerin bleiben werde oder mich ganz heimlich auf und davon schleiche."
Beatrice reichte Adrian freimütig ihre unvergleichlich schöne Hand und Adrian versäumte nicht, während er sie sanft in der seinigen drückte, einen tiefen blick in die blauschwarzen Augen der Schwägerin zu tun, dessen Feuer sie nicht ertragen konnte.
"Diese erste Conspiration wäre sonach vortrefflich eingeleitet," sagte Adalbert lachend. "Haben die übrigen Verschwörungen, die uns ja doch hier zusammenführen, gleich raschen Fortgang, so dürfen wir um ein erwünschtes Endresultat nicht besorgt sein."
Adrian hatte inzwischen in dem luxuriösen Speisesaale ein Frühstück auftragen lassen, das er jetzt mit seinen lieben Gästen unter den heitersten Gesprächen verzehrte. Niemand konnte dem geistreich Scherzenden die Erschütterungen ansehen, die vor wenigen Stunden seine Seele durchstürmt hatten.
Nach so fröhlich eingenommenem Frühstück beurlaubte sich Beatrice, um mit Hilfe ihrer Kammerjungfer Toilette zu machen. Adalbert blieb mit Adrian allein und dieser benutzte sogleich die günstige Stunde, um den Bruder von den allerneuesten Vorgängen zu unterrichten und seine Ansichten, seinen Rat darüber zu hören.
Adalbert nahm alle diese Mitteilungen ausserordentlich ruhig auf. Zu der gerichtlichen Vorladung lächelte er sogar.
"Du ignorirst diese einfältige Citation," sagte er, "bis sie wiederholt wird. Dann lässt Du dem Gericht vornehm einen höflichen Gruss entbieten und ladest dasselbe, Krankheit vorschützend, ein, sich zu Dir zu bemühen. erscheinen die gelehrten Herren, was nicht fehlen kann, so forderst Du ganz ruhig, sie möchten Dir den fraglichen Bruder und Miterben persönlich vorstellen. Man wird ja sehen, aus welchem Kehrichtaufen sie ihren Prätendenten herbeiholen werden."
"Ich teile vollkommen Deine Meinung, lieber Bruder," erwiderte Adrian, "und bin keineswegs in Angst wegen dieses fern drohenden brüderlichen Gespenstes. Nur den Eindruck, den es auf meine Arbeiter macht, fürchte ich. Es liegt ein Zauber in dem dumpf erklingenden Gerücht, der bei Ungebildeten selbst die sonnenhellste Wahrheit nicht mehr entkräften kann. Meine Arbeiter wissen um den mir bevorstehenden Kampf und benutzen die Enge, in welche ich scheinbar dadurch getrieben werde, auf ihre Weise. Dass sie aus freiem Antriebe so handeln, ist nicht wahrscheinlich. Es leben geheime Agenten unter ihnen, die sie aufreizen, stacheln und drängen und deren moralischer Einfluss nicht unbedeutend sein kann. Liesse sich ein Mittel auffinden, diese unschädlich zu machen, so hätten wir jedenfalls leichteres Spiel und brauchten uns die Widerspänstigkeit der Unzufriedenen nicht weiter anfechten zu lassen."
"Der alte Wende mit seinem deutschen Beistande, dem Maulwurffänger, dessen ich mich noch dunkel erinnere, scheinen demnach grossen Anhang zu haben," sagte Adalbert.
"Dieser Maulwurffänger ist ein Teufel!" rief Adrian aus. "Für einen Mann aus dem volk besitzt er einen so durchdringenden Scharfsinn, eine Ruhe, List und Ausdauer, dass der gewandteste Diplomat, ist er nicht beständig auf seiner Hut, von ihm hinter's Licht geführt werden kann."
"Seine Geschichten sind gut erfunden," lächelte Adalbert vornehm.
"Verzweifelt gut, Bruder! Diese beiden steinalten Greise haben aus ihren Erinnerungen und ein paar moderfleckigen Papierfetzen eine geschichte zusammengewoben, die sich an all' ihren Teilen fest wie die Glieder einer Kette verschlingt. Unser gemeinschaftliches Streben wird es sein müssen, die falschen Glieder in dieser Kelte aufzusuchen und zu zerbrechen."
"Ich stelle mir dies leicht vor, sobald das Kapitel von den Beweisen ausgeschlagen wird."
"Und, wenn sie auch diese beibringen?"
"Tun wir die Unächteit derselben dar."
Adrian zuckte die Achseln. "Das scheint mir gefährlich," sagte er. "Ohne Zeugen werden wir den Gegenbeweis nicht führen können. Und dann – unser seliger Herr Vater ging nicht unbescholten aus der Welt!"
"Das eben ist der Punkt, den wir ins Auge fassen müssen! Der etwas zweideutige Ruf des Vaters ist unbedingt unsere Rettung, wenn es zum Aeussersten kommt. Die Gegner bauen einzig und allein auf ihn ihr glänzendes Luftgebäude, meinend, das sei der untrüglichste Boden. Sie sollen sich irren! Wir beweisen ihnen klar und bündig, dass nur Rache und kleinlicher Neid zu solchen Mitteln seine Zuflucht nimmt. Mein Wort darauf, Bruder, diese armen Schlucker werden mit Schimpf und Schande abgewiesen und sollen uns noch demütig die Spitzen unserer Stiefeln küssen, wenn wir sie grossmütig frei von dannen ziehen lassen. – Wie stehst Du mit Deinen Untertanen?"
"Mein seit Jahren befolgter Plan nähert sich immer mehr der Reife," entgegnete Adrian, mit Vergnügen diese Wendung des Gespräches erfassend. "Von dieser Seite, glaube ich, sind wir nunmehr so gut wie unangreifbar. Darum beharre ich auch mit eiserner Festigkeit dabei und lasse mich weder durch Bitten noch Drohungen in meinem Verfahren stören. Findest Du nicht auch, dass es das alleinige Mittel ist, dem in der Meinung des sogenannten Volksbewusstseins gesunkenen Adel den alten Glanz, die alte Obmacht wieder zu verschaffen?"
"Ich bin davon überzeugt, obwohl in meiner Stellung die Ausführung schwieriger ist und längere Zeit erfordert."
"Desto grösser ist der Ruhm nach gewonnenem Kampfe! – Es sind jetzt etwas über fünf Jahre, dass ich, von meinen Reisen zurückkehrend, den Entschluss fasste, unser altes Geschlecht wieder zu Ehren zu bringen. Der Zeitgeist, dies tausendköpfige Phantom des modernen Lebens, sollte mir dazu verhelfen. Ich hatte die Schwächen unseres Jahrhunderts wohl erlauscht und wusste, wie man ihm schmeicheln muss,