auf. Es gilt daher, den ausgestreuten Saa
men des Misstrauens um jeden Preis zu entfernen,
die Murrenden zu beschwichtigen. Dies kann nur
geschehen, wenn wir die Quellen verstopfen, aus
denen sie ihren Argwohn schöpfen, kann nur von
Dauer sein, wenn Sloboda und der alte verschla
gene Maulwurffänger mit seinem ganzen Anhange
schnellstens entfernt wird.
Ich unterfange mich nicht, eigenmächtig einen
Weg anzudeuten, der sofort eingeschlagen werden
müsste, um dieses nicht bloss wünschenswerte,
sondern durchaus notwendige Ziel zu erreichen.
Einige Pläne kreuzen sich wohl in meinem kopf,
aber sie bedürfen der sorgfältigsten überlegung.
Es wäre deshalb am besten, wir drei Brüder kämen
persönlich zusammen, berieten uns mündlich,
tauschten unsere Ansichten offen gegen einander
aus und fassten einen gemeinsamen Entschluss. Co
alisation ist in unsern Tagen das allersicherste Mit
tel, rasch und entschieden zum Ziele zu kommen.
Bei persönlicher Zusammenkunft liessen sich auch
die etwaigen Rollen, die Jeder von uns zu überneh
men haben dürfte, am leichtesten verteilen.
Du siehst, lieber Bruder, dass ich einen Feldzugs
plan im Grossen beabsichtige und diesen gegen
einen Feind angewendet wünsche, der uns fürchter
licher werden kann, als es gegenwärtig noch den
Anschein hat. Soll ich wahr sein, so gestehe ich
gern, dass mir die plumpe Forderung dieser Fremd
linge recht zu gelegener Zeit kommt. Sie hilft mir
eine idee verwirklichen, die ich lange Jahre still mit
mir herumgetragen habe. Das Nähere, sobald wir
uns sprechen! Ich wünsche nur, dass Du meine An
sichten und Entwürfe tei l en magst! Einigen wir
Brüder uns, so ist die Ausführung leicht, und stän
de ein ganzes Volk uns feindlich gegenüber. Es gilt
nur Einsicht und kraftvolles Handeln.
Nach den Erkundigungen, die ich seit zwei
Tagen unter der Hand eingezogen habe, ist es nicht
so gar unwahrscheinlich, dass wirklich hier oder da
ein illegitimes Kind unseres galanten Herrn Vaters
unbekannt in der Welt herumläuft. Es wäre zu viel
verlangt, wenn irgend Jemand von uns forderte,
dass wir solch wilden Sprössling und Ableger aufsu
chen und an unsere Bruderherzen drücken sollten.
Ich meines Teils spüre wenigstens ganz und gar
keine Lust dazu. Allein gut wäre es doch, wenn
man mit Bestimmteit wüsste, wo sich diese Pseu
do-Bobersteine umtreiben, die wohl schwerlich auf
gräflichen Burgen Hof halten werden. Es wäre
wichtig der Zukunft und unserer eigenen etwaigen
Nachkommenschaft wegen. Auch könnte man mild
tätig sein und das grossmütige Schicksal spielen,
indem man solch unbekannten Bruder unterstützte,
falls er sich in Not befinden sollte. Aber nur spär
lich, damit er stets abhängig bliebe und sich nie
überheben könnte! Ist eigener Besitz Macht, so
wird er durch Gegenbesitz in gewisser Hinsicht
Ohnmacht und das muss ein berechnender Kopf ver
meiden.
Unterlasse daher nicht, ganz in der Stille herum
zuhorchen und nach Spuren Boberstein'scher Le
benstätigkeit zu suchen! Nur schweige, schweige
unverbrüchlich, ich bitte Dich!
Da die Jahreszeit noch nicht zu sehr vorgerückt
und das Wetter mild ist, wird es hoffentlich nichts
zu bedeuten haben, wenn Du auch vier Wochen
später unter Segel gehen solltest. Es wäre mir oh
nehin des Geschäftes wegen solche Verzögerung
lieb, denn um diese Zeit kann ich Dir die prächtig
sten Proben neuer Druckmuster mitgeben, für die
sich in Ostindien, sollte ich meinen, ein grosser Ab
satz finden wird. Doch darum kümmerst Du Dich
nicht, wie ich weiss, deshalb nur diese oberflächli
che Andeutung. –
So eben erhalte ich Antwort von Adalbert aus
Schlesien. Er kommt nach Boberstein und ist ganz
meiner Ansicht. Ich bitte Dich, eile ebenfalls zu
mir, damit wir schleunigst einen gefährlichen Feind
vernichten können, ehe er noch Zeit und Macht ge
winnt, sich gegen uns zu erheben. Es grüsst Dich
liebevoll Dein Bruder
A d r i a n ."
"Das wird lustig," sagte Aurel, indem er den Brief verschloss und schnell nach den Kleidern grift, die Gilbert inzwischen herbeigeholt hatte. "Mein Bruder glaubt seiner Sache sehr gewiss zu sein," fuhr er im stillen Selbstgespräche fort, während er sich ankleidete. "Vielleicht änderte sich diese Ansicht, hätte er Kenntniss von meinem Funde. – arme, unschuldige Opfer eines leichtsinnigen Mannes! Verbergen, nicht kennen, in Dürftigkeit will man Euch schmachten, vielleicht auch verkümmern lassen, wenn man Euch wirklich auffindet! – Das läuft schnurstracks S turm auf mein Gewissen, Bruder Adrian, und darum besorge ich, dass es in Bezug auf diesen Punct zwischen uns zu einem Kreuzfeuer kommen wird. – Vergrösserung des Elendes der Armen, herzloses, vorausberechnetes Verstossen eigener Blutsverwandten? – Nein, Bruder, das ist ein Weg, den ich nicht betrete! – Ich habe des Elendes auf Erden schon zu viel gesehen, als dass ich aus eigensüchtigen Absichten noch beitragen sollte zu dessen Vermehrung. Lieber etwas weniger besitzen und Andere auch glücklich wissen, als im der! – Gehe ich nach Boberstein? Warte ich unbestimmte Zeit auf die Gefahr hin, bei späterem Absegeln mit Mann und Maus unterzugehen? – Hm, das Ungefähr, das Schicksal, mein Spiritus familiaris mag entscheiden! Erfahre ich, wessen Finger dieser Ring ehedem zierte, so will ich die Heimat meines Geschlechtes besuchen. – Heda, Gilbert, bist Du fertig?"
"Immer, wenn mein Kapitän befiehlt."
"Wie viel Uhr haben wir?"
"Ein Viertel nach elf."
"Vorwärts denn nach der Mohrentaverne! – – –"
Jene hoch liegende