Weib, das ich gestern hier traf, befriedigen zu können und auch noch eine erkleckliche Summe übrig zu behalten."
Der Trödler brummte mit unzufriedener Miene, goss sich abermals ein Glas Genever ein und stürzte es auf einen Schluck hinunter. Er taumelte vor Aurel hin und her, denn die ganze bisherige Unterredung war stehend geführt worden.
"Ist ein Preis für eine – puh, schämt Euch, Kapitän!"
"Zweihundert Mark, Klütken-Hannes! Bedenkt, dass Ihr für immer einer grossen sorge und Plage überhoben werdet und dass Euch Elwire keinen Stüber mehr kostet!"
"Oho, rechnen Sie die Tränen für nichts, Kapitän? Für nichts den Trennungsschmerz? Ich bin ein Vater, ich! Und ich habe auch ein Herz, ich, Herr Kapitän!"
Der halbtrunkene Trödelmann schwankte, die Flasche in der einen, das Glas in der andern Hand, während dieser grossprahlerisch gesprochenen Worte von einem Bein auf's andere. Elwire faltete die hände und sah mit stieren Augen, leichenblass und vor Furcht und Scham zitternd, auf den entsetzlichen Vater.
"Hier sind zweihundert Mark, Klütken-Hannes," sagte Aurel, indem er eine strotzende Geldbörse, mit Gold und Silber gefüllt, hervorlangte, dem Trödler die Flasche entriss und die klingenden Münzen ihm in die Hand drückte. "dafür hört Ihr auf, dieses Mädchen für Eure Tochter anzusehen; versprecht, Euch nie mehr um sie zu bekümmern, noch nach ihr zu fragen. Seid Ihr das Willens?"
"Ist mir bei allen Branntweinteufeln nicht möglich!" beteuerte der Trödler, eine wichtige Miene annehmend und sich mit der dicken, rauhen und hässlich behaarten Hand wiederholt auf die breite Brust schlagend, dass es dröhnte. "Ein Trinkgeld muss ich noch haben, sonst schick' ich zu Mutter Lievers und mein Töchterchen kehrt unter meine Zuchtrute zurück!"
"Um Gottes willen, edler, grossmütiger Mann," flehte Elwire, "geben Sie das nicht zu! Lieber will ich unter freiem Himmel liegen, will hungern und dürsten, als mich dem Willen jenes Weibes unterwerfen!"
"Da hören Sie's, Kapitän! Das Blitzmädel singt, treff' mich der Schlag, wie eine Drossel! Noch fünf und zwanzig Mark, und das Vögelchen gehört Ihnen. Sie können's dann in einen silbernen oder goldenen Käfig stecken und ihm alle Federn einzeln ausrupfen, wird kein Hahn darüber krähen, sag' ich Ihnen!"
Aurel zog eine zweite Börse. Er fühlte, dass er seiner Entrüstung über die Scheusslichkeit dieses gänzlich verworfenen Menschen nicht mehr länger Meister werden könne, auch konnte er sich in die Lage des armen Mädchens versetzen, um das der eigene entmenschte Vater wie um ein Stück Schlachtvieh feilschte. Ruhig zählte er fünf und zwanzig Mark ab und warf sie dem Trödler verächtlich vor die Füsse.
"Hier ist das Geld, mit dem Du Dir für immer den Eintritt zur ewigen Pein erkaufst, jetzt gib Raum, Klütken-Hannes, und sieh Dich vor, dass Du nie meine Wege kreuzest, sonst wehe Deinem Schädel!"
"Der Herr Kapitän haben nur zu befehlen," erwiderte der Trödler mit grinsendem Lächeln, in dem sich die Freude über den abgeschlossenen Handel kund gab. Zugleich nahm er seine Kappe ab, kniete nach einigem Schwanken nieder und las die verstreuten Silberstücke zusammen, die er sorgfältig nachzuzählen ungeachtet seines Rausches nicht vergass.
Aurel hatte Elwire in seine arme geschlossen, und indem er einen Kuss auf die kalte Stirn der Schluchzenden hauchte, sagte er gerührt: "Jetzt komm, armes, geduldiges Opferlamm! Nach so schweren Leiden soll Dich eine heitere Zukunft liebend umfangen."
Während der Kapitän seinen Findling die schlüpfrige Kellertreppe hinaufgeleitete, fiel der matte Wiederschein eines zurückgeworfenen Sonnenstrahles auf die in Körbchen ausgestellten Schmucksachen. Die abgeputzten unedlen Metalle glitzerten wie das reinste Gold und veranlassten durch ihr trügerisches Glänzen, dass Aurel beim Vorübergehen einen blick auf das flimmernde Durcheinander warf. Dabei gewahrte er einen kleinen Siegelring, der unter einer vergoldeten Kette hervorguckte und mehr als die übrigen Kostbarkeiten glänzte. Er bückte sich, um einen schärferen blick darauf zu werfen, und da er glauben musste, der Ring bestehe aus feinem Gold, so entliess er Elwire aus seinem Arm und hob den Ring auf. Ein blick darauf machte ihn staunen, er vergass, was ihn so eben noch ganz beschäftigt hatte, und während er vergebens den Ring an einen seiner starken Finger zu stekken versuchte, rief er mit überlauter stimme in den Keller hinunter:
"Klütken-Hannes, komm sogleich herauf! Ich will etwas von Dir kaufen!"
Brummend, noch mit dem Sammeln des erhaltenen Geldes beschäftigt, wankte der Trödler die Treppe herauf.
"Von wem hast Du diesen Ring gekauft?" rief ihm Aurel zu, indem er ihm das Kleinod entgegen hielt.
"Welchen Ring, Herr Kapitän?"
"Hier, diesen Siegelring, trunkener Schelm!"
Klütken-Hannes schielte mit halbem Auge nach dem Schmuck und versetzte murrend: "Weiss ich nicht mehr! Irgend ein verkommenes Weibsbild hat ihn mir doch an den Hals geworfen."
"Du lügst, Schurke! heraus mit der Sprache, sag' ich, oder ich behandle Dich wie einen Dieb! Der Ring ist ächt und trägt das Wappen eines alten Adelsgeschlechtes."
Jetzt ward auch Elwire aufmerksam und bat den Kapitän mit sanftem blick um die erlaubnis, den Fund ebenfalls betrachten zu dürfen. Der Trödler murmelte unverständliche Worte