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einer Art Compliment zu begrüssen. "Kann ich dienen? Echter Genever, scharf und heiss wie Feuer aus der Hölle! Ist zu brauchen bei solchem verfluchten Hundewetter!"

"Ich danke, Klütken-Hannes. Wie geht's Eurer Tochter?"

"Verteufelt gut, Herr Kapitän, aber ich will froh sein, wenn ich sie los bin! Seit Sie ihr den Kopf verdreht haben und ein vornehmes fräulein aus ihr machen wollen, hört sie nicht mehr auf mich, die Wetterdirne!"

Der Trödler hatte inzwischen die Tür zum eigentlichen Keller geöffnet und forderte den Kapitän auf einzutreten. Elwire sass im Hintergrunde unter einem schief abfallenden Fenster, das nach dem hof hinausging und der unterirdischen wohnung das einzige Licht gab. Sie war beschäftigt, einige Putzsachen, die sich auch die ärmsten Mädchen zu verschaffen wissen, in ein Bündel zusammenzupacken. Sie erwiderte den freundlichen Morgengruss Aurels durch eine stumme Verbeugung und ein hohes Erröten, das selbst Nacken und Brust mit flüchtigem Purpur übergoss. Ihre Tracht war ärmlich, aber rein und sauber. Ein Kleid von gestreiftem Kattun, hie und da schon geflickt, umhüllte Elwirens tadellose Glieder und trug durch seine Feinheit nur dazu bei, die herrlichen Formen des ungewöhnlich schönen Mädchens durchschimmern zu lassen. Ein kleiner Fuss, eine schmale schlanke Hand, obwohl von schwerer Arbeit gehärtet, zeichneten sie vor Hunderten ihrer Schwestern aus.

Aurel fand das Mädchen heute noch schöner, noch reizender, als am vergangenen Abend, und es reute ihn nicht, ein Wort gegeben zu haben, das ihm noch manche verdriessliche Stunde machen, zu mancher üblen Nachrede Anlass werden konnte. Um Elwiren Mut einzuflössen, reichte er ihr brüderlich zutraulich die Hand und fragte sie, ob sie noch geneigt sei, heute wie gestern einen Freund und Beschützer in ihm erblicken zu wollen? Flüsternd bejahte Elwire diese Frage.

"Dann wollen wir uns einigen, Klütken-Hannes, und wo möglich im Guten. Was verlangt Ihr, wenn Ihr von stunde' an jeden Einfluss auf Elwire verlieren, wenn Ihr überhaupt Euch nicht im geringsten mehr um das Mädchen kümmern sollt?"

"Herr Kapitän," erwiderte der Trödler, "Kind bleibt immer Kind und Vater bleibt Vater, und wenn wir uns zusammen auch nicht immer zum Besten vertragen haben, so waren wir einander doch so zu sagen in's Herz gewachsen Nicht wahr, Elwire?"

Elwire seufzte und legte ein paar verschossene Schürzen auf ihrem kleinen Arbeitstischchen zusammen.

"hören Sie's?" fuhr der Trödler fort. "Sie seufzt, dass ihr's Mieder knackt, wie lange wird's dauern, so fängt sie gar an zu heulen! O die Mädel und zumal die hübschen, die hängen an ihren Vätern mit einer Liebe, o mit einer Liebe –"

Den Schluss des Satzes verschluckte Klütken-Hannes zugleich mit einem frisch eingegossenen Glas Genever.

"Und also, sehen Sie, Herr Kapitän, das müssen Sie Alles mit einander, ich meine unsere Liebe und unsern Schmerz, – ja, das müssen Sie bezahlenbaar bezahlen!"

Der schnell genossene schwere Branntwein äusserte bereits seine Wirkungen auf den Trödler, was Aurel möglichste Beschleunigung seines Geschäftesdenn ein solches war das zu treffende Abkommenwünschenswert machen musste. Er hatte einen frechen, betrügerischen, herzlosen, jeder Schandtat fähigen Handelsmann vor sich, der nur auf seinen Nutzen bedacht war und jedes Mittel ergriff, wenn es nur zum Ziele führte.

"Klütken-Hannes," versetzte Aurel, "erinnert Euch, dass Ihr gestern Abend bereits eine ansehnliche Summe von mir erhieltet. Diese will ich Euch schenken. Ihr könnt damit nach Belieben schalten und walten, könnt Euern Trödelkram vergrössern und besser ausstatten, könnt Euch einen wohnlicheren Keller mieten, oder die Summe, wenn Euch das mehr behagt, verjuxen –"

"Ja, verjuxen, mein' Seel', das ist's Beste! Verjuxen will ich tausend Mark, wenn ich sie erst habe! Nun, Herr Kapitän, wie ist's mit tausend Mark, he? Banko, versteht sich und in gutem alten Silber! Ist's nicht ein delikater Bissen für tausend Mark, wie? Noch keine achtzehn Jahr, weiss wie gefallener Schnee und schuldlos wie ein Gänschen! Mein' Seel', tausend Mark, 's ist ein Spottgeld!"

Aurels Blut kochte vor Wut und Entrüstung, aber er musste den alten Sünder im Guten zu erhalten suchen, wenn er leichten Kaufes davon kommen wollte.

"Ihr kommt wieder auf Eure verruchten Sprünge, Klütken-Hannes, die in's Zuchtaus führen," sagte er in ernstem Tone. "Ich will aus Rücksicht für Euer Kind die gottlosen Worte nicht gehört haben, die Ihr so eben ausstiesst, und warne Euch nur, in diesem Tone nicht etwa fortzufahren!"

"Was da, Herr Kapitän, Handel ist Handel, und ob alte Lumpen oder frische junge Mädels, das ist all eins. Der Türke –"

"Ich hoffe, Ihr seid ein Christ, Klütken-Hannes."

"So wahr es einen Gott im Himmel und einen Satan in der Hölle gibt!"

"Lasst uns also unsere Angelegenheit wie Christen beendigen. Gestern erhieltet Ihr an funfzig Mark Courant. Ich habe Euch gesagt, dass Ihr dieselben als Euer Eigentum betrachten könnt. Wenn ich jetzt noch zweihundert Mark zulege, so glaube ich, wird dies vollkommen hinreichend sein, um Eure Helfershelferin, das schlechte