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hat ein Wort drein zu reden! Habt Ihr mich verstanden, Ihr –" Und der Trödler hob abermals seine Fäuste gegen den Kapitän, der ihn fest an der Jacke hielt.

In glücklichem Staunen hatte Aurel mit feurigen Blicken die wahrhaft reizende Gestalt Elwirens verschlungen, die noch immer ganz erschöpft mit blutendem rücken am Boden sass und ihren schönen Kopf mit den aufgelösten langen glänzenden Haarflechten an Gilbert's Brust lehnte.

"Wie?" versetzte der Kapitän. "Diese unvergleichliche Schönheit ist Eure Tochter?"

"Ho, ho, ist das so verwunderlich?" fiel der Trödler ein. "Oder denkt Ihr wie das reiche Pack, das's Geld in Scheffeln misst, bloss in den Betten vornehmen Gesindels kämen schöne Kinder zur Welt? Fehl geschossen, sag' ich; die Dirne ist mein Kind und was hat der Teufel an ihr auszusetzen, he?"

"Ihr solltet Euch schämen, ein solches Meisterstück der Schöpfung so unbarmherzig zu misshandeln," sagte Aurel, indem er Elwiren, die sich jetzt etwas erholt hatte, die Hand reichte und ihr von der schmierigen Diele aufhalf.

"Es ist der Dirne Recht geschehen," antwortete trotzig der barbarische Vater, sich auf einen wackligen Stuhl werfend und die arme zusammenschlagend. "Sie sollte zeigen, dass sie schön sei, und das wollte sie nicht, will sie noch nicht. Darum hab' ich sie gehauen. Morgen des Tages, beharrt sie auf ihrer sinnlosen Weigerung, werde ich ganz allein einen Rundtanz bei verschlossenen Türen mit ihr aufführen. Ich will doch sehen, wer Herr in meinem Keller ist!"

"O retten Sie mich, edelmütige Herren!" schrie jetzt mit verstörtem blick die arme Gemisshandelte. "Retten Sie mich oder ich lege selbst Hand an mich! Er will mich verkaufenErmein Vater!"

Die letzten Worte stiess die Unglückliche langsam, vor Entsetzen zusammenschauernd, halblaut über die bebenden Lippen.

Aurel mass den Rabenvater mit dunklem Zornesauge. Da schlich die Alte wieder aus dem Winkel hervor, wohin Gilbert's kräftiger Arm sie geschleudert hatte, und erklärte keifend und unter heftigen Gesticulationen:

"Und ich bestehe darauf, dass unser Conract erfüllt wird! Handel ist Handelda hilft kein Fluch noch Gebet davonund das Mädchen gehört mir, denn ich habe Handgeld gegeben! Und geht sie nicht in Gutem mit mir, so lass ich sie von meinen Leuten holen. Hab' ich sie nur erst in meinem haus, dann will ich schon mit ihr fertig werden! Es ist nicht die erste törichte Dirne, die sich sträubt, und nachher, ei wie freundlich hat dann das feingekleidete Püppchen gelacht! Wie hat sie mir die Hand gedrückt, die sie anfangs züchtigte, und wie hat sie dem Leben seelenvergnügt zugejauchzt! Ja die Mädchen! – Man muss sie zur erkenntnis dessen, was ihnen gut ist, zwingen, sonst lernten sie, glaube' ich, im Leben nicht, wozu sie Gott so hübsch geschaffen hat!"

Das gemeine, freche Weib, deren schamlose Worte ihr scheussliches Gewerbe nur zu deutlich verrieten, würde noch geraume Zeit die Weisheit ihres Lasterlebens ausgekramt haben, hätte ihr Aurel nicht mit so befehlshaberischem Tone zu schweigen geboten, dass sie erschrocken nur unverständliche Laute murmelte und sich wieder in ihrem dunkeln Winkel niederkauerte.

"Wie heisst Ihr?" fragte jetzt der Kapitän den Trödler.

"Klütken-Hannes," sagte der rohe Kerl.

"Wisst Ihr, Klütken-Hannes, dass Ihr das Zuchtaus verwirkt habt, wenn ich dem hohen Senat Anzeige von Eurer Handlungsweise mache?"

Der wüste Trunkenbold brummte ärgerlich in den Bart und erhob nunmehr die wild geballte Faust gegen die Kupplerin, da er mit dem Fremden, der so herrisch und kraftvoll auftrat, nicht anzubinden wagte.

"So wie ich diesen Keller verlasse," fuhr Aurel fort, "ohne dass Ihr genau tut, was ich von Euch verlange, so seid Ihr und Eure verruchte Helfershelferinn der Criminaljustiz überliefert. Denn ich kehre in Begleitung der Stadtwache zurück! Vollzieht Ihr aber meine Befehle pünktlich, ohne das Geringste daran zu mäkeln, so will ich vergessen, was ich gesehen und gehört habe, und ich gebe Euch mein Ehrenwort, dass von dem Vorgefallenen Niemand etwas erfahren soll. Wozu entschliesst Ihr Euch, Klütken-Hannes?"

Ein abermaliges Brummen und unverständliches Gemurmel war die ganze Antwort darauf.

"Hör't mich an," sagte Aurel, "und behagt Euch nicht, was ich verlange, so versucht einen Kampf mit dem Gesetz! – Ihr versprecht mir bei Allem, was Euch heilig ist, und ist Euch nichts heilig, meinetalben beim Teufel und seiner Grossmutter, Eure Tochter Elwire mit keinem Finger unsanft anzurühren, noch ihr Dinge zuzumuten, vor denen ein Vater zurückschaudern sollte! Morgen früh werde ich wiederkommen und dann für ein ehrliches Fortkommen Eurer Tochter sorge tragen. Seid Ihr dies zufrieden?"

Klütken-Hannes stand auf und stellte sich breitbeinig vor den Kapitän hin. "Wenn Sie Mutter Lievers bezahlen wollen, bin ich's zufrieden," sagte er. "Das Geld, was sie mir für Ablassung des Mädels gegeben hat, kann ich nicht entbehrenich hab's nicht mehrund wenn Sie also nicht zahlen, so wird die Elwire eine –"

"Scheusal, ich erwürge Dich, wo Du es wagst, Deine gottverhassten Gedanken in Worte zu kleiden!" rief Aurel aus und konnte