den drei Söhnen, welche Graf Magnus bei seinem tod hinterliess, war Aurel in körperlicher Bildung seinem Vater am ähnlichsten. In allen körperlichen Uebungen zeichnete er sich sehr frühzeitig aus und brachte es darin zu bedeutender Vollkommenheit. Dagegen hatte er von seiner leidenden, durch Magnus häufig lieblos behandelten Mutter ein gutes Herz geerbt, das beim Anblick fremden Kummers leicht überschwoll und gern jedem Notleidenden beisprang. Ein wunderliches Gemisch von den stillen, edlen Eigenschaften der Mutter und den ungestümen Gelüsten des Vaters, hatte die natur in Aurel einen höchst glücklichen Menschen gebildet, der mit genialem Leichtsinn die ganze Welt an sein Herz drückte. Durch seine Verheiratung war Magnus mit mehreren sehr wohlhabenden englischen Adelsfamilien in verwandtschaftliche Verhältnisse gekommen. Einer von diesen alten derben Nortumberländern hatte bei Aurels Taufe Patenstelle vertreten, und als der junge Graf von Boberstein sich dem Jünglingsalter näherte, liess er ihn nach England kommen, um seinen Paten auch persönlich kennen zu lernen. Aurel gewann sich sogleich das ganze Vertrauen, die vollste Liebe des alten Mannes. Er blieb gern bei dem Earl, der in früherer Zeit zur See gedient und sich viel in der Welt umgesehen hatte. Aufgereizt durch die abenteuerlichen Erzählungen des lebhaften Engländers erwachte eine unaussprechliche Lust zu gleichen Abenteuern in der Seele Aurels. Er machte kein Hehl aus seinen Neigungen und Wünschen und hocherfreut versprach der Engländer, diese Wünsche des Paten begünstigen zu helfen. Er tat die erforderlichen Schritte und binnen zwei Monaten war Aurel als Seekadet in englische Dienste getreten.
Der junge Deutsche zeichnete sich bald aus, machte verschiedene grosse Seereisen nach Südamerika, Ostindien und China und als er nach mehreren Jahren zurückkehrte nach Europa, bekleidete er bereits die Stelle eines ersten Schiffslieutenants. Ohne Zweifel hätte Aurel, an die grossartigen und gefahrvollen Reize eines fortwährenden Lebens zur See gewöhnt, seinem Geburtslande für immer den rücken gekehrt, wären ihm nicht Briefe seiner Brüder eingehändigt worden, die in höchstem Grade seine Teilnahme erweckten. Die Brüder zeigten ihm nämlich an dass sie entschlossen seien, die Trümmer des väterlichen Vermögens in nutzbarer Weise anzulegen, und dass sie hofften, Aurel würde ihre Pläne nicht nur nicht kreuzen, sondern dieselben durch persönliche Beteiligung wesentlich mit fördern helfen. Nach dieser Einleitung entwickelten sie dem Seemanne, wie sie auf den Trümmern ihrer Stammburg eine Baumwollenspinnerei anlegen und in Hamburg ein Handlungshaus gründen wollten, das unmittelbar mit Amerika in Verbindung treten und von den dortigen anerkannt besten Pflanzungen die rohe Baumwolle beziehen, an die Spinnerei weiter befördern und die verarbeitete wieder an Manufactoreien absetzen solle. Um möglichst grössten Gewinn von ihren Speculationen zu ziehen, die ohne Aufnahme bedeutender Capitalien nicht auszuführen waren, schlugen die kaufmännisch klugen Brüder vor, Aurel solle eine Brigg ausrüsten und diese mit Linnenwaaren befrachtet, nach irgend einem Hafen Nordamerika's steuern. Nach glücklichem Absatz der deutschen Linnen in der transatlantischen Welt solle er wo möglich mit Pflanzern in Louisiana dauernde Verbindungen anknüpfen, sein Schiff mit Baumwolle belasten, und alsdann mit diesem rohen Naturproducte nach Hamburg zurückkehren. Im Falle bei dieser ersten Expedition etwas gewonnen werde, könne man in spätern Jahren die Schiffsladungen verdoppeln und verdreifachen, doch immer vorausgesetzt, dass Aurel entschieden und für immer die Leitung des ersten Schiffes übernehme. Der Gewinn dieses grossartigen kaufmännischen Geschäftes falle zu gleichen Teilen den Gebrüdern Boberstein zu. Sollte derselbe zu anderweiten Zwecken, etwa zur Wiedererlangung verkaufter Ländereien, verwendet werden, so sei die unbedingte Einwilligung aller Brüder dazu erforderlich. Ohne eine solche bleibe der baare Gewinn als Betriebscapital im Handelsgeschäft angelegt.
Aurel schwankte keinen Augenblick. Den weitaussehenden Plan seiner Brüder vollkommen billigend, ging er darauf ein. Auch der alte lustige Pate konnte nicht umhin, den Gedanken seiner deutschen Verwandten höchst pfiffig und zeitgemäss zu finden. Er segnete seinen Paten, übergab ihm zur Ausrüstung des ersten Schiffes eine ansehnliche Summe, Aurel reiste ab und binnen Jahresfrist war das Handelshaus in Hamburg bereits accreditirt und Aurel mit einem tüchtigen Dreimaster, "die gute Hoffnung" genannt, nach Philadelphia, New-Orleans und andern grossen Stapelplätzen Nordamerika's unter Segel gegangen. Gleich seinen Brüdern in Deutschland nannte sich der kühne Seekapitän in seiner Eigenschaft als Handelsschiffsführer Aurel am Stein.
Aus früheren Mitteilungen wissen wir, dass Adrians Speculationen mit grossem Erfolge gekrönt worden waren. Diese Erfolge erstreckten sich auf alle Zweige des Unternehmens. Nicht allein die Spinnerei auf den Ruinen der alten Burg gedieh und blühte nach Wunsch, auch das Haus in Hamburg "Stein und Compagnie" liess sich in grossartige Geschäfte ein, die über Erwartung rentirten, und die ursprüngliche Spedition der rohen und verarbeiteten Producte der Firma selbst bald nur als Nebensache besorgte. Schon nach drei Jahren kaufte die Firma ein Haus nebst geräumigen Speichern am Rödingsmarkt. Ein höchst zuverlässiger, erfahrener und geschickter Kaufmann von tüchtiger Gesinnung stand an der Spitze dieses neuen Etablissements, das von Zeit zu Zeit einer der drei Brüder besuchte, um sich persönlich über die Chancen des Geschäfts und etwa neu einzuschlagende Wege mit dem verständigen Geschäftsführer zu besprechen.
Man konnte annehmen, dass Aurel regelmässig zweimal des Jahres in Hamburg eintraf und jedes Mal eine Schiffsladung der feinsten Baumwolle in die Speicher lieferte. Diese ward jetzt bereits auf der eigenen Pflanzung der Brüder am rede River in Arkansas gebaut, wodurch der Gevinn des Geschäftes sich unglaublich steigerte.
So oft nun der muntere, lebenslustige Kapitän die deutsche Weltandelsstadt an der Elbe betrat, wohnte er in seinem eigenen haus, doch kümmerte er sich wenig um den Fortgang des eigentlichen Fabrikgeschäftes, da er davon nichts verstand und es ihm auch zu kleinlich erschien, Buch und Rechnung über Mass und Gewicht zu