sich Wogen glänzender Flammen, die oft wie Riesenhände in den dunkeln Nachtimmel hineingriffen oder in zerstäubenden Garben, in brennenden Fontänen aufsprühten. Woge verdrängte Woge; es war, als bräche aus den fernen Bergen ein Meer von Glut über die Ebene und wolle nun in bäumenden Sturzfluten Feld und Haide vernichten. über dem Flammenheerde aber lag eine blutrote schwere Rauchwolke, die in wunderliche, phantastische Gestalten zerfahrend, langsam höher und immer höher in den Himmel hinaufwuchs und wie ein glühender Helmbusch sich über die Haide gegen das Schloss neigte. Der schwarze See in der Tiefe strahlte dies ergreifende Bild aus seinem stillen, leis rauschenden Spiegel drohend zurück. –
Geraume Zeit betrachtete Herta mit ruhigem Auge den furchtbaren Brand. Niemals hatte sie noch ein solches Schauspiel gesehen. Sie bebte vor der Majestät des entfesselten Elementes zurück und fühlte sich doch auch wieder von der Erhabenheit desselben angezogen und an's Fenster gefesselt.
Der Brand wuchs mit überraschender Schnelligkeit nach allen Seiten hin. Immer gewaltiger, immer wilder und lodernder sich überstürzend rang Woge mit Woge. Turmhoch spritzten einzelne Feuerstrahlen aus der allgemeinen Flut und schleuderten Millionen Leuchtkugeln in den blutigen Gischt, der sie auf seinen raschen Schwingen weit in die Ferne trug.
Herta bemerkte jetzt mit Entsetzen, dass solch ungeheurer Brand nicht durch ein in Flammen geratenes Dorf entstanden sein könne. Auch war es nicht der Zeiselhof mit der umliegenden Ortschaft. Weit näher wüteten die Flammen und griffen mit Riesenarmen um sich. Das Prasseln, Knattern, Sausen und Donnern, das immer deutlicher hörbar ward, liess sie erbleichend die Wahrheit erkennen. Sie wendete sich zu der zitternden Emma und sich auf deren Arm stützend, sagte sie:
"Gutes Kind, führe mich zu Tante Utta, damit ich mit ihr rede. Wir werden eine traurige, unruhige Nacht verleben, denn – die Haide brennt."
"Die Haide!" schrie Emma entsetzt und entriss Herta den stützenden Arm. "Die Haide!" wiederholte sie matter, tonloser. "O Gott, und der Wind treibt Rauch und Flamme gerade auf's Schloss! – Wir werden verbrennen müssen, wenn Gott nicht ein Wunder geschehen lässt!"
"Gott wird uns retten," entgegnete vertrauensvoll das hart geprüfte Mädchen, indem sie ihres unglücklichen Vaters gedachte. Zugleich aber fühlte sie einen Stich in ihrem Herzen, als durchbohre es ein kaltes Eisen. Sie musste sich gegen die rotflammende Wand lehnen, um neue Kraft zu schöpfen. "Mein Vater!" flüsterte sie vor sich hin. "Sollte dies das Zeichen sein, dessen er gedachte? Es wäre entsetzlich! – Mein Vater ein verbrecherischer Mordbrenner!–"
Indess gab die herannahende Gefahr ihr schnell die nötige Besonnenheit wieder. Sie ermannte sich und trat in die Zimmer der verwittweten Gräfin, um welche die trauernden Gäste sich mit den seltsamsten Gefühlen drängten.
Die Versammlung dieser reich geschmückten, in Sammet und Seide von tiefstem Schwarz gehüllten vornehmen Herren und Damen bot jetzt einen eigentümlichen, fast Entsetzen einflössenden Anblick. Die schwarzen Gewänder, vom Schein der Flammen in blutiges Rot getaucht – Dieser in vollem Feuerstrom gebadet, Jener nur zur Hälfte von leuchtendem Strahl getroffen – dort eine ältliche Dame, deren abenteuerlicher Haarputz und Gesicht glühte, während der übrige Körper, von Vorstehenden gedeckt, schwarz und dunkel erschien – hier eine feurige Hand, die schlotternd von verkohltem arme herabhing – und überall Gesichter voll Erwartung, Furcht, Entsetzen, mit der Ohnmacht eines schwachen Körpers ringend oder Flüche zwischen trotzigen Lippen zermalmend – die Augen vorspringend aus ihren Höhlen, glänzend von innerm Grauen und wie glühende Kugeln rollend im Dunst der roten Lohe! – Der Vergleich mit einer Ratsversammlung höllischer Fürsten in den Prunkhallen ihres Meisters und Herrn lag so nahe, dass Herta bei ihrem Eintritt dieses schauerlichen Gedankens sich nicht erwehren konnte.
Am grellsten lag die Flamme auf Magnus der mit gekreuzten Armen neben seiner Mutter am Bogenfenster stand und mit unbeschreiblichem Ausdruck in die wirbelnde Glut starrte. Das Auf- und Zugehen seiner Nasenflügel zeugte von der stürmischen Aufregung seines inneren.
Alle Leidtragenden machten ehrerbietig dem schönen Mädchen Platz, das so fest und würdig auf Utta zuschritt. Herta legte ihre Hand auf die Schulter der Tante. Diese wendete sich bei der Berührung um und begegnete mit Verwunderung dem braunen Auge ihrer Nichte. Mechanisch die Hand gegen das Fenster ausstreckend sagte sie:
"Das ist entsetzlich!"
"Der Anblick ist furchtbar, meine gütige Tante," versetzte Herta sanft, "wenn jedoch schnell Anstalten zur Bewältigung des Feuers getroffen werden, dürfen wir nichts fürchten."
"Törichtes Mädchen," warf Magnus ein, "was verstehst Du von Gefahr! Ich sage Dir, die Haide ist in Brand geraten, ein lebhafter Südwind facht die Glut an und binnen wenigen Stunden werden Hunderte Morgen Waldes in Asche sinken. Gegen Waldbrände vermögen Menschenhände nichts, da kann nur Gott helfen!"
"Gott!" wiederholte Herta dumpf und mit innerlichem Schauder. "Du wagst von Gott zu sprechen, auf Gott zu hoffen, und hast doch nie an ihn geglaubt, nie seine Gebote erfüllt! – Gott wird Dich in Deiner Not verlassen!"
Magnus kehrte sein zürnendes und von innerer Wut zuckendes Antlitz wieder dem Fenster zu. Das Feuer wuchs von Minute zu Minute. Schon sah man es durch die schwarze Wand der Haide wie goldene Früchte, die zur Erde fallen, schimmern. Als Schlangen von blendender Helle, bald rot glühend, bald weisslich wie glühender Stahl, bald blau, wie der zündende Funke des Blitzes;