unsers Handwerkes gefallen lasse. Doch bevor ich Euch in unser Heiligtum geleite, noch eine Frage. Wer seid und was wollt Ihr?"
"Als Wächter kommst Du mir trotz Deines verbotenen Gesichtes etwas dumm vor, lieber Junge," erwiderte Pink-Heinrich, "denn auf Deine Frage kann ich Dir hundert Antworten geben, die alle passen."
Der junge Bursche zeigte abermals grinsend sein Gebiss und stiess den Kienbrand gegen die feuchte Mauer, dass zischend die abstäubenden Kohlen daran niederfielen.
"Nicht gar so dumm, wie Ihr meint, Mann! Nur Eine Antwort gestattet Euch den Eintritt, jede andere würde Euch sehr unsanft durch jenen Spalt befördern und vielleicht für ewige zeiten im schwarzen wasser des Flusses verstummen machen. Also nicht lange gefackelt, mein Bester! Der Brand droht zu verlöschen und mir gefällt es nicht, hier noch länger im feuchten Luftzuge zu sitzen."
"Du bist sehr kurz angebunden mit müden Wanderern, die eine Herberge suchen," versetzte der Maulwurffänger. "Indess jedes Kraut hat seinen eigenen Saft und so will ich mich denn herablassen, ohne lange Umschweife auf Deine Frage zu antworten: Dratschlinge will zu Nachschlüssel."
"Da ich sehe, dass Du unsern Katechismus vortrefflich auswendig kannst, so tritt ein, Gegerbter der Hölle!" sagte der Bursche und zog grüssend seine verschossene Mütze von Fuchspelz. "Nachschlüssel hat schon seit einer Woche auf Dich gewartet und ist Dir zu Gefallen in dieser ganzen Zeit nicht aus seinem schloss gewichen. Deine Ankunft wird ihn sehr erfreuen."
Während dieser Gegenrede schritt der junge Mensch die Stufen hinab, den Kienbrand leuchtend hinter sich haltend. Der Maulwurffänger folgte ohne Furcht, doch mit jener vorsichtigen Bedächtigkeit, die wir in bedenklichen Lagen des Lebens unwillkürlich annehmen.
"Gib Acht, Drahtschlinge!" rief er unserm Freunde zu. "Die Stufen unserer Staatstreppe sind mit glatter und schlüpfriger Schlammfeuchtigkeit statt eines Teppichs überzogen und wer darauf in's Stolpern kommt, bricht regelmässig Hals und Beine, so dass wir, ist er unten angekommen, weiter keine Not mehr mit ihm haben, als dass wir ihn begraben müssen. Solche spasshafte Fälle haben sich schon häufig zugetragen."
Der Maulwurffänger verachtete diese Warnung nicht und fand, dass sie nicht unnötig gewesen war. Nur mit Mühe und durch Anklammern beider hände an die vorspringenden Mauersteine, die im roten Schein des Kienbrandes vor Feuchtigkeit blitzten und von langen Streifen grünlicher Flechten umsäumt waren, kam er ohne auszugleiten in dem brunnentiefen Keller an. Hier ward die Luft trockener und wärmer. Ein gewundener Seitengang, hie und da mit tiefen Löchern in beiden Mauern und mit Ueberresten verrosteter, an schweren Eisenringen hängender Ketten versehen, führte in das geheime Innere. Sein Führer öffnete mehrere Türen und verriegelte sie wieder sorgfältig, bis sie ein kleiner, mit einigem Hausgerät versehener Raum aufnahm, der ein ziemlich freundliches Aussehen hatte. Hier hörte unser Freund sprechen und dazwischen ein Geräusch, als ob Jemand in Holz arbeite oder mit scharfem Instrumente buchene Späne schleisse.
"Warte!" sagte sein spitzbübischer Geleiter. "Ich will Dich erst melden, denn es ist Sitte in unserm vortrefflich eingerichteten Hofstaat, dass nur Bekannte oder Genannte vor seiner Alldurchdringlichkeit erscheinen."
Der Maulwurffänger blieb ein paar Secunden in tiefster Finsterniss, dann kam der junge Mensch wieder zurück, öffnete eine dreifache Reihe sehr fester Türen aus eichenen Pfosten, die auf beiden Seiten mit starkem Eisenblech beschlagen und mit den künstlichsten Schlössern versehen waren, und sagte mit einem Anflug von Höflichkeit:
"Beliebt es einzutreten?"
Unser Freund folgte dieser Aufforderung. Ein grosses vierecktes Kellergewölbe nahm ihn auf, das jedoch wie ein gewöhnliches Wohnzimmer gedielt und mit alten, zum teil sehr kostbaren Schränken, Tischen und Stühlen meublirt war. Ein Ofen, von Kacheln verschiedener Farbe und Arbeit zusammengesetzt, verbreitete eine behagliche Wärme in dem Gemache, das von mehreren hell brennenden Kerzen, die auf zinnernen und silbernen Leuchtern staken, vortrefflich erleuchtet ward. Vor dem Ofen kauerte eine Frau von unschönem Aeussern, deren Kleidung ein wunderliches Gemisch von Lumpen und ehemaligen Ueberresten prächtiger Stoffe zeigte. Sie war beschäftigt, über heller Kohlenglut ein wohlschmeckendes Gericht zu schmoren, wenn der Maulwurffänger dem angenehmen Duft trauen durfte, welcher kitzelnd davon in seine Nase stieg.
Neben ihr an der Wand sass ein noch junger Mann mit auffallend schönem und regelmässigem Gesicht auf einer Schnitzelbank und glättete eben erst aus dem Groben gearbeitete dünne Buchenhölzer mit einem scharfen Schnitzer, wie sie die Tischler zu führen pflegen. Im Hintergrunde des Kellers endlich, an einem runden Tische, der mit silber- und golddurchwirkten Stoffen überdeckt war und unserm Freunde ganz besonders in die Augen fiel, sass ein grosser, starker Mann, die kräftigen Glieder in einen feinen Pelz gehüllt. Dieser Mann hatte bereits graue Haare, ein stark gebräuntes, mit vielen Falten und einigen tiefen Narben bedecktes Gesicht, trug einen lang herabhängenden Schnurrbart, dessen Enden er häufig mit der rechten Hand kräuselte, und las mit grosser Aufmerksamkeit in einem buch, deren mehrere auf einem in die Wand befestigten Regale in guten, wohl erhaltenen Einbänden standen.
Obwohl der Maulwurffänger wusste, dass der berüchtigte und gefürchtete "Fürst der Haide" ein Mann von vornehmenr Anstande und feinen Manieren sei – denn selbst hatte er ihn nie gesehen – war er doch in Zweifel, ob er die vor ihm sitzende ruhige und imponirende Gestalt für diesen halten sollte. Ungeachtet des Geräusches, das Heinrich beim Eintreten mit seinen starksohligen mit grossen Nägeln beschlagenen Schuhen machte, blickte Lips doch nicht