machte er wieder viel von sich reden durch ein paar Einbrüche, die mit grosser Kühnheit verübt worden waren."
"Ich bin kein Polizeimann, Herr Graf," entgegnete der Maulwurffänger, sein scharfes Auge wie einen leuchtenden Blitz auf ihn heftend.
Magnus stand auf und umfasste die erste Züchtjungfer, die eben vorbeiging, um mit ihr unter die Tanzenden zu treten.
"Aus mir soll er nichts herausbringen," flüsterte Heinrich seinem Bruder zu, "und wenn er Schraubenstöcke anlegt und vier Hengste vorspannt. Ich werde kein Narr sein."
"natur, ganz natur!" sagte Gregor und zündete sich der Unterhaltung wegen eine Pfeife an.
Inzwischen dauerte der Tanz ununterbrochen fort. Magnus kam nicht mehr vom Plane. Die jungen Mädchen rissen sich um den schönen, leichten, vornehmen Tänzer und legten alle Schüchternheit ab, da sie den als so schrecklich verschrienen Blauhut auf einmal so zugänglich sahen. Wäre es nicht der gnädige Herr gewesen, der alle Dorfschönen ihren Burschen untreu machte, so würde die Hochzeit, wie so oft, mit blutiger Schlägerei geendet haben. So aber war man eines Teils zu sehr hingerissen von der Freigebigkeit und Grossmut des Grafen und sodann hatte man auch wirklich zu viel Gefallen an seinem Tanz, als dass nur Einer gewagt hätte, über das Glück des hohen Gastes zu murren.
Haideröschen hatte schon mehrmals mit Magnus getanzt. Sie war aufgeregt wie alle Uebrigen und von mehrmaligem Kosten geistiger Getränke sogar etwas exaltirt. Ihr lachendes Gesichtchen glühte wie eine Purpurrose; das weisse Brusttuch zitterte von dem stürmischen klopfen ihres Herzens.
Magnus führte sie aus der Hand ihres Bräutigams wieder zum Tanz. Clemens lachte über Röschens Unermüdlichkeit, er lachte so laut, dass der Maulwurffänger aufmerksam wurde und ihn beim arme nahm.
"Trinke nicht mehr, Clemens," sprach er zu ihm, "Du wirst zu laut!"
"Weiss Gott, Bruderseele, Du hast Recht! – 's ist verdammt heiss in diesem Backofen. Komm, wir wollen draussen frische Luft schlucken!"
Der Maulwurffänger verliess Arm in Arm mit Clemens die erstickende Atmosphäre der Hochzeitsstube und ging plaudernd im Baumgarten mit ihm auf und nieder. Ein sternenklarer Himmel überwölbte funkelnd die schlummernde Haide. –
Magnus hatte das Verschwinden beider Männer bemerkt. Er sah jetzt ausserdem, dass Sloboda trotz des unbändigen Lärmes in einem dunkeln Winkel des Zimmers vor Ermattung zu nicken begann. Alle übrigen waren nur mit sich und dem Tanze beschäftigt und hatten kein Auge auf ihn. – Sogleich endigte er den Tanz und geleitete Haideröschen durch die dicht gedrängte Schaar walzender und zuschauender Gäste. – Er winkte ihr, griff in die Brusttasche seines Rockes, wo ein weisses Papier sichtbar ward, und deutete auf die anstossende kammer. – Haideröschen, erhitzt, glücklich und neugierig gab nicked ihre Zustimmung und verschwand bald darauf in der erwähnten kammer. Ungesehen folgte ihr Magnus, der mit geschicktem Griff von innen den Riegel vorschob.
Es vergingen mehrere Minuten, ohne dass Jemand die Braut oder den Grafen vermisste. Die Musik spielte munter auf, die Burschen klatschten in die hände, sprangen jauchzend in die Höhe, umschlangen mit nervigen Armen ihre Mädchen und stürzten sich in die unaufhaltsame Woge des Tanzes. Da schien es einigen ältern Männern, als vernähmen sie den Hilferuf einer weiblichen stimme. Sie horchten aufmerksam durch den Lärm, da sich aber nichts regte, achteten sie nicht weiter darauf. Nach einer Pause erklang dieselbe stimme wieder, aber auch jetzt hörten sie nur einige Wenige undeutlich. Sloboda erwachte jedoch davon aus seinem schläfrigen Hindämmern und suchte mit grossen Augen seine Tochter.
In diesem Augenblick trat Clemens mit dem Maulwurffänger wieder in's Zimmer, Beide in sichtbarer Aufregung.
"Wo ist meine Braut? Mein süsses Haideröschen?" schrie er mit lauter vor Angst bebender stimme in den jubel der Tänzer.
"Hat Jemand den Grafen fortgehen sehen?" fragte nicht minder laut der Maulwurffänger.
Wie vom Donner gerührt, schwiegen plötzlich Musik und Tanz. Es war eine furchtbare, erwartungsvolle Pause. Ein wiederholter, gellender Aufschrei brachte neues, drohendes, grauenvolles Leben in die Masse der keuchenden Tänzer.
"Meine Tochter! Meine Tochter!" rief Sloboda, stürzte nach der Tür zur kammer – aus der der herzzerreissende Schrei erklungen war – und wollte sie aufreissen, allein sie widerstand jeder Kraftanstrengung.
"Mein Röschen!" jammerte Clemens und schlug wütend mit den Fäusten gegen die Tür.
Ein paar Secunden und die Tür stürzte krachend unter den Tritten der wütenden Wenden zusammen.
Es war finster in der kammer. Der schwache Schimmer halb niedergebrannter dünner Unschlittlichter aus der Wohnstube, in feuchtem Rauche trüb und flackernd brennend, liess am Boden liegend eine Mädchengestalt erkennen, die in völliger Erschöpfung kaum noch atmete. Es war Haideröschen. – Die Brautkrone lag neben ihr, das schöne goldblonde Haar hing in aufgelösten Flechten um den entblössten Busen. Ihre festliche Kleidung war schmutzig, zum teil zerrissen. Ein blick genügte, um hier an einem verübten Verbrechen nicht mehr zu zweifeln. –
Clemens stürzte neben der Röchelnden nieder und rief sie mit den zärtlichsten Namen. Sie gab keine Antwort, aber sie hörte, sie sah ihn. Jammernd nur schlug sie beide hände fest über ihre Augen und wimmerte in herzzerreissenden Tönen.
Der scharfe blick des Maulwurffängers, der in jedem Winkel der dunklen kammer den Grafen suchte, bemerkte auf dem Tische ein weisses Blatt. Er hob es auf und hielt es gegen herbeigeholte Lichter. Es war der Freibrief für Clemens und Haideröschen,