Letztere graziös verneigend.
Es würde ein vergebliches Bemühen sein, den jubel zu schildern, der jetz ausbrach. Ohne Maass und Ziel in Freude und Schmerz, in Verehrung wie in Hass, betäubten die vom Trunk aufgeregten Wenden den jungen Grafen mit Lobeserhebungen. Er war auf einmal der gütigste, der gerechteste, der freundlichste und mildtätigste Herr. Jeder beeiferte sich, ihm dies persönlich zuzuschreien und wo möglich für seine Grossmut die Hand zu küssen, was denn einen unbeschreiblichen Lärm und die grösste Unordnung hervorbrachte.
"Tusch! Tusch! – Ein Hoch dem allergnädigsten Herrn Grafen! – Zugeblasen! Zugeblasen! – Musikanten, aufgepfiffen! –" so schrien und commandirten hundert Stimmen durch einander und die Tusche der Musiker nahmen eine Viertelstunde lang kein Ende.
Obwohl das Essen noch nicht ganz beendigt war, gab man es doch freiwillig auf. Der Brazka liess die Diele fegen, um den Tanz beginnen zu lassen, nach dem Jung und Alt unter johlendem Schreien lebhaft verlangte. Ein so ausserordentlicher Fall, ein Hochzeitsgeschenk so unerhörter Art, schien solchen Verstoss gegen das Herkommen zu rechtfertigen.
"Immer seid lustig, Kinder!" sagte Magnus. "Ein Fässchen Branntwein geb' ich der Gesellschaft zum Besten. Es wird eben angezapft und soll, hoff' ich, etwas besser munden, als Euer kraftloser Fusel. Ein Stündchen will ich mich mit den schönen gefährten der schönen Braut auf der Diele drehen, dann muss ich heim eilen, denn morgen warten meiner wichtige Geschäfte."
Der kaum gedämpfte jubel brach von Neuem, wo möglich in noch verstärkterem Maasse, aus, Tische, Bänke und Schemel wurden bei Seite geschoben, die Burschen bestellten den Vortanz, und als sich die durchdringenden Klänge der Tarackawa, begleitet von dem kreischenden Schreien der Huslje hören liessen, konnte Haideröschen nicht umhin, dem freundlich lächelnden Grafen gewährend die Hand zu reichen.
Magnus hatte viele bestechende Eigenschaften, mit denen es ihm ein Leichtes gewesen wäre, die Herzen seiner Untertanen zu gewinnen und Jedermann für sich einzunehmen. Dazu gehörte eine genaue Kenntniss aller dem volk eigentümlichen Gebräuche, seine Meisterschaft in den von den Wenden hochgehaltenen Spielen und Tänzen, die Leichtigkeit, mit welcher er sich in ihrer Sprache ausdrücken konnte, und noch manches Andere der Art, wodurch der vornehme dem gemeinen mann angenehm, gleichsam menschlicher wird, weil es in gewissem Sinne die Kluft ausfüllen hilft, die vom Glück Begünstigte immer in weiter Ferne hält von dem Armen, Mittellosen und Ungebildeten.
Magnus tanzte den Brautreigen bewunderungswürdig leicht, und doch mit so viel dörflichem Tact, dass selbst die im Tanz geübtesten jungen Burschen gestehen mussten, sie wüssten es nicht besser, ja nicht einmal so gut zu machen.
Während des Tanzes, der sich bald zu einem wirren, drängenden Menschenknäuel verdichtete, ward viel getrunken. Der Branntwein des Grafen mundete zu gut, als dass die Wenden im Genuss desselben hätten Maass halten können. Sogar ältere Männer und Frauen liessen sich vom allgemeinen Frohsinn mit hinreissen und taten des Guten mehr, als ihre vorgerückten Jahre vertrugen. Dies hatte denn einen leichten Rausch fast Aller zur Folge, der durch den immer wilder rasenden Tanz noch mehr gesteigert wurde.
Frei von dieser Ueberlustigkeit hielten sich nur der Maulwurffänger und dessen Bruder. Sogar Sloboda hatte einen leichten "Hieb" und chassirte nicht selten, von einem Beine auf's andere hüpfend, quer durch den qualmigen Tanzsaal nach seiner kammer, die, wie in den meisten wendischen Häusern, an die Wohnstube grenzte. Eine einzige niedrige Stufe oder eine hohe Schwelle trennte sie von der letzteren und eine Zuschlagtür, welche von innen verriegelt werden konnte, sperrte den Eingang. Aus dieser kammer führte eine zweite Tür in einen schief zur Erde abfallenden schuppenartigen Anbau, wo Sloboda Holz, Reissig, einige Ackergeräte und andere in einer Wirtschaft nötige Dinge aufbewahrte.
Mit Absicht vermied es der Maulwurffänger, den Grafen anzureden. Er sass in der Ecke des Zimmers, den rücken der Tür zugekehrt, trank ein Glas Bier und liess sich dazu seine kurze Maserpfeife schmekken. Nach dem ersten Tanze mit der Braut trat Magnus an diesen Tisch und grüsste den unermüdlichen Raucher. Der Maulwurffänger stand auf und erwiderte gebührend den Gruss des Grafen.
"Du hast den Zeiselhof recht lange nicht mehr besucht," redete Magnus unsern Freund an. "Wie kommt das?"
"Ich war daselbst nicht nötig, gnädiger Herr."
"Du weisst aber, dass ich Dich gern kommen sehe."
"Wenn dem so ist, werde ich wieder einmal anklopfen."
Magnus schob einen Schemel an die Wand und setzte sich dem Maulwurffänger gegenüber, so dass jetzt drei an dem Tische sassen, denn auch Gregor hatte inzwischen seinen Platz daran wieder eingenommen und bedächtig die breiten Schösse seines langen, mit rotem Fries gefütterten Rockes von den strammen Beinen zurückgeschoben, so dass sie zu beiden Seiten des Schemels bis auf den Boden herabreichten.
"Wie geht die Kundschaft?" begann Magnus das Gespräch von Neuem. "Ich höre, dass in diesem Jahre der Maulwurf weniger Schaden anrichtet, als in dem letzt vergangenen."
"möchte' ich nicht so schlechtin behaupten, Ew. Gnaden! Es kommt aufs Erdreich an, denn das Ungeziefer hat einen Geschmack so fein, wie der delicateste Fürstbischof."
Gregor lachte und sagte mit dem kopf nickend: "natürlich! natur!"
"Wie ist es denn," sprach Magnus nach abermaliger Pause, "hast Du neuerdings nichts von dem braunen Lips gehört? Vor einigen Wochen