, dass Sie Annen sagten, dass ich gehandelt, wie Der musste, der ihr Herz gekannt. –
Ehe noch Otto ihm etwas zu erwidern vermochte, hatte er sein Schlafzimmer betreten und hinter sich abgeschlossen. Anna's fieberheisse Hand ruhte noch zwischen den beiden Leontinens, ihr feuchter, glühender blick hing noch an den bereits geschlossenen Lippen der Erzählerin. Leontine hatte ihr Alles mitgeteilt, was sie durch Duguet über Kronbergs Bruch mit der Capacelli und dessen rasche Abreise erfahren. – Anna war tief erschüttert. Roderichs Rückkehr zu der eignen ursprünglich edlen natur seines Wesens glich dem Morgentraume seiner ersten Neigung für sie; und gerade in diesem sein Bild verklärenden Lichte, gerade in dieser Milderung der stets unterdrückten harten Anklage ihres inneren gegen ihn musste die Verzweifelnde sich ihn mit fast unumstösslicher Gewissheit als den Mörder des Geliebten denken. Das Duell, von dem sie überzeugt war, es finde statt, glich in ihren Augen keinem Zweikampf, denn sie blieb dessen Ausgangs gewiss. – Das zwiefach Dämonische der Empfindung übermannte sie. laut aufschluchzend barg sie ihr Haupt tiefer in die verhüllenden Kissen; o wie gern hätte sie in kühler Erde es gebettet!
Auch Leontinens Elasticität schien gebrochen. Sie kniete am Bette der Freundin, die sie fortwährend mit angststierem Auge bewachte. Sie wusste selbst nicht, was sie so Entsetzliches fürchtete. Zwischen den Fingern knitterte sie ein kleines Zettelchen von Viatti's Hand, das man ihr heimlich aus dem Gastof zugeschickt; es sollte sie beruhigen und atmete doch nur die tiefste Empörung gegen Annen aus, die erst vor Kurzem ihrem Gatten das Mitwissen um einen inhaltschweren Brief mit frecher Grossartigkeit abgeleugnet und jetzt vor dem Unglückseligen auf eine Weise entlarvt sei, die nur seinen Tod zu wünschen lasse. – Kronberg musste ihm also unbedingtes Vertrauen geschenkt haben.
O hätte Leontine aus dieser engen Schlucht der Pein nur einen einzigen Moment in Viatti's Herz schauen können! Sie fürchtete mit verwirrender sorge die Feuerbrände des Mistrauens, der wütenden Eifersucht seiner ewig in sich arbeitenden und stets von aussen unbeschäftigten natur, deren Einfluss in diesem Augenblick Kronbergs Seele allein beherrschte! Doch wo ihn auffinden? – Das ganz Hülflose der Lage beider Frauen war schaudererregend.
Und, seufzte sie – fortredend aus den sich innerlich jagenden Gedanken heraus – wenn es nun anders käme? O, es ist ja nur ein anderes Entsetzliche, dich daran erinnern zu müssen, dass auch Gottards Kugel treffen kann! Aber das Grausenhafte bleibt sich immer gleich. – Nun, vielleicht, vielleicht trifft sie ihn nicht zum tod; er ist besonnen. – Anna, jetzt, erst in diesem Augenblick, verstehe ich Jean Carlo's sich an den Glauben klammernden Trost ganz. In solchem Abgrund Wahnwitz erweckender Pein, die eine Menschennatur aus allen ihren Fugen reisst und sie zum Spielball der inneren Höllengeister macht, beut nur allein die K i r c h e den schwachen Hoffnungsstrahl, der, ach! so klein, dennoch, unserer ewigen Lampe gleich, das nächste Dunkel hellt. O Anna! was hilft mir all mein Geist – trügerisch oder nicht – lass mir den einen kleinen Dämmerschein, an den ich mich mit aller Kraft des Gemütes anklammern möchte, den Gedanken an die Fürbitte! Ja bitten, bitten für den Beklagenswerten, der den Tod g i b t und sein eigenes ganzes Leben hindurch an der furchtbaren Erinnerung s t i r b t . O könnte ich's m i t ihm abbüssen! Der Mensch hat ja in solchem Jammer nichts, das er ergreifen kann, als den Kelch des Glaubens und das Kreuz der Busse!
Leontinens Haupt sank auf Annens Decke, sie
weinte laut.
Anna richtete sich fast geisterhaft auf. Du zwei
felst, um wessen Tod wir zu klagen haben? rief sie mit einer grauenerregenden Mischung von Qual und innig zärtlichklagender Lust. O, irre dich nicht! Gottard ist vor Allem M e n s c h . Für Kronberg bete, dass ihm Gott vergebe, gegen seine innere überzeugung zu handeln, weil es ihm die Scheinehre gebeut; bete für i h n , so lange du lebst, ich fürchte, ich vermag es nicht. – grosser Gott, ist es denn möglich! Du glaubst, i c h hätte schon verlernt, Gottards Herz zu durchschauen? Du glaubst, er – werde je auf den Vater meiner Kinder zielen? Hast du denn nie ihn verstanden, nie dieses Mannes Charakter erkannt? Er s t i r b t für mich, wie er für mich g e l e b t . Er ist der Beneidenswerte, der Freie, der das einfach Rechte darf!
Sie sank zurück in ihre Kissen und eine tiefe Er
schöpfung hielt sie lange von jeder Aeusserung zurück, bis sie wieder irgend ein Gedankenbild, ein Glockenschlag aufschreckte.
Sophie schlich still hinaus zu August und Duguet,
die im Vorgemach trostlos bekümmert und gebeugt nebeneinander am Kamin sassen.
Und das sehen! sagte Duguet. Das Haus, das uns
genährt, dem wir gedient dreiundzwanzig Jahre hindurch – das Haus zusammenbrechen sehen über der lieben Kinder Haupt, die in ihrer Sicherheit und Unschuld nichts ahnen! Jeden Moment können Graf Egon oder Joseph kommen und der Leiche ihres Vaters begegnen!
Wenn ich nur wüsste, wohin sie gefahren! seufzte
August. Sophie trat zwischen die Beiden. Meine armen Freunde, sagte sie, mir ist nicht gut, ich bin von all dem Elend übersättigt, das ich auf der Welt gesehen; das Warten auf neues Unglück halte ich nicht