Tätigkeit zu geben, indem sie die ihm geraubten Hülfsmittel zurückbrachte, die er für seine Landsleute bedurfte und deren Entbehren grossenteils das Geschick der Griechen entschieden hatte.
O dear, o dear! unser lieber Herr Gottard! How are you? rief die gute alte Lady, als sie unvermutet, das allgemeine Wiedersehen und Begrüssen unterbrechend, in den Salon trat. Ei, sagen Sie mir, bitte, haben Sie wohl wieder etwas Genaueres über die neu zu errichtenden Logen der Carbonaria erfahren, und glauben Sie, dass diese mit den griechischen Angelegenheiten verwickelt sind? Haben Sie wohl gehört, dass unser teurer Graf auch früher einmal sehr gravirt in dieser geschichte gewesen, vor seiner Heirat nämlich – Sie wissen doch, dass der Tod ihn uns entrissen? Alles dies fragte sie h ö r b a r l e i s e , Leontine sollte es nicht bemerken. Aber sie fragte glücklich alle Anwesenden aus der insgeheim gefürchteten Rührung heraus, die sie zu überkommen drohte, und brachte mit ihrem durchaus nicht Gemerkt- und Begriffenhaben der Seelenzustände aller Anwesenden eine so glückliche Unterbrechung hervor, dass ihr Jeder innerlich Dank dafür wusste.
Joseph machte ihr entschieden den Hof, liess sich Arabisch, Indisch und Türkisch von ihr vorlesen und ging sehr ergötzlich auf alle ihre Pläne ein.
Leontine war der geistigen Kreuz- und Quersprünge ihrer alten Freundin zu sehr gewohnt, um auch nur einen Augenblick sich verletzt zu fühlen; sie war sogar gefällig genug, nicht zu hören, was jene zu flüstern wähnte.
St Luce war am übelsten daran, er vermochte sich nicht eher vor ihrem gutgemeinten aber übel angebrachten Eindringen in seine Gefühle und Ansichten zu retten, als bis Anna sie auf die frisch blutende Wunde aufmerksam machte, die dem Freunde der Verlust des angebeteten Kaiserkindes geschlagen.
Als aber am folgenden Tage die gute alte Lady eine ganze Weile dem Zusammensein der Freunde und der Waldau'schen Familie zugesehen, ward sie sehr nachdenkend. In einem unbemerkt geglaubten Augenblick ergriff sie plötzlich St. Luce's Arm: General, lieber General, ich muss Ihnen etwas sagen! Meinen Sie nicht, dear Sir, dass unser guter Herr Gottard eine gewisse Vorliebe für die Gräfin hat? Und nun entwikkelte sie ihre Ansicht, dass bei seiner hohen amtlichen Stellung die Partie gar so übel nicht sei, dass die Gräfin nicht von Adel, wie man ihr versichert, und die ganze Verbindung durchaus keine unpassende zu nennen sei.
Trotz seines Kummers geriet der Invalide in ein so jugendlich herzliches lachen, dass selbst seine grosse Höflichkeit es nicht zurückzuhalten vermochte und mehre Mitglieder des kleinen Kreises, dadurch herbeigezogen, mit Bitten und fragen auf die Lady eindrangen, die in der felsenfesten überzeugung, St. Luce von seinem Vorurteil so am besten zurückzubringen, eine lange Rede hielt, in welcher sie ihre Wünsche für die Liebenden aussprach. Liebe kenne kein Gebot, versicherte sie, und Anna sei so schön, dass man ihr kaum so viele Zwanzig geben wurde, als sie deren Dreissig zähle. Herr Gottard aber, setzte sie mit drolliger Verlegenheit hinzu, steht doch wohl kaum ihr darin nach, und in Old England würde Niemand töricht genug sein, ein so von Himmelshand geschürztes Band nichtiger Einwendungen wegen zu zerreissen.
Sie hatte das Eis gebrochen. Obschon Alle lachten, war ihr abermals Jeder dankbar, denn die Angelegenheit kam nun zur Sprache. Gottard warb um der Geliebten Hand.
Egon beschwor die teure Mutter, ihr schönes einfaches Leben nicht durch eine Uebertreibung zu verderben. Ein unnützes Opfer ist eine Sünde! sagte er ernst.
Anna war unaussprechlich bewegt. Schon dass gerade der Sohn ihres Herzens fast den Bewerber für den so lange und heiss Geliebten machte, hatte etwas tief Erschütterndes. Gottards Freude aber erhob den Augenblick zu einer höchsten Lebensweihe. Einen grossartigen edlen Menschen das Leid des Daseins tragen sehen, wirkt sogar auf selbstische und gemeine Naturen; der Schmerz verleiht dem so Hochstehenden einen Glorienschein und macht den Dornenkranz zur Krone; aber einen ungewöhnlich Begabten, dessen Leben ein Segen für die Andern, für ihn selbst unbefriedigt und schmerzlich dahinfloss, plötzlich im Sonnenglanz des höchsten möglichen Erdenglückes zu erblicken, wirkt noch allgewaltiger. Es öffnet uns einen blick in den Himmel und gewährt uns ein tiefes, jauchzendes Vertrauen auf das Geschick; all der Unmut, der bange Zweifel, die Irreligiosität, die uns oft betrübendes Erfahren aufdrängen, fallen ab wie eine Wolkenhülle und der Glaube tritt uns wieder nahe und strömt seine Seligkeit in unser wundes Herz. Wer diese Menschen so zusammen sah in ihrer heiteren Liebe, wem Annens strahlendes Gesicht, Gottards so geistig-schönes Dankgefühl, der Kinder und Freunde jubel damals die Empfindung des dankbaren Glaubens an mögliches Menschenglück in die Brust gesenkt, wie ein schützendes Amulet gegen das Mistrauen des Ueberdrusses, der wird ein solches Begegnen nicht vergessen haben. Möge sein Erinnern desselben das Samenkorn eines inneren heiligenden Segens für den werden, der am Leben verzweifelt.
Auch jetzt in unsern Tagen noch möchte ich dem schauensmüden blasirten Reisenden, der so viel Städte, Bücher, Bilder, Kunstwerke aller Art mit mattem blick besieht, den eine innere Rastlosigkeit von Land zu land, von Meer zu Meere treibt, wünschen, dass ihn sein Weg an Gottards Landhause vorüberführe.
Wenn der Präsident nach langen beschwerlichen Berufsgeschäften, die auch ihn oft zu weiten Reisen veranlassen, heimkehrt zu seinem stillen, friedlichen Asyl, umfängt ihn eine selbst erbaute Welt des Schönen. Was Wissenschaft, Kunst und Reichtum dem Dasein als Schmuck gewähren, liegt dort in reichen