Sohne das Glück, das er nicht näher bezeichnet, das sie aber leicht erraten hatte, nicht zu versagen. Sie schilderte ihr die tiefe Verehrung ihres Sohnes für sie, sie rühmte mit mütterlichem Stolz die Vorzüge des Sohnes und hiess im Voraus Terese als die geliebteste Tochter willkommen.
Der Brief, so wenig ihn Teophil selbst gutgeheissen haben würde, hätte er eine Ahnung von seinem Inhalte gehabt, rührte Terese sehr. Es gab sich eine grosse Güte darin kund und es tat ihr leid, die Hoffnungen nicht erfüllen zu können, welche man auf sie baute. Sie begriff die notwendigkeit, Teophil nicht länger in Zweifel über seine Aussichten zu lassen, aber die Angst um den Bruder drängte jeden andern Gedanken in den Hintergrund und die erste Woche des neuen Jahres war bereits vorüber, ohne dass sich eine Besserung in dem Zustande des Kranken gezeigt hätte. Der entscheidende einundzwanzigste Tag nahte heran, und mit ihm die tödtliche Spannung, in der man solche Ereignisse erwartet.
In der Befürchtung der traurigsten Möglichkeit gewann es Terese über sich, mit Teophil zu sprechen. Sie fürchtete den Tod des Bruders und der Gedanke, irgend eine naheliegende Pflicht erfüllen zu müssen, nachdem sie den Bruder verloren haben würde, kam ihr hart an.
Sie suchte also Teophil in einem freien Augenblicke auf, dem sie im Wohnzimmer begegnete. In dem lebhaften Wunsche, sobald als möglich zu Julian zurückzukehren, fand sie die Kraft, ohne alle Vorbereitung gerade zum Ziele zu gehen; alle die kleinlichen Rücksichten verschwanden vor der Grösse des Kummers, der von allen Seiten auf sie einstürmte.
Sie haben von mir noch Antwort auf eine Frage zu erwarten, guter Teophil, sagte sie, die ich Ihnen längst hätte geben müssen. Sie haben meine Hand begehrt, aber ich kann die Ihre nicht werden. Ich bin nicht frei, wie ich es Ihnen schon früher gesagt habe, wie Sie selbst es jetzt wissen. – Da sie an Teophil's Zügen sah, welch schmerzlichen Eindruck ihre Worte auf ihn machten, und da sie fühlte, dass die Weise, in der sie zu ihm gesprochen, ihn kalt und herzlos dünken müsse, wünschte sie zu begütigen, so weit es in ihrer Macht stand. Sie sagte ihm, dass sie schwankend gewesen sei, was ihr zu tun obliege, dass sie in festem Vertrauen auf seine Grossmut, in der Gewissheit seiner Liebe daran gedacht hätte, seine Frau zu werden, und dass nur die Unmöglichkeit sie davon abgehalten, weil sie ihm nur ihre Hand, nicht ihr Herz zu geben habe.
Glauben Sie mir, Teophil, sagte sie, es kann, es darf nicht sein. Meine Vergangenheit ist ausgefüllt mit dem Bilde, mit der unwandelbarsten Hingebung an das Andenken eines Mannes, der nie der Meine sein wird –
Und die Zukunft? fragte Teophil bittend.
Sagte ich Ihnen nicht, dass diese Liebe unwandelbar sei? Sie wird auch meine Zukunft ausfüllen, wie sie hoffnungslos mein ganzes Leben in sich fasste. Es ist ein Geschick und ich klage nicht darüber; denn eine grosse Liebe, selbst wenn sie unglücklich ist, ist ein Glück.
Terese, sagte Teophil, ich muss grausam Ihre Wunden berühren, wie der treue Arzt, der zu helfen wünscht. Welches los erwarten Sie für sich?
Sie meinen, welch ein los ich erwarte, ergänzte Terese, wenn es im unerforschlichen Rate einer höhern Macht beschlossen ist, dass ich meinen Bruder verliere? – Ihre stimme ging in Tränen unter, als sie dem Gedanken, den sie seit Wochen in verschwiegener Brust gehegt, zum Erstenmale Worte gab. Es war ihr, als würde das gefürchtete entsetzliche Ereigniss dadurch schon jetzt zur Gewissheit erhoben, als trete es von diesem Augenblicke an in die Reihe der unumstösslichen Tatsachen, und ihr schauderte vor der Gewalt des Wortes. Doch überwand sie sich und sagte: Ich werde leben in Erinnerungen grosser Liebe, in der Freude, von den edelsten Herzen geliebt worden zu sein. Für Sie, Teophil, vermag ich nichts, kann ich nichts sein, denn mir fehlt die Jugend, ein neues Leben zu beginnen. Glauben Sie mir das.
Er hörte sie schweigend an, wie man ein Urteil anhört, dessen Schwere man empfindet und das man für unumstösslich hält. Vergebens erwartete sie irgend ein Wort von ihm, das ihr verkündete, er zürne ihr nicht. Er hatte den Kopf in die Hand gestützt und blickte starr zur Erde nieder, bis der Eintritt des Dieners, der Terese in das Krankenzimmer zurückzurufen kam, ihn aus seinen Gedanken aufstörte.
Sie trat an Teophil und bot ihm die Hand. Können Sie mir nicht vergeben, Teophil? fragte sie. Ich mache Ihnen Kummer und sähe Sie doch so gern, so gern recht glücklich.
Sie wollte fort, aber er presste ihre Hand an seine Lippen, hielt sie zurück und sagte: Wollen Sie mir eine Gunst gewähren? Ich bitte darum als Zeichen Ihres Vertrauens, ich fordere sie, als ein Recht der heiligsten Freundschaft. Lassen Sie mich in Ihrer Nähe bleiben, bis ich beruhigter über Sie von Ihnen gehen kann. Bis Julian Sie wieder beschützt, lassen Sie mich statt seiner, so gut ich es vermag, Ihnen zur Seite stehen. Ich gehe, sobald Sie meiner nicht mehr bedürfen. Darf ich bleiben, Terese?
Sie antwortete nicht, denn ihre ganze Seele war schon bei dem Bruder, aber der feste, stumme Druck der Hand, mit dem sie Teophil's Rechte erfasste, gab