, als Darlehn, nicht als Geschenk gegeben –
Die Frau konnte kein Ende finden in dem Lobe des Präsidenten, so dass Caroline sie mit der Frage unterbrach: Und seine Schwester kommt auch zu Ihnen?
Ja, sie ist schon mehrmals hier gewesen und hat mir, als sie heute Wein für meine Tochter schickte, sagen lassen, dass sie um Mittag nach uns sehen würde.
Und kommt sie allein, wenn sie sich anmelden lässt?
Der Diener begleitet sie bisweilen.
Sonst Niemand? Haben Sie nicht gesehen, dass sonst Jemand sie begleitete oder sie erwartete, wenn sie fortging?
Gnädige Frau! versetzte die Berent, warum machen Sie diese Frage? fräulein von Brand ist meine Wohltäterin und –
Und Sie halten sich für verpflichtet, ihr einen Gegendienst zu leisten, das ist in der Ordnung! meinte Caroline spöttisch. Aber wissen Sie, was Sie damit tun? – Ich höre, Sie wollen sich scheiden lassen, Sie haben einen Mann, der Sie schlecht behandelt: da müssen Sie verstehen, wie einer Frau zu Mute ist, die von ihrem Mann betrogen wird, und fräulein von Brand ist es, die meinen Mann dazu verleitet.
In dem Augenblick läutete die kleine Türglocke, Frau Berent ging hinaus zu öffnen und sah mit äusserster Bestürzung Terese anlangen. Von dieser verehrten Beschützerin Arges zu denken, war ihr unmöglich; und anzunehmen, dass eine so vornehm scheinende Dame, wie Frau von Reichenbach, absichtlich einer ihr fremden Frau das Unglück ihrer Ehe und die Ursache desselben mitteilen solle, ohne mindestens Gewissheit über diese zu haben, schien ihr ebenso unglaublich. Sie hätte Hab und Gut darum gegeben, um Terese zu entfernen, aber sie wusste es nicht anzufangen. Verwirrt und stotternd sagte sie, als diese bei ihr eintrat: Seit mehr als einer halben Stunde ist eine Frau von Reichenbach hier, die unaufhörlich nach Ihnen fragt.
Nach mir? wiederholte Terese. Sie hat Ihnen also wohl auf meine Empfehlung an ihren Mann neue Arbeit gebracht? Das freut mich. Wie stehts mit Ihrer Tochter?
Mit den Worten wollte Terese in das Zimmer gehen, aber Jene hielt sie mit angstvoller Geberde zurück und bat: Gehen Sie nicht hinein, folgen Sie mir; ich bin nur eine schlichte Frau, aber hören Sie meinen Rat und gehen Sie zurück. Es ist gewiss besser, gnädiges fräulein, Sie gehen zurück.
Terese begriff die auffallende Unruhe der Frau nicht und schickte sich zu neuen fragen an, als Caroline heraustrat und lächelnd sagte: Sie lassen so lange auf sich warten, dass ich fürchten muss, ich bin es, die Sie abhält, näher zu treten. Wenn ich Sie störe, will ich mich entfernen.
Nicht im geringsten! entgegnete Terese, mein Geschäft hier ist bald abgetan.
Sind Sie hergegangen?
Ja wohl! das schöne Wetter lockte mich dazu.
Und Sie haben Ihren Diener mit?
Terese verneinte es. Warum liessen Sie sich denn nicht wie gewöhnlich von fräulein Agnes begleiten?
Ich dachte daran; es fiel mir aber ein, die Kranke hier möchte einen Ausschlag oder sonst ein Uebel haben, bei dem ich Agnes einer Ansteckung aussetzen könnte, deshalb liess ich sie zurück.
Die vollkommen unbefangenen Antworten des Fräuleins schienen Caroline schwankend zu machen; dennoch fragte sie, ob Terese erlauben wolle, dass sie hier ihre Rückkehr aus dem Krankenstübchen erwarte und sie nach haus begleite?
Sie nahm den Vorschlag ohne Weiteres an und ging mit der Hausfrau zu deren Tochter. Man fand sie schlafend, die Mutter schickte das jüngere Mädchen, das die Kranke bewachte, hinaus, ergriff Teresen's hände, küsste sie und sagte: Verzeihen Sie mir, wenn ich Sie beleidige. Ich weiss, es ist unmöglich, was jene Dame mir sagte; aber es könnte sein, dass irgend ein unglücklicher Zufall – dass Sie auf der Strasse dem mann der Dame begegneten und sie in der Vermutung bestärkt würde, Sie wären um seinetwillen hergekommen –
Die arme Frau konnte vor Verlegenheit die Worte nicht finden, sie bat Terese flehend um Vergebung, falls sie zu weit gegangen sei aus redlicher Besorgniss für sie. Tief verletzt, suchte diese die geängstete Frau zu beruhigen, nahm die nötige Rücksprache wegen der Kranken mit ihr und kehrte zu Caroline zurück, die ihr auf das freundlichste begegnete und mit der sie sich bald darauf entfernte.
Schweigend schritten sie nebeneinander her. Aber Terese konnte sich nicht überwinden, mit Frau von Reichenbach zu sprechen. Sie war zu sehr erschüttert von der neuen Beleidigung, welche diese ihr wieder zugefügt hatte, während Caroline jede Miene ihrer Begleiterin ängstlich bewachte und unruhig umherblickte, überzeugt, Alfred irgendwo zu begegnen. Aber statt Alfred war es Felix, der mit seinem Lehrer zu Pferde aus dem Park zurückkehrte, als die Damen eben in die Hauptstrasse eintraten. Er grüsste freundlich und ritt vorüber. Seine Mutter geriet dadurch in eine unangenehme Verwickelung. Sie musste fürchten, der Knabe werde sie fragen, wo sie gewesen sei, und diese Frage könne ihrem mann den Besuch bei Frau Berent verraten, den sie ihm zu verbergen wünschte. Auch durch Terese konnte er davon benachrichtigt werden, deshalb fiel sie auf einen Ausweg und bat, als sie sich an der Ecke der Wilhelmsstrasse trennten: Wenn Sie meinen Mann sehen sollten, liebes fräulein, verraten Sie ihm nicht, dass wir uns heute trafen. Ich habe dort eine Arbeit bestellt, mit der ich ihn überraschen möchte.
Terese sah sie ruhig an und sagte mit Würde: Die Bitte konnten