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, sie ist eine recht tüchtige Frau. Ich will morgen gegen Mittag zu ihr gehen und hören, wie es ihrer Tochter ergeht, die krank geworden ist.

Wo wohnt sie? fragte Alfred.

Terese nannte die Strasse und bezeichnete die Nummer des Hauses. Es ist nicht zu weit von unserer wohnung und das ist mir sehr lieb und in vieler Rücksicht bequem! sagte sie.

Andere Personen traten dazwischen, Agnes bat um die erlaubnis, noch ein paar Stunden bei Eva zu bleiben, und Terese erklärte sich damit zufrieden. Man kam überein, dass Julian und Teophil, die mit Alfred noch einen Spaziergang beabsichtigten, das junge Mädchen abholen sollten, wenn sie ihn beendet haben würden.

Eva und Agnes sassen bald darauf, nach Entfernung der Gäste, in dem kleinen Stübchen beisammen, in dem Jene einst Alfred am Morgen nach ihrem ersten Begegnen empfangen hatte. Die beiden jungen Damen waren sich in den letzten Tagen näher getreten, ohne zu wissen weshalb oder wodurch. Es schien, als läge Beiden etwas auf dem Herzen, wofür sie Mitteilung bedurften, und Agnes begann diese mit der Bitte: Sagen Sie mir, Eva, was geht um mich her vor? Ich habe mich bei Terese so heimisch gefühlt wie in dem haus meiner Eltern. Es war auch Alles so friedlich und ruhig als bei uns. Nun ist das anders geworden. Terese ist sehr niedergeschlagen, ich sehe den Präsidenten bald heiter und froh wie sonst, bald von Sorgen bedrückt. Heute ist er gegen mich gut und zärtlich wie mein Vater, dann kommen Tage, in denen er mich kalt und fremd behandelt. Das beängstigt mich. Ich ahne, ja ich kenne den Grund dieser allgemeinen Verstimmung, aber ich begreife nicht, warum das Ereigniss die Guten so sehr betrübt. Können Sie mir das Rätsel lösen?

Erst lassen Sie mich wissen, mein Schatz, was Sie denken, ehe ich mit meiner Weisheit herausrücke, meinte Eva. Was halten Sie für den Grund von Teresen's Trauer?

Ich glaube, sie liebt

Alfred? fiel ihr Eva ins Wort, da glauben Sie leider etwas sehr Wahres.

Herrn von Reichenbach? fragte Agnes mit dem Erschrecken, mit dem man eine furchtbare Nachricht erhält, die man nicht möglich glaubt. Ach! die Unglückliche! Nein das habe ich nicht geahnt!

Sie fing zu weinen an und nun kam die Reihe des Ueberraschtseins an Eva. Sie betrachtete Agnes verwundert und fragte: Aber was haben Sie sich denn eingebildet?

Ich glaubte Terese liebe Teophil, denn ich sehe ja, wie er nur für sie da ist, Niemand beachtet als sie, und neulich trat ich in das Zimmer, alsSie hielt inne, denn mädchenhafte Schüchternheit und achtung vor Terese hinderten sie, zu erzählen, wie sie Zeuge einer Scene geworden war, die nach ihrer Meinung auf ein Herzensverhältniss zwischen ihrer Beschützerin und deren jungem Freunde hindeuten musste.

Ich hatte wohl manchmal gedacht, Teophil sei zu jung für Terese, da er aber so gut und so gescheidt ist, dass man ihn lieb haben muss, meinte ich, sie könnte dennoch sehr glücklich mit ihm werden, und das machte mich ebenfalls glücklich, denn sie ist ja die Güte selber! sagte sie nach einer Pause.

Seit wann sind Sie denn eine Bewundrerin von Teophil geworden? fragte Eva. Ich erinnere mich, dass Sie noch vor wenig Wochen ihn wegen seiner eingebildeten Leiden verspotteten, dass Sie seine Weichheit Schwäche nannten und ihn gar nicht mochten.

Ach, sagte Agnes errötend, ich habe ihm damit ein Unrecht getan, ich habe ihn besser kennen lernen. Wenn Sie sehen sollten, wie standhaft er seine Migräne verbirgt, wie er gar nicht mehr klagt, gar nicht mehr an sich denkt, sondern immer nur bestrebt ist, Terese aufzurichten und zu erheitern, seit er sie leidend weiss, Sie würden ihm gut geworden sein wie ich.

In der Tat war mit Teophil, wie es Agnes richtig bezeichnete, eine wesentliche Veränderung vor sich gegangen. Was weder die Mittel der ärzte, noch des Präsidenten und Teresen's Ermunterungen zu leisten vermocht, das hatte seine treue Ergebenheit für die Letztere bewirkt. In dem dringenden Wunsche, ihr beizustehen, fand er Kraft, sich und seine Leiden zu vergessen, seine Hypochondrie zu besiegen. Da er nicht mehr unaufhörlich seiner Körperschmerzen gedachte, da er sich bestrebte, heiter zu sein, um die Freundin zu zerstreuen, fand er die verlorene Heiterkeit wieder, seine Gesundheit besserte sich und mit dem gesteigerten Wohlbefinden kam ihm neuer Lebensmut und neue Kraft. Er war ein ganz Anderer geworden und Agnes konnte seines Lobes kein Ende finden.

Und was sagt der Präsident zu Ihrer Bewunderung des Assessors? zu Ihrem leidenschaftlichen Liebhaben? fragte Eva.

Er freut sich Teophil's Genesung und ist ihm herzlich zugetan, das wissen Sie selbst, liebe Eva! entgegnete Agnes unbefangen.

Und weiter hatten Sie mir nichts zu sagen? Sonst beunruhigt Sie nichts?

Teresen's Schicksal tut mir so leid, wiederholte sie, denn ich kann mir lebhaft denken, wie unglücklich sie ist, und welche Zukunft steht ihr bevor!

Sie meinen, wenn der Präsident sich verheiratet? fragte Eva und sah das Mädchen scharf und prüfend an.

Der Präsident? Julian soll heiraten, aber wen denn? davon weiss ich ja kein Wort, rief Agnes und fügte lachend hinzu: Den Vogel Phönix möchte ich übrigens wohl sehen, den der Präsident sich auserkoren hat. An allen