vor ihr ausgebreitet und ihr die Kammerjungfer geschickt hatte, sie anzukleiden. Agnes hatte sich nie in so glänzendem Costüme gesehen; ihr schönes Gesicht, ihre volle, frische Gestalt wurden durch die kleidsame Tracht bedeutend hervorgehoben. Sie selbst empfand mit stiller Freude, dass sie schön sei, was die Kammerjungfer ihr unablässig versicherte; und als der Präsident sie abzuholen kam, als auch er entzückt ausrief: Wie schön sehen Sie aus! da konnte sie sich vor Freude und Erkenntlichkeit nicht helfen und fiel ihm um den Hals, ihm mit einem Kusse für seine Güte zu danken. Julian hatte die grösste Lust, sie fest an sich zu drücken, aber das kindlich unbefangene Vertrauen der Jungfrau hielt ihn in ehrfurchtsvoller Scheu davon zurück. Er wagte nicht, ihre Hingebung zu misbrauchen; es war ihm, als entweihe er sie durch die leiseste Berührung, und nur seinen Augen gönnte er die Lust, sich an ihrer Schönheit zu weiden.
Er hatte mit Agnes verabredet, dass sie sich Terese nicht zu erkennen geben wollten, bis man allgemein die Larven ablegen würde. An seinem arme war sie froh und stolz durch die Reihen der Tanzenden gewandelt; er hatte sich an ihren naiven Bemerkungen, an ihrer Freude ergötzt und war unangenehm berührt, als er jetzt mit ihr vor seine Schwester hintrat und ein misbilligender blick Teresen's ihn in seiner guten Laune störte.
Terese unterdrückte aber ihren Unwillen schnell. Zu gutmütig, Agnes in ihrem Glücke zu stören, hatte sie selbst Freude an dem schönen Mädchen und war innerlich so sehr mit der Erscheinung der Nonne beschäftigt, dass sie nur flüchtig auf die Erzählungen ihres Bruders und ihrer Pflegetochter achtete, bis diese sie fragte, ob sie es wohl wagen dürfe, auf einem solchen Balle zu tanzen.
Warum denn nicht? meinte Teophil, der sie um eine Galoppade gebeten hatte.
Sie wissen es ja, ich habe noch gar nicht tanzen gelernt; ich fürchte, man lacht mich aus, wenn ich es schlecht mache, sagte Agnes.
Tanzen Sie immerhin! riet der Präsident. Wen die natur ausgestattet wie Sie, über den lacht man nur vor Wohlgefallen; der macht Alles recht und bedarf der Kunst nicht.
Auch Teophil redete ihr zu und sie nahm seine Aufforderung an, während Eva gegen Julian bemerkte: Sie werden dem kind noch den Kopf verdrehen. Agnes ist wirklich hübsch und die Tracht steht ihr sehr gut, aber für solch junges Mädchen ist sie doch zu gross und viel zu stark; sie wird kolossal werden und bis jetzt kann sie weder gehen noch stehen. Sehen Sie nur, sie tanzt wirklich wie eine Bäuerin.
Da neigte der Präsident sich zu Eva hernieder und fragte: Fürchtet die schöne Titania, dass ein Staubgeborner sich lieber der irdischen Bäuerin zuwendet? Fürchtet sie, dass man ihr treulos werden könnte?
Eva wurde rot und rief: Wer denkt denn daran? Glauben Sie, dass ich mir jemals eingebildet habe, mit meinen kleinen Elfenhänden einen Riesen wie Sie zu fesseln?
Aber den Oberon vielleicht, der jetzt so zärtlich mit meiner Italienerin spricht und sie mit seinen Elfenhänden recht fest zu halten scheint. Sehen Sie, wie sie dort hinfliegen! Der Treulose blickt sich nicht einmal nach Ihnen um! Aber trösten Sie sich und denken Sie, dass ich Ihnen bleibe, wenn Jener Sie verlässt; dass ein Mann auf Erden eben so gut ist, als ein Elfe in den Wolken.
Sie sind immer derselbe, Julian! rief Eva lachend, hing sich an seinen Arm und machte plaudernd einige Gänge mit ihm durch den Saal, bis der Tanz beendet war, Teophil und Agnes sich zu ihnen gesellten und der Präsident dieser seinen andern Arm anbot.
Mit den beiden jungen Schönheiten durchwandelte er die ganze Zimmerreihe, um sie die geschmackvolle Einrichtung des Hauses bewundern zu lassen, und verweilte endlich in dem letzten Kabinette, wo er seine Begleiterinnen aufforderte zu ruhen und sich von der Wärme des Tanzsaales zu erholen.
Es war ein kleines Gemach, das durch blühende Blumen und Schlingpflanzen in eine Laube verwandelt war. Der tür, welche auf den Hausflur führte, hatte man durch das Vorsetzen eines Schirmes, mit eingerahmten Litophanien, hinter welchen Licht brannte, das Ansehen eines Fensters gegeben. Es war ein sehr liebliches Plätzchen und Eva warf sich tiefaufatmend in eine Bergère, die vor dem Fenster stand. Auch Agnes wollte sich niederlassen, legte aber erst behutsam den Sammtüberwurf, den sie trug, auf die Seite, um ihn nicht zu zerdrücken. Kaum sah das Eva, der nichts entging, als sie ausrief: Sehen Sie, wie natürlich die Kleine spielt; man sollte sie wirklich für eine Bäuerin halten, so ängstlich geht sie mit dem Sonntagsstaate um. Schämen Sie sich, Agnes, wissen Sie nicht, dass man in der Gesellschaft niemals an einen Anzug denken darf? Sparsamkeit ist zu ländlich und passt nicht neben Ihrem Cavalier!
Ich bin keine Dame, sondern nur ein Landmädchen, und wenn ich etwas Ungeschicktes tue, sollten Sie es mir nicht so spottend vorhalten, antwortete Agnes empfindlich über die Neckereien Eva's. Es würde mir leid sein, wenn ich der Güte des Herrn Präsidenten Schande machte.
Seien Sie unbesorgt, Agnes, beruhigte sie dieser; Titania ist heute übler Laune, sie mag nicht andere Götter haben neben sich. Ich freue mich, dass ich Sie hergeführt habe, und um Ihnen meinen Dank zu zeigen, gebe ich Ihnen, da ich eben nichts Schöneres habe, diese Rose, so