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ohne Tänzer steht und die ich kenne. Ich tanze den nächsten Tanz mit einem prächtigen Malteser. – Schade, dass Dein Bruder nicht auf dem Balle ist, sagte sie im Fortgehen, er fehlt mir heute recht.

Ohne Teophil's Antwort abzuwarten, nahm sie den Arm des herantretenden Maltesers. Die letzten Worte hatte die Nonne gehört, die bis in Eva's Nähe gekommen war und jetzt ihr folgte. Dir fehlt er heute, mir wird er ewig fehlen, schöne Feenkönigin! sagte sie leise; hüte Dich, dass Deine Lust nicht auch in Tränen ende. Kehre zurück in Dein luftiges Himmelreich, ehe die unbarmherzige Hand der Erdensöhne Deine Schwingen zerknickt und Deine Freude in Jammer verwandelt.

Eva fuhr erschreckt zusammen; auch der Malteser, der die Worte gehört hatte, sah sich nach der Nonne um, die sich schnell entfernt hatte und bald neben Terese und Teophil stand.

So sehe ich Sie gern, lieber Freund! sagte Terese. Mich dünkt, Sie bereuen es nicht mehr, hierher gegangen zu sein.

Ich liesse mich wohl von der allgemeinen Lust tragen, wüsste ich nur, dass Sie teil daran nähmen, dass auch Sie fröhlich wären. Ihre Gedanken sind nicht bei dem Feste, antwortete Teophil.

Ich vermag keine Lust von aussen in mich aufzunehmen; ich bin zu alt dazu, glaube ich, oder zu ernst, zu deutschnennen Sie es, wie Sie es mögen, sagte Terese, als er auf ihre Bemerkung, sie sei zu alt, eine Widerlegung machen wollte. Ich kann nicht aus mir heraus gehen, ich bin immer ich, gleichviel in welchem Kleide, in welcher Umgebung.

Und ist Sie selbst sein, nicht das Höchste? Sind Sie, gerade wie Sie sind, nicht das Ziel, die Ursache

Die Ursache, aus der Sie hier sind, ist zu tanzen, unterbrach ihn Terese. Hier die Nonne feiert müssig wie Sie; warum führt der lustige Oberon die ernste Nonne nicht in das fröhliche Leben?

Weil der Nonne das Leben zur Last ist, weil sie nach Grabesstille, nicht nach flüchtigem Sinnensrausch verlangt, entgegnete sie ernst, während Teophil, von einer Spanierin zum Tanze gewählt, dahinflog.

Alfred hatte sich entfernt, als er Terese mit Teophil und Eva gesehen hatte. Jetzt war sie mit der Nonne allein und diese sagte: Im Leben, in dem Alles uns lügt, verbirgt man sich am leichtesten in der Maske der Wahrheit; denn die Wahrheit vermutet man nirgends.

Sprichst Du von Deiner Maske, heilige Frau? fragte Terese.

Nenne mich nicht heilig; Du tätest es nicht, stände ich ausserhalb dieser Räume vor Dir. Du bist heilig und rein; Du bist der Liebe des Edelsten wert. Ich weiss, dass er Dich liebt, dass Du all Deine Kraft bedarfst, seinen Wünschen zu entfliehen und dem Verlangen in der eigenen Brust. Du trägst die Nonnentracht unter dem farbigen Kleide; Du hast entsagt mitten in dem fröhlichen Gewühl der Welt. O! wäre ich gewesen wie Du, dann brauchte ich nicht zu büssen, was ich nicht allein gesündigt.

Wer sind Sie? Um Gottes willen, wer sind Sie? rief Terese erschüttert und ergriff die Hand der Nonne, damit sie ihr nicht entschlüpfe.

Eine Unglückliche wie Du, deren Herz an hoffnungsloser Liebe verblutet, antwortete die Nonne, indem sie Teresen's Hand an ihr Herz und dann an ihre Lippen drückte. Mit diesem Kusse bitte ich Dich um Vergebung, wenn ich Dich je betrübte. Ich scheide von der Welt, lass mich die Gewissheit hinübernehmen in die Einsamkeit, dass Du mich nicht verachtest; dass Du mich für eine Unglückliche, nicht für eine Ehrlose hältst.

Sie sind – – rief Terese

Aber die Nonne fiel ihr in das Wort: Du weisst wer ich bin, nenne meinen Namen nicht; sein trauriger Klang passt nicht zu dem heitern Feste. Gib mir Deine Hand als Segenszeichen, lebe wohl und Gott behüte Dich!

Sie ergriff nochmals Teresen's Hand, die sie bebend drückte, trat schnell hinter eine Gruppe von Masken, die sich vor ihnen gesammelt hatte, und Terese vermochte sie nicht zu entdecken, obgleich sie ihr folgte. Man demaskirte sich in diesem Augenblick, wodurch ein so buntes, fröhliches Gewühl entstand, dass der Einzelne sich leicht darin verlieren konnte.

Viele Herren hatten gespannt auf den schwarzen Domino und die Italienerin geblickt. Jetzt, da sie die Larven abnahmen, begrüsste man freundlich den Präsidenten, während man bewundernd Agnes betrachtete, die strahlend vor Vergnügen, Schönheit und Jugend, sich mit kindlicher Schüchternheit auf seinen Arm stützte. Von allen Seiten fragte man Julian, wer seine Begleiterin wäre. Man wollte ihr vorgestellt sein und er genoss heiter den Triumph, das schönste Mädchen des Balles als seine Dame aufzuführen.

An jenem Tage, als Agnes so sehnsüchtig nach dem Balle verlangt hatte, war der Gedanke an diese Ueberraschung in ihm aufgestiegen. Er war zu dem Schneider gegangen, der für Agnes gearbeitet, hatte ein reiches, geschmackvolles Costüme für sie bestellt, die kostbarsten Spangen und Nadeln gekauft, und als Terese auf den Ball gefahren, da war er mit seinen Schätzen vor Agnes hingetreten. Sie hatte den Andern traurig nachgeblickt, keine Hoffnung mehr gehabt und vergebens überdacht, was jene Worte des Präsidenten bedeutet haben mochten, auf die sie ihre Aussichten gebaut. Um so grösser war nun ihre Ueberraschung, ihr Entzücken gewesen, als Julian die prächtige Kleidung