das helle wasser, in dem sich Erde und Himmel rein und unentstellt spiegeln. Du glaubst nicht, welche Anlagen diese Kleine hat. Es unterhält mich immer wieder sie zu beobachten, und ich glaube, sie wird mir fehlen, wenn die Eltern sie einst zurückfordern werden.
Es scheint mir, als würdest Du diese einstige Trennung zu verhindern wissen, bemerkte lächelnd Alfred. Uebrigens sehe ich nicht ein, was Dich davon abhalten könnte, wenn es Dir wünschenswert wäre.
Hältst Du mich für so töricht? rief der Präsident, glaubst Du, ich würde mir eine Frau aufbürden? und obenein ein solches junges Kind? Das fällt mir nicht ein; am wenigsten jetzt, wo man im Staatsrat ernstlich daran denkt, die goldenen Ketten der Ehe in ganz solide Fesseln zu verwandeln.
Was heisst das? fragte Alfred.
Nun, ich meine, wir sprachen schon davon, dass man wieder die Beratungen über das neue Ehescheidungsgesetz aufgenommen hat, das die Trennungen erschwert. Aber davon ein andermal. Ich muss eilen; mich rufen Geschäfte und ich werde meiner Schwester sagen, dass sie und Eva auf Dich rechnen können.
Mit diesen Worten empfahl sich der Präsident.
VII
Die Baronin Wöhrstein ging, in einen rosa Domino gehüllt, am arme ihres bedeutend älteren Mannes durch die erleuchteten, blumengeschmückten Gemächer ihres schönen Hauses. Sie hatte mehr als zweihundert Personen eingeladen und man war übereingekommen, verlarvt zu erscheinen, um einmal die Freuden eines Maskenballs in der ruhigen Gewissheit zu geniessen, dass man sich im Kreise von Bekannten und in der besten Gesellschaft bewege. Nur die Teilnehmer an der Quadrille, in der Eva und der Assessor tanzten, hatten eine Verabredung über das Costüme getroffen; alles Uebrige war dem Zufalle überlassen worden, der heute die herrschaft führen sollte.
Allmälig füllten sich die Zimmer mit Masken an. Alle Nationen, alle zeiten waren vertreten; rauschende Musik empfing die Gäste, die sich anfangs mit deutscher Befangenheit schüchtern nebeneinander bewegten, bis der erste Walzer die Tanzenden in seine Wirbel tauchte und man sich frei und heiter zu fühlen begann.
Nach dem Walzer erschien ein Zug von Shakspear'schen Charakteren, unter ihnen Teophil und Eva, die im Vorübergehen Terese und Alfred begrüssten, trotz der Verabredung, dass man sich nicht als Bekannte verraten wolle. Die letzteren befanden sich unter den Zuschauenden und hatten lange in ruhiger Unterhaltung bei einander gesessen, als die Quadrille vorüberzog und alle Blicke sich ihr zuwendeten. Plötzlich blickte Alfred nach der Eingangstüre und sagte: Sehen Sie, das sind ein Paar prächtige Figuren!
Dabei wies er auf einen Mann in schwarzem Sammtdomino und Federhut, der eine italienische Bäuerin von Ischia am arme führte. Der Domino hatte eine edle, hohe Gestalt, ein entschieden vornehmes Wesen, und die Italienerin, offenbar ein ganz jugendliches Mädchen, fiel durch ihre feinen und doch kräftigen Formen, durch die Fülle ihrer reichen schwarzen Flechten auf, die über den frischen, blendenden Nacken herunterfielen.
Alle Augen wendeten sich auf die eben Angekommenen, die allmälig der Mitte des Saales zuschritten; auch Terese blickte hin und glaubte einen Moment ihren Bruder in dem Domino zu erkennen. Da sie ihn aber beschäftigt wusste, da er ausserdem sich einen weissen Domino bestellt hatte und eine ihr fremde Dame am arme führte, lachte sie über ihre Vermutung und sah sich wieder nach einer Nonne um, die einsam dem fröhlichen Treiben zugeschaut und alle Aufforderungen zu tanzen abgelehnt hatte.
Die Erscheinung der Nonne, ihre Kleidung waren so ungesucht, die kalte Ruhe, mit der sie in die laute Lust der Gesellschaft blickte, so ungekünstelt, dass Terese kein Auge von ihr wenden konnte und Alfred auf sie aufmerksam machte.
Sie ist mir auch seit einiger Zeit aufgefallen, sagte Alfred, und ich habe bei ihrem Anblick lebhaft an das gedacht, was Sie mir neulich über die Frauen sagten, die, ein heimliches Leid im Herzen, genötigt sind, sich in die Anforderungen der Alltagswelt zu fügen. Jene Nonne sieht wirklich teilnahmlos aus.
Das finde ich nicht, entgegnete Terese; es scheint mir im Gegenteil, als suche sie Jemand, als erwarte sie irgend Etwas. Sehen Sie, jetzt verlässt sie endlich ihren Platz; die Quadrille ist zu Ende, die Nonne verliert sich unter die übrige Gesellschaft.
Während Alfred mit dem Auge der Nonne folgte, trat Eva zu Teresen heran. Es ist prächtig hier, sagte sie, dies ist endlich einmal ein fest, wie ich es mir lange gewünscht habe. Ich schwimme in einem Meer von Wonne und selbst Dein Teophil ist ganz heiter und galant. Er hat mich eben versichert, dass er, wenn er wirklich Oberon wäre, mir nicht nur das Feenkind überlassen, sondern mir sein ganzes Reich zu Füssen legen würde, wenn ich immer so schön wäre als diesen Abend. Ich versichere Dich, er ist sogar eifersüchtig auf all die Complimente, die man mir macht. – So ein Maskenball ist Dir sehr gesund, ich werde Dich künftig öfter zu dergleichen überreden, teurer Oberon! sagte sie scherzend, als Teophil in ihre Nähe kam, in Lust und Frohsinn wirst Du schnell genesen und glücklich sein.
Bin ich es denn nicht jetzt? fragte er.
Ist es meine Nähe oder die der stolzen, kalten Königin Terese, die Dich glücklich macht?
Eva! schalt Terese leise.
Nein! nein! rief sie, er soll und muss es gestehen; oder ich nehme ihn gleich von Dir fort und führe ihn der Porzia zu, die dort noch