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es auch Beide sogleich besitzen. Inzwischen sprachen wir davon, dass Sie nicht auf den Ball kommen wollten, was der Baronin leid tat. Da fiel ich auf einen Ausweg. Ich wette, sagte ich, dass ich Ihnen den Assessor für die Quadrille schaffe, wenn Sie das Armband zum Preise aussetzen. Das war sie lachend zufrieden und nun haben wir alle Beide unsern Willen und sind Ihnen Beide verpflichtet. Aber Sie scheinen sehr gleichgültig gegen meinen Triumph! – Und in der Tat teilte Teophil die Freude der jungen Frau nicht, die sich bald darauf entfernte, um in eine Gesellschaft zu fahren, in die Julian ihr folgen sollte, denn der ganze Scherz missfiel ihm.

Das liebenswürdige Wesen bringt mich aus all meinen Gewohnheiten, sagte der Präsident, nachdem er Eva an den Wagen begleitet hatte. Es ist eine solche Lust, einen ganz glücklichen Menschen zu sehen, dass ich Eva in Allem nachgebe, ihr gern überall hin folge, um mich an der seltenen Erscheinung zu ergötzen. Sie lebt wie die glücklichen Wesen des goldenen Zeitalters, ohne sorge, ohne Kummer, ohne Denken möchte man fast sagen, und eben so harmlos und rein, wie jene. Darin liegt ein hoher Reiz für den Betrachter. Sie erquickt mich wie Poesie nach einer ermüdenden Arbeit, und ich danke ihr das sehr gern durch Nachgiebigkeit in ihre Einfälle. Es ist mir unbegreiflich, dass Sie sie nicht ebenso reizend finden, Teophil! besonders da sich Eva für Sie offenbar interessirt. Das wäre nun grade eine Frau für Sie! die würde Sie schon erheitern, schloss der Präsident, während er die Brille zurechtrückte und den jungen Freund forschend betrachtete.

Das ist mir auch eingefallen, während Eva neben Ihnen vor dem Spiegel stand bemerkte Terese. Sie passen wirklich gut zu einander.

Ihnen? Ihnen ist das eingefallen? fragte Teophil im Tone schmerzlicher Ueberraschung. Ich hätte geglaubt, Sie kennten mich besser, Sie wüssten, dass Eva mir ganz gleichgültig ist.

Während Terese sehr ernst wurde, schien Julian sich der Erklärung zu freuen. Beide schwiegen aber, und Jener fuhr fort: Sie glauben es nicht, wie ungelegen mir dieser Maskenball kommt. Ich liebe dergleichen gar nicht, und dass Frau von Barnfeld mich zum Gegenstand einer törichten Wette macht, ist mir vollends so verdriesslich, dass ich am liebsten mein Versprechen zurücknähme. Es liegt für mich etwas Beleidigendes darin.

Es sollte Ihnen schmeichelhaft sein, dass zwei so reizende Frauen an Sie denken, meinte Terese.

Wie an ein Spielzeug! fügte Teophil verdriesslich hinzu. Frau von Barnfeld wünscht mich zum Tänzer, wie sie das Armband begehrt, weil ihr die Erreichung des Wunsches unwahrscheinlich war.

Verbirgt sich Eitelkeit oder gekränkte Liebe hinter diesen Worten? fragte der Präsident.

Nichts weiter als Langeweile. Ich hasse diese Maskeraden, die bei uns etwas Gemachtes sind. Wir Deutschen passen nicht dazu. In Italien, wo man sich gelegentlich wohl noch hinter Schleier und Kapuze verbirgt und so verborgen durch die Strassen wandelt, ist eine Maskerade ein aus der Volksgewohnheit hervorgehender Scherz. Wir, die wir nicht gern mit Jemand sprechen, dessen Namen und Stand wir nicht kennen, wir taugen mit unserm Ernst nicht dazu, und sind gewiss in dem Domino oder im Panzerhemde eben so unbeholfen und ungesellig, als im schwarzen Frack.

Sie sprechen ganz meine Meinung aus, sagte Terese. All diese Maskeraden, die lebenden Bilder, das Komödienspielen und Musiciren in unsern Gesellschaften sind nur Beweise, dass es an wahrer Geselligkeit fehlt. Wie selten findet man ein Haus, in dem die Wirtin ihre Gäste gewähren lässt, in dem die Gleichgestimmten sich von selbst zusammenfinden und mit einander in ungezwungener Unterhaltung verkehren dürfen! Ueberall will man etwas bedeuten, man will einen musikalischen, einen besonders geistreichen, einen literarischen Kreis um sich versammeln. Da werden nun die unbedeutendsten Leistungen von Dilettanten präsentirt. Eine halbe Stunde geht mit Nötigen und Zurüstungen hin, dann hört oder sieht man etwas sehr Unvollkommenes, muss sich mit lügnerischem Entzücken dafür bedanken und am Ende hat man sich gelangweilt. Man müsste es mit unserer Gesellschaft wie mit den Kindern machen. Gewöhnt man diese daran, ihre Spiele zu leiten, so lernen sie nicht allein zu spielen: man kann nichts Besseres für sie tun, als sie ganz sich selbst zu überlassen, dann helfen sie sich auch selbst.

Und wie albern werde ich als Oberon aussehen! wie passt denn ein Mann, der Tage hindurch bei den Akten sitzt, zu solch luftigem Scherz! sagte Teophil. Ich begreife nicht, wie Sie Frau von Barnfeld in dem Gedanken bestärken konnte.

So lange Oberon und Titania nur als poetische Gebilde in unsern Seelen lebten, meinte der Präsident, mochte eine solche Wahl bedenklich sein. Seitdem man nun den Sommernachtstraum aber aufgeführt, ihn aus dem Reich des Ideals in die grobe Wirklichkeit gezerrt hat, scheint es mir weniger gewagt, und Sie Beide werden ganz gut aussehen als streitendes Elfenpärchen.

Sie sind also auch gegen die Aufführung dieses Gedichtes gewesen?

Ganz und gar, sagte der Präsident. Es gibt Dichtungen, wie eben der Sommernachtstraum, der gestiefelte Kater, die so sehr in das Gebiet des Phantastischen streifen, dass man sie zerstört, wenn man sie festalten will. Dem Menschen bleibt aus seiner Kindheit die Fähigkeit, sich ein Wunder, ein Märchen in der Seele lieblich auszuschmücken, mit der Phantasie alle Lükken auszufüllen, alle Zweifel zu beschwichtigen. Das schöne Gebild erfreut ihn, er mag es nicht zerstören, er hat