, ging die Treppe hinab, Felix sprang aus dem Wagen und warf sich dem Vater mit beiden Armen an die Brust.
Caroline schrie auf, als sie ihres Mannes ansichtig ward, und fiel ihm um den Hals. Alfred musste es geschehen lassen, um vor der Dienerschaft keinen unangenehmen Auftritt zu veranlassen. Er bewillkommte kalt den Kaplan, bot seiner Frau den Arm und führte sie in das Haus.
Die Freude des Knaben kannte keine Grenzen und ward nur von der lautlosen Zärtlichkeit des Vaters übertroffen. Man konnte kaum ein schöneres Bild sehen, als den kräftigen Mann mit dem blühenden Sohne, wie sie voll Liebe aneinander hingen.
Mein Vater ist da! mein lieber Vater ist da! rief Felix. Nun werde ich wieder auf dem Castor mit Dir ausreiten. Nun werde ich wieder von den tapfern Rittern bei Dir lernen und nicht immer von den frommen Kindern! nicht wahr, Vater? fragte er.
Ja, mein Sohn! antwortete dieser, wir machen Alles wieder so wie sonst.
Und Du gehst nicht wieder fort, und ich und der Neptun schlafen auch wieder bei Dir. Du bleibst doch nun wieder ganz zu haus, lieber Vater? Du gehst nicht wieder fort?
Doch, mein Sohn! aber ich nehme Dich mit, entgegnete der Vater.
Caroline, die in grosser Verlegenheit sich mit dem Ablegen ihres Mantels, mit dem Zurechtrücken von Meubeln beschäftigt und mit dem Kaplan gesprochen hatte, der ihnen in das Wohnzimmer gefolgt war, und schweigend in der Fensterbrüstung sass, weil der Hausherr ihn geflissentlich vermied, trat plötzlich vor ihren Gatten hin und fragte: Wann willst Du, dass wir reisen, Alfred?
Ich denke nur so lange hier zu bleiben, als es unerlässlich nötig ist. Längstens acht Tage, antwortete dieser.
Sehen Sie, lieber Kaplan! rief Caroline, die es nötig fand, sich ihres geistlichen Freundes anzunehmen, sehen Sie, so machen es die Männer immer. Nun werden wir in fliegender Eile von hier aufbrechen und ich hatte Sie eingeladen, unser Gast zu sein, bis Ihre Kur beendet wäre.
Du weisst, Caroline, dass es ganz in Deinem Willen steht, so lange hier zu verweilen, als es Dir beliebt, bemerkte Alfred laut; denn ich kam nicht in der Absicht, Dich zu holen, fügte er leise hinzu.
Hast Du meinen letzten Brief denn nicht erhalten? fragte Caroline.
Ja! antwortete Alfred.
Herr Kaplan! rief Caroline lebhaft, denken Sie nur, mein Mann hat meinen Brief erhalten und nach all den Demütigungen, nach all den Zugeständnissen, die ich ihm auf Ihr Anraten gemacht, beharrt er dennoch auf den alten Vorsätzen, wie es scheint. – Sie hätte für sich und ihren Freund nichts Ungeeigneteres sagen können.
Alfred fuhr heftig auf. Also daher, sprach er, kamen die guten Lehren? Ich hätte es ahnen können. Nun denn! mein Herr Kaplan, da ich Ihnen vermutlich all die freundlichen Vorwürfe über mein Tun und Treiben, und eine Menge von Ermahnungen verdanke, die mir in den letzten Briefen meiner Frau zu teil geworden sind, so erlauben Sie mir Ihnen auch eine gute Lehre zu geben. Stören Sie nie durch Ihre Gegenwart das Wiedersehen einer Familie, gleichviel ob diese sich in Frieden oder in Unfrieden begegnet. Der Fremde ist dabei stets überflüssig.
Der Kaplan, ein grosser, hagerer Mann mit scharfen Zügen und schlichtem blonden Haar, schoss einen tükkischen blick auf Alfred, während er mit Salbung sagte: Ich fürchtete, wie es sich denn auch bewährt, dass Sie sich nicht in Frieden begegnen würden; und ich blieb da, um der gnädigen Frau beizustehen, wie es dem Beichtvater geziemt, in der Stunde der Prüfung.
Ihres Beistandes wird Frau von Reichenbach mir gegenüber nie bedürfen, denn die Mutter meines Sohnes, die meinen Namen trägt, ist mir heilig wie meine Ehre, sagte Alfred mit Würde. Was wir aber mit einander abzumachen haben, das kümmert die Kirche bis jetzt noch nicht, und ich würde es Ihnen Dank wissen, mein Herr, wenn Sie sich entschlössen, die wenigen Tage, die ich hier verweile, uns selbst und unserm eigenen Nachdenken zu überlassen.
Das war mehr, als der Geistliche erwartet hatte, aber er suchte sich zu beherrschen, obschon er sich verfärbte. Ich bin nicht aus freiem Antrieb hier, entgegnete er mit erheuchelter Gelassenheit, ich kam nicht als Gast in Ihrer Abwesenheit in Ihr Haus, mein Herr von Reichenbach! Ich kam kraft meines Amtes auf den Ruf der verehrten gnädigen Frau, die Trost von mir verlangte, in der Vereinsamung, zu der Sie sie verdammt. Mit Ihrer Rückkehr ist mein Amt von selbst zu Ende! sagte er, und wollte sich, nach einer ehrfurchtsvollen Verbeugung vor der Hausfrau, hochgehobenen Hauptes entfernen; aber Caroline vertrat ihm rasch den Weg und, seine Hand ergreifend, sagte sie: Bleiben Sie, verehrter Freund, bleiben Sie und verlassen Sie mich nicht. Lassen Sie sich das Beispiel der Heiligen vorhalten, die wie Sie Schmähungen litten und Beleidigungen vergaben. Wie soll ich mir raten oder wie soll ich Ruhe finden, ohne Ihren milden Trost, der seit Monaten hier meine einzige Zuflucht gewesen ist!
Wenn Sie mein bedürfen, gnädige Frau, erwiderte der Kaplan, werde ich Ihnen niemals fehlen. Dann verneigte er sich wieder, sagte Alfred mit einer Ruhe Lebewohl, als ob gar nichts Störendes zwischen ihnen vorgefallen wäre, und ging hinaus. Caroline folgte ihm auf