sehr seltsam, in der Tat!
Terese wagte nicht, ihn anzusehen, es tat ihr leid, dass sie sich nicht schnell entfernen konnte; sie wünschte etwas zu zu sprechen, etwas zu tun, um das eintretende Schweigen zu unterbrechen. Das erscheinen des Dieners, der Frau von Barnfeld meldete, war ihr deshalb recht erwünscht.
Sehr willkommen! sagte der Präsident, tief aufatmend.
Er hatte Eva nach seiner Genesung noch nicht gesehen, da der Arzt bis jetzt fast jeden Besuch in dem Krankenzimmer verboten hatte. Bei Eva's Eintritt stand er auf und ging ihr entgegen, sie mit gewohnter Freundlichkeit zu begrüssen. Eva aber, sowie sie ihn erblickte, flog auf ihn zu und fiel ihm mit einem Freudenrufe um den Hals. Dann, noch ehe der Präsident und Terese Zeit gehabt hatten, sich von ihrer Verwunderung zu erholen, rief sie lachend, während ihre Augen in Tränen schwammen: Mein Gott, Vetter! stehen Sie doch nicht da wie eine Salzsäule! Ist's denn solch grosses Wunder, dass ich mich freue Sie wiederzusehen? Ich bin freilich gegen Sie stets über Gebühr gütig und liebevoll gewesen.
Das sind die Himmlischen immer für die armen Sterblichen und dies allein gibt uns den Mut, noch mehr Gunst zu fordern, als man uns gewährt, entgegnete der Präsident, schnell wieder Herr über sich geworden und auf den Ton der schönen Eva eingehend. Er umarmte sie, küsste sie noch einmal und sie liess es lachend geschehen. Dann sprach er anscheinend heiter von den beiden Verlobungen in seinem haus.
Sie sehen, sagte er, das Heiraten wird epidemisch unter uns; nehmen Sie sich in Acht, Eva! so etwas steckt an.
Nun dann hüten Sie sich doppelt, denn nach Krankheiten ist die Empfänglichkeit für Ansteckung noch grösser, neckte sie ihn.
Weil ich das fürchte, werde ich, sobald ich es kann, Urlaub fordern und ein Ende fort, etwa bis nach Paris gehen, meinte der Präsident.
Geht denn alle Welt jetzt nach Paris? fragte Eva.
Wer ist denn sonst schon dort?
Eva schwieg, der Präsident wiederholte seine Frage und Terese sprach zögernd: Eva meint vielleicht die Harcourt.
Ist sie dort engagirt? fragte Julian mit sichtlicher Teilnahme.
Sie ist barmherzige Schwester geworden, wissen Sie das nicht? rief Eva.
Nein! das wusste ich nicht, sagte Julian schmerzlich, und Eva meinte: Wohl ihr! Ich wollte, ich wäre so weit als sie, denn ich habe auch gar keine Freude mehr an dem leeren Treiben der grossen Welt, bei dem oft das Herz bricht, während man vor den Leuten dazu lachen muss.
Sie haben wohl lange keinen Ball besucht? Die erste Einladung dazu würde Ihre Grille verscheuchen, schöne Cousine! sprach Julian, dann versank er in Nachdenken und sagte nach einer Weile leise, mit tiefer Wehmut: arme Sophie!