haben glaube, da sie gewohnt sei, still und häuslich zu leben. Bis ich in Ihr Haus und zu Terese kam, kannte ich die Zerstreuungen der Städte nicht, sagte sie, und ich werde sie nicht vermissen, wenn ich wieder bei den Meinen sein werde.
Und sind wir nicht die Ihren? fragte Julian, Sie denken wirklich daran, uns im Frühjahr schon zu verlassen?
Die Eltern bedürfen meiner und Sie wissen ja, dass ich nur wenig Monate in der Stadt bleiben sollte, entgegnete Agnes. Die starken Sonnenstrahlen, die in das Zimmer fallen, erinnern mich nun sehr daran, dass wir nicht lange mehr beisammen sein werden.
Sie sprach das mit einer inneren Bewegung, die wehmütig aus den Worten widerklang und die dem Präsidenten nicht entging. Sein Auge belebte sich, es schien ihn ein angenehmer Gedanke zu beschäftigen, er ergriff die Hand des jungen Mädchens und sagte, sie in der seinen haltend: Es ist brav, Agnes, dass Sie nicht mit zu leichtem Herzen von uns gehen, und wenn es geschieht, so hoffe ich, wir sehen uns bald wieder und es ist sicher nicht der letzte Winter, den Sie mit uns zubringen. Wollen Sie wiederkommen? Wollen Sie wieder mit uns leben, liebe Agnes?
Gewiss! entgegnete sie, Sie sind so gut. Sie stockte, wendete sich errötend ab, vor dem langen, prüfenden blick des Präsidenten, der sie verwirrte, und verliess das Zimmer.
An der tür desselben begegnete ihr der Assessor und setzte sich im Nebensaale an ihre Seite, da sie an ihrem Nähtisch Platz nahm. Sie beantwortete seine fragen zerstreut und konnte nicht verbergen, dass sie innerlich von irgend einem Gedanken ausschliesslich beschäftigt sei. Teophil betrachtete sie mit Ueberraschung und sagte: Ihnen muss etwas Besonderes begegnet sein, Liebe; denn ich habe Sie selten, wie in diesem Augenblicke, verwirrt und unruhig gesehen. Sie kommen von dem Präsidenten, was kann da vorgefallen sein? Er ist doch wohl?
O ja! er denkt bald hergestellt zu sein. Sie seufzte und schwieg. Auch Teophil's Brust entrang sich ein Seufzer.
Wir werden nun bald scheiden, sagte er, denn nur bis zur gänzlichen Genesung des Präsidenten bleibe ich noch hier.
Agnes sah eifrig auf ihre Arbeit nieder, es entstand eine lange Pause. Mehrmals versuchten Beide zu sprechen, es war aber, als könnten sie das rechte Wort nicht finden. Endlich bemerkte Teophil: Wie sonderbar das Leben sich gestaltet! Krank, gebrochen an Körper und Geist, langte ich bei den Freunden an. Weder Julian noch Terese waren mir damals Etwas, nur der Wunsch meiner Eltern führte mich her, und welche Reihe von Gefühlen habe ich hier durchlebt! Ich bin genesen, ich habe Freude, Schmerz und grosses Glück hier empfunden, und nun ist das Alles auch wieder vorüber. Das Stück ist ausgespielt, ich gehe fort, und bald wird Niemand meiner gedenken von Allen, die ich hier verlasse.
Sie sind ungerecht! sagte Agnes leise.
Ich höre nur auf, eitel zu sein, entgegnete Teophil. Terese wird an Alfred's Seite wenig Raum für mein Andenken haben und Sie, Agnes? –
Er sah sie fragend an, sie vermochte nicht die Augen aufzuschlagen und nähte ruhig fort.
Werden Sie an mich denken, Agnes? wiederholte er.
Sie stand auf und trat in die Nische eines andern Fensters. Teophil folgte ihr nach. Sie hatte die Stirne gegen die Scheiben gelehnt; als er sich zu ihr wendete, sah er, dass sie weinte.
Agnes, rief er, wäre es möglich, dass diese Tränen unserm Abschied gelten? Gute, liebe Agnes! nur ein Wort sprechen Sie aus, bin ich Ihnen wert?
Sie antwortete nicht und wollte hinauseilen, aber Teophil hielt sie zurück. hören Sie mich an, nur wenig Augenblicke! bat er dringend. Sie kennen, ich weiss es, meine Werbung um Terese, Sie kennen auch das verhältnis, in dem ich zu ihr stehe. Wollte ich Ihnen sagen, ich hätte Sie geliebt, seit ich Sie kenne, es wäre unwahr und Sie würden es nicht glauben. Ausschliesslich mit Terese beschäftigt, hatte ich für nichts Anderes Sinn, war ich blind für Ihre Vorzüge. Erst jetzt habe ich Sie kennen, Sie schätzen und Sie herzlich lieben lernen. Ich weiss, dass ein Mädchen wie Sie die erste heisse Liebe eines Männerherzens fordern dürfte, und doch biete ich Ihnen meine Hand. Könnten Sie mir vertrauen, Agnes? Könnten Sie sich entschliessen meine Frau zu werden?
Lieber Teophil, sagte sie ängstlich, ich möchte nicht – aus Mitleid sollen Sie nicht –
Teophil sah sie befremdet an; da nahm Agnes sich zusammen und sagte: Nein! Teophil! ich mag nicht, dass –, sie stockte und stiess dann rasch die Worte heraus: Sie sollen sich nicht aus Mitleid opfern, das würde mich in meinen eigenen und in Ihren Augen erniedrigen und dann wäre ich sehr elend.
Ich verstehe Sie nicht, Agnes! sprach er sanft, aber sagen Sie mir nur das Eine, können Sie mich lieben? Nur das eine Wort; denn Sie sprachen in Rätseln bis jetzt. Wie sollte ich Mitleid mit Ihnen fühlen, mit Ihnen –
Weil Sie es ja wissen, dass ich Sie liebe! Eva hat es Ihnen ja gesagt! unterbrach ihn Agnes, laut aufweinend, und nun tue ich Ihnen leid.
Du liebst mich? Du junger