, was an meiner Seite vor sich geht; es geht uns beide nichts an, wir müssen unser Sein, unser Denken miteinander, nicht mit der Welt vermengen, sonst gibt es Schmerzen. So wie Du allerlei Übles ahnest, so ahne ich Gutes, oder doch vielmehr ganz ordentliche ruhige begebenheiten und erschrecke nur darüber, wie Dich etwas so ganz Gewöhnliches in Sorgen setzen kann! – Ich sage Dir daher nur noch einmal, Sophie wird nicht mein Weib, wenn Du sie nicht lieben kannst, aber Du wirst sie lieben, das ist gar nicht anders möglich, sie wird Deinetwegen express nach Trages kommen, sie hat eine Begierde nach Dir wie noch nie nach einem Menschen. So oft ich ihr einen solchen Sorgenbrief wie den letzten Deinigen bringe, wird sie immer sehr gerührt und betrübt, aber wenige Minuten drauf wird sie wieder froh und viel mutiger als vorher, sie fühlt sich so viel, viel besser als man von ihr denkt, und freut sich inniglich darauf, unsre Liebe zu gewinnen. Ich versichere Dich, ich werde so glücklich mit ihr sein, als man es dans ces pays bas auf dieser Erde sein kann, und das Schönste bei dem allen ist, dass wir uns gar nicht störend sein werden, dass das Schwere, Plumpe der gewöhnlichen Ehe uns nicht berühren soll; wir werden leben, wie es Schneeflocken zusammenschneit, und wie die zerrinnen, wenn ein neuer Frühling kommen sollte, so werden auch wir zerrinnen, wenn wir nicht beisammen bleiben sollten usw.
Mache mich nicht unglücklich, liebes Kind, sei nicht traurig um mich, ich schwöre Dir, so wahr als Gott und unsere Liebe lebt, es ist da nichts, was Dich mit Recht betrüben kann! Vertraue mir ganz, aber verstelle Dich nicht, als seist Du ruhig, wenn Du es nicht bist. Ach, aber welcher göttliche Beweis von Deiner grossen Liebe zu mir wäre es, wenn Du mit aller Innigkeit so recht aus ganzer Seele mir vertrautest! Wenn Du wirklich ruhig würdest und zu Dir sprächst: der Clemens kann nichts tun, was mich betrübt, er wird mein Glück nur vermehren, nur befestigen können; in diesem Vertrauen will ich auf die Zukunft mich freuen. liebes Kind, blicke um Dich auf die Herrlichkeit Gottes in der natur und in der Kunst und in unserer Liebe, liebes Kind, lasse Dich keine sorge einnehmen. Ein tüchtiger Mensch kann nicht unglücklich werden, ich fühle, ich kann es nicht, denn ich bemerke mich nicht mehr, so klein bin ich gegen natur, Kunst und die Liebe, und so auch tue Du.
Es wäre sehr betrübt, wenn Dich dieser Brief gar nicht ein bisschen trösten sollte, er geht mir so recht von Herzen! – Gunda schreibt mir aus Frankfurt, Du seist sehr krank gewesen aus Liebe und sorge zu mir, deswegen hättest Du mir nicht geschrieben, Du seist so krank gewesen, dass die ganze Familie um Dich besorgt gewesen sei! Mein Kind, ist das wahr? – Und Du hättest es mir verschwiegen? – Das kränkt mich, das ist gewiss ein Schreckenberger von der Gundel! liebes Kind, nehme Dich zusammen, sei lustig und vergnügt, ich schwöre Dir, es ist auch nicht für zwei Pfennige Elend auf der Erde, und ich hab gar nicht nötig, besorgter oder vergnügter als sonst zu sein; denn es wird ewig beim Alten bleiben; die natur strengt sich nicht an, natürlicher zu sein, Gott hat bis dato noch keine Ursache gefunden, göttlicher zu werden, der Mensch ist so menschlich als genug, und der Clemens ist und bleibt halt der Clemens, und wenn ich sechstausend Weiber nehme, so werde ich immer nach wie vor der Clemens sein. Ich würde auf die letzten Nachrichten von Euch gleich zu Dir gekommen sein, wenn mich nicht folgendes abhielt: erstens kann Sophie nicht eher nach Trages reisen als in ungefähr vierzehn Tagen, und ich kann sie doch nicht allein hinreisen lassen; zweitens will ich meine Büste von Tieck für Dich modellieren lassen und der konnte noch nicht anfangen, weil ein grosser Bacchus, den er macht, umgefallen und zerbrochen ist, so dass er ihn erst von neuem machen musste. Diese Büste ist das überraschende Geschenk, was ich Dir versprochen habe, es wird Dir grosse Freude machen; er giesst einen nicht ab, wie Franz und Toni abgegossen wurden, er modelliert einen aus freier Hand! – Ich will nun doch nicht eher von hier gehen, bis ich Dir mein Wort gehalten habe! –
Savigny schrieb mir heute, er habe einen Brief von Arnim an mich, ich aber habe den Brief noch nicht, auf den ich unendlich ungeduldig bin; er hat ihn Christian gegeben, ihn mir zu schicken, und der ist ein kommst du heute nicht, so kommst du morgen! –
Eben erhalte ich zu meinem haarzubergerichtenden Erstaunen beiliegenden verwirrten Brief der Grossmutter! Ich weiss nicht, was er bedeuten soll. Es muss ihr von hier aus, wo vom Schuster bis zum Herzog alles von mir und der Mereau spricht, manches Unwahre erzählt worden sein; – sie spricht mir auch von Dir! – O sei um Gotteswillen nicht betrübt über mich, wolltest Du denn, dass ich nie heiraten sollte? – Liebe Bettine, wenn Du es verlangst, so will ich das einzige Weib, was mich als Gattin glücklich machen kann, verlassen und will ein Einsiedler werden! Sei doch ruhig und setze mich nicht