Blume lauschend ihr blüht.
Da sehe ich mein Liebchen so weinen,
Sie sieht zu mir heimlich herauf.
Die Sonne will nicht mehr scheinen,
Die Blumen, sie gehen nicht auf.
So hast du dann es verlassen,
Das schimmernde Götterhaus,
Deiner Locken Gold wird blassen,
Deiner Augen Licht gehet aus.
O Liebchen, o sei nicht so munter,
Du hast vergeudet dein Los;
Dein Sternlein, es gehet ja unter
Tief in des Meeres Schoss.
Ans Meer will ich und stehen
Still in dem Abendschein,
Da muss in den Wellen ich sehen
Versinken dein Sternelein.
Im Niedersehen da rollen
Die Tränen still hinab,
Die sich vereinen wollen
Mit deines Sternes Grab.
Dies Lied hab ich ersonnen
Wohl vor jenem Zauberhaus,
Das glänzt in der Abendsonne,
Wo du nicht mehr siehst heraus.
Als Jugend um Liebe brennte
In irrem Liebeswahn,
Da wolltest du ihn nicht erkennen,
Die hell mich blickte an.
Lieber Clemens!
Dein Brief hat einen Eindruck auf mich gemacht, wie ungefähr das Licht wirken muss auf einen, der lange blind gewesen oder im Dunklen herumtappte. – Du gingst von hier und warst so unzusammenhängend, dass selbst die Trennung von Dir übersprungen war; Du liefst, Du liefst, hätte ich nicht dem Buben vor der Haustür mein Schnupftuch in die Hand gedrückt und ihm gesagt, er solle Dir nachlaufen, denn Du habest es vergessen, so wusste ich nicht, wie ich Dich im letzten Augenblick noch an mich erinnern sollte. – Der Knabe kam zurück und sagte, Du habest es in den Busen gesteckt und aufgetragen, mich tausendmal zu grüssen! – Tausendmal! – Einmal wär genug gewesen! – Wenn Du nur vorher Dich besonnen hättest, dass Deine Schwester Dir gegenüberstand und wartete, dass Du sie ans Herz drücken solltest. – Der Knabe sagte mir auch, der Postwagen war noch nicht fertig angespannt, Du seiest voran dem Tor zugegangen! – Ach, Deine Ungeduld fortzukommen, sie war Dir eingeimpft durch jenen letzten Brief, den Du aus Weimar erhieltst; das Fieber ergriff Dich gleich, Du stürmtest fort! – Du hast mich immer geplagt, dass ich nie einen Versuch gemacht habe, Deine Bitte zu erfüllen, irgend etwas niederzuschreiben. Ich hab ein Märchen geschrieben, seit Du weg bist.
Ein schwermütiger Jüngling, von Träumen aufgeregt, erwacht in der Nacht, die heiss und glühend die Welt umfängt wie gestern, wo es die ganze Nacht wetterleuchtete; er stürzt hinaus ins Freie mit seinen getreuen Hunden und kommt in einsame fürchterliche Gegenden, wo schreckliche Wasserfluten von den Felsen niederstürzen und die Bäume auf den Höhen über ihm zusammenkrachen, wo es feucht ist und giftige Kräuter am Gestein sich hinaufranken und betäubend duften. Hier hört er auf einmal ein helles fröhliches Lied singen, mit lustiger stimme, er geht dem Tone nach und entdeckt einen mutwilligen Knaben, der über einem schrecklichen Abgrund sich schaukelt, über den brausenden Wassern, die in stürmender Eile dahinrollen. Er sieht's, erschrickt, wird tief bewegt von der Lebenskeckheit, viele Empfindungen machen sein Herz ganz wild und glühend, er glaubt das Kind zu kennen, er will es warnen, er will es retten, doch nein, es ist ihm noch fremd, nun entspringt heisse Liebe zu dem heiteren Wesen in Todesgefahr, die Hunde klettern ihm nach, wie er sich versteigt, dem kind nachzukommen, sie suchen ihm Bahn, doch mit Angst, und möchten ihn abmahnen, er gelangt endlich hinauf, jetzt ist die Frage, was er mit dem kind anfängt. –
Er stösst ihm einen Dolch in die Brust, ohne es zu wissen, sagt die Günderode. Ich bin aber nicht so grausam und will das nicht, ich sage nein, es begegnen ihm mit dem Knaben noch wunderbare Dinge, der sich ganz mit seinem Schicksal verknüpft, das führt ihn durch glaube, Hoffnung und Lieb, und das Märchen endet auf eine eigne Art. – Wenn es so enden soll, sagt die Günderode wieder, dann ist der Clemens der Jüngling, seine neue Geliebte ist der Knabe und wir zwei sind die zwei getreuen Hunde, die zwar ihn warnen, aber nichts vermögen, hätt es aber nach meiner Art geendet, so warst Du, Bettine, der Knabe. –
Ja, wir beiden treuen Hunde von Dir, lieber Clemens, ahnen ein schwer Gewitter über Deinem Haupt. – Wir möchten Dich wieder nach haus persuadieren und Dich beschwören, den Block zu fliehen, wenn Du auch ein Weilchen die Ketten mit Dir noch herumschleppen musst. –
Ach Clemens, ich bin müde und bin wie krank, aber es wird schon besser werden, könnt ich nur zur Grossmama nach Offenbach; die Luft ist mir dort zugetan, sie brachte mir immer gute Botschaft von Dir, besonders im Frühling, da war die Luft ganz würzig von aller herzlichen Begeistrung der Bruderliebe. Die Günderode sagt auch zu mir, geh nach Offenbach, aber nun hat mir gestern der Gärtner meinen Orangenbaum geschickt und meinen Feigenbaum und den Granatbaum voll Knospen, wer wird sie pflegen, bis ich wiederkomme? – Ich häng an diesen Bäumen, die nun schon zum zweitenmal mir blühen, ich bin ihr Spiegel, sie sehen sich in mir, sonst sagt ihnen keiner, dass sie schön sind, – so will ich hier bleiben. – Aber die Schwalbe dort, die alle Jahr am Dachfenster baut, und der zulieb ich nachts es offen liess, und die hereinkam morgens, mich