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hab ich als abends gesessen.

Heute Abend wird eine Hauptprobe des Zauberfestes vorgenommen. Ich musste alle Rollen abschreiben, hin und wieder laufen, alles herbeiholen! Am Samstag werde ich Dir die Einrichtung und Verfassung des Ganzen berichten und den nächsten Dienstag, wie das Ganze abgelaufen ist. Lieber Clemens, wann wirst Du denn kommen? schreibe mir genau den Tag, rechne es aus, wenn es möglich sein kann, dass ich mich freue und jeden vorangegangenen Tag einen weniger zählen kann, bis plötzlich die Freude hereinbricht, dass Du da bist, und dann gibt es schöne Tage! Ich werde die ersten Frühlingsgänge mit Dir machen, wir werden mit dem Günderödchen manche Stunde verbringen; ach gestern war's schön bei ihr, da hatten wir ein klein Feuerchen in ihrem Ofen angemacht und ohne Licht waren wir da beisammen und sahen die Flammen spielen, die Günderode machte ein Märchen draus, sie legte alles aus, was die Flammen miteinander plauderten. –

Das schöne Wetter duftet schon, wenn man vor's Tor kommt, die Hecken können die Veilchen nicht mehr verbergen, sie hauchen einen an, ganz vergnügt, dass sie gebrochen werden! Die Luft, sie kommt geströmt aus wärmeren Landen, man möchte mit sich aufschwingen, wenn sie den süssen Atem der Pflanzen davonträgt. –

Bettine

Liebe Bettine!

Soeben hab ich Deinen Brief erhalten; es freut mich, dass meine schlechte Arbeit Euch genügte; die Kürze der Zeit usw. – Beiliegenden Brief gib am Morgen ihres Geburtstages der Claudine, er entält ein Gedicht von mir, gedruckt für sie, Du sollst niemand im haus davon sagen, ehe Du es ihr selbst gegeben hast; dann aber kannst Du ein Paket mit etlichen fünfzig bis sechszig Exemplaren dieses Gedichtes, welches ich heute mit dem Postwagen schickte, öffnen, dem George fünf Exemplare zum Verteilen geben, der Toni ebensoviel, ebensoviel der Grossmutter schikken; der Gundel auch soviel, auch schicke jeder Günderode eins, die übrigen gibst Du der Clodine für ihre Freunde. Ich bitte Dich aber, das Paket vom Postwagen nicht eher zu öffnen, als die Clodine den inliegenden Brief erhielt, denn es ist unschicklich, dass Du es eher gelesen hättest, als sie, auch liegt in jenem Paket keine Zeile von mir an Dich, ermässige daher Deine Neugierde und hebe es auf bis zur rechten Stunde, dann gehst Du auf Dein Zimmer und teilst die Exemplare ein und gibst jedem das seine. So geschwind habe ich noch nichts gedichtet.

Seit meinem letzten Brief bis heute gezeichnet, geschrieben, gedruckt! – Ich wünsche sehr, dass Du mir alles schreibst, wie es gegangen, besonders ob sich Schwab erfreute.

Am Geburtstage einer Freundin von

Clemens Brentano,

den 19. März

Durch grüne Auen wollt ich mit dir schweifen,

Wärst du des süssen Maien frohes Kind,

Und wollte sinnreich nach den Blumen greifen,

Zu flechten dir ein zärtliches Gewind,

Wir Blüten werden all in Liebe reifen,

So spräch der Kranz, weil wir dir ähnlich sind.

Doch keine Blume ist vor dir entsprungen,

Der ungeteilten Kraft bist du gelungen.

In leisem Schlummer träumend sinnt die Erde,

Wie sie die junge Zeit erfreuen soll,

Da sieht sie sich, in züchtiger Gebärde

Stehst du vor ihr so sinnend, liebevoll,

Und jungfräulich begrüsste dich ihr Werde,

Der keine Blume noch am Busen schwoll.

Doch bald die Einsamkeit dir zu versüssen,

Lässt als Gespielen sie dich Veilchen grüssen.

So fehlen Blumen, Blume dich zu kränzen,

Die selbst des Jahres frühste Blume blüht,

Doch in des Lebens Garten ohne Grenzen,

In dem der Frühling ewig kehrt und flieht,

sehe eine edle Blume fern ich glänzen,

Die bis zum Namen selbst dir ähnlich sieht,

Das herrliche kehrt ewig zu dem Leben,

Und jeder Sommer muss uns Lilien geben.

Dich Römerin, Vestale sehe ich wieder,

Dich Claudia, die treu den Vater ehrt,

Keusch hüllt ein reiner Schleier dir die Glieder,

Die aller Liebe reine Flamme nährt.

Es priesen uns noch keines Sängers Lieder

Den hohen Sinn, den uns dein Leben lehrt,

Bescheidne, zürne nicht, lass es gelingen,

Die Römerin will der Barbare singen.

Da Claudius, der Feldherr, siegreich kehrte,

Will er, als Sieger soll ihn Roma sehen,

Der in der eignen Tat den Römer ehrte,

Will im Triumphe auch die Tat erhöhn,

Doch ein Tribun, der tiefen Hass ihm nährte,

Will, ungepriesen soll sein Werk vergehn:

Es lässt der Mächtige dem Sieger sagen,

Du sollst durch Rom nicht deine Lorbeern tragen.

Doch achtet, trotzend auf des Sieges Flügel,

Der Feldherr nicht des Richters ernsten Stab,

Im Heeresprunk grüsst er die sieben Hügel

Von seines Wagens goldner Höh herab,

Und tausendfach in heller Waffen Spiegel

Grünt ihm der Lorbeer, den der Sieg ihm gab,

Es lenket durch des Volkes laute Mitte

Der Zug zum Kapitole hin die Schritte.

Da öffnet zweien sich das Volksgedränge,

Erzürnt tritt der Tribun zum Sieger hin,

Ihn, dem er untersagt des Siegs Gepränge,

Will er gewaltsam von dem Wagen ziehen:

Auch Claudia dringt durch der Bürger Menge

Zu ihrem Vater und umfasset ihn.

Besiegt muss der Tribun zum volk kehren,

Den sie berührte, muss er zürnend ehren.

Die Jungfrau gab dem Sieger das Geleite,

Der mit dem Adler nun die Taube trug,

So stand sie schüchtern an des Vaters Seite,

Und um die Tochter er den Purpur schlug,

In schönerm Sieg trug sie