, den ganzen Ball hindurch gesprochen zu haben, den ich noch verwünsche! – Ich muss fort, ich muss wieder nach Offenbach, in die dunkle, reine Nachtluft dort meine Seufzer verhauchen. Die weissen Wände meines Stübchens mit den gelben Streifen, die Diele von Holz, der grau angestrichene Tisch und Schrank! – Ach, ich sehne mich dahin! – Ach, ich kann die Teppiche nicht leiden! Die rotseidenen Vorhänge rauschen mich noch ganz krank – und ich kann jetzt nicht fortschreiben, weil ich ganz übel bin, bloss von der Erinnerung. –
Lieber Clemens, seit zwei Tagen liegt der angefangene Brief da, und ich mochte nicht wieder drangehen aus Furcht vor dem Schwindel, lasse uns über die anderen Punkte jenes Briefes schweigen, aus Furcht vor diesem Schwindel! – Ich weiss Dir ja auch was Besseres zu sagen, jetzt kommt der Frühling bald; denn in Erwartung des März hab ich keinen Respekt mehr vor dem Winter, und meine sehnsucht, die grüne Saat bald herauskommen zu sehen, stellt ihn mir auch näher, ach ja gewiss, der Frühling ist ein Knabe aus weiter Ferne, in so reiner klarer Luft kommt er herangezogen, dass man ihn schon von sehr weit her sehen kann. Heute habe ich einen Brief von Dir wieder gelesen, den Du mir im letzten Frühling schriebst, er ist so schön; wenn ich die Zeit mir ihm so entgegeneilend denke, wie die Felder und Wiesen dann auch bei Euch grün werden, und dann fangen die Obstbäume an zu blühen, und der Himmel wird ganz blau! Vielleicht schreibst Du mir dann auch einen blühenden Brief wieder, wenn die Sonne auf Deinen Schreibtisch scheint. Ich habe dann zwar noch eine Beschäftigung mehr, denn die Altane wird ganz mit Bohnen und Hopfen bepflanzt. – Das wird ein grünendes Zelt, das ganze Haus wird lustiger aussehen. Die Stangen hab ich mit dem Dominicus schon geordnet; – Kasten haben wir mit guter Erde gefüllt, da sollen die Sonnenblumen zu einer erstaunlichen Höhe drin wachsen; auf die Mauer kommen erstens ein Aurikelflor, zweitens Ranunkeln – meine liebsten Blumen! – Wenn diese sind abgeblüht, dann kommen die Grasblumen! Nein, diese sind mir die liebsten! – In die Mitte mache ich einen Sitz, auf beiden Seiten kommen meine zwei grossen weissen Rosensträuche hin, die der Gärtner in Offenbach mir überwintert, und den Granatbaum und den Feigenbaum, unter dessen Schatten man ganz gedeckt ist! – Adieu, lieber Clemens! Ich bin und bleibe wie ich war, Du tätest mir das grösste Unrecht, wenn Du nur vermuten könntest, dass ich anders werde. – Ach, ich kann ja meine Seele nicht abwerfen wie ein schlechtes Gewand! –
Bettine
Lieber Clemens!
Eben ist mein Brief schon fort, und da kommt George mit einem nachträglichen Anliegen an Dich. Am 19. März ist dem Clausner sein Geburtstag; George will, dass wir ihm etwas vorzaubern, um sein langes Alleinsein ein bisschen mit vergnügten Augenblicken zu unterbrechen, er meint, Du würdest gewiss etwas Schönes erdenken, – wo wir alle mitwirken könnten. – Was könnten wir machen, Clemens, besinne Dich, in der Übereilung fällt mir gar nichts ein: vielleicht ein Schattenspiel in der Tür vom Saal angebracht, das gibt ein Familienpläsier, wenn wir am Abend alle beisammen sind und die Dekorationen malen und die Figuren dazu; und mach fort, schüttel's aus dem Ärmel!
An Bettine
Ich kann Dir nur ein paar Worte schreiben, da die Post spät ankam. Dein Brief hat mich recht gerührt, schreibe mir doch ausführlicher und hüte Dich vor aller Überreizung. Du hättest eine Ohnmacht gehabt, schreibt mir die Toni, und an die Wand Dich gestossen und ein tiefes Loch dicht unter dem auge! –
Ich fühl es an meinem auge, so sehr leid tut mir's! So sind wir denn wieder recht einig; ach Gott, ich bin doch so ängstlich! – Sei doch nur recht vergnügt, so wirst Du gewiss nicht mehr solche Anfälle haben! Ich habe Dich gekränkt zwei Wochen lang mit dummen Briefen, und dann kamst Du auf den Ball und warst im Herzen nicht freudig dazu, da war Dir die ganze Welt ein Ekel, da musste Dir wohl wüste im kopf werden! – Warum muss ich denn allein nur so dumm sein, hätte ein anderer so von Dir gedacht, ich hätte ihm den Kopf zurechtgesetzt und hätte Dich geschützt gegen jeden Vorwurf! – Ach ich bitte Dich, sei glücklich. Ostern komme ich nach Frankfurt, da wollen wir uns recht ausschwätzen. Grüsse die Gundel, sage ihr mein Mitleid mit ihrem Unwohlsein wie auch, dass ich einen grossen Brief von der Mereau habe, und dass zwischen uns ein artiger Briefwechsel, eine Art Präliminär-Friedensartikel sich zu erheben scheint. – Grüsse die Toni, aber Dein auge, Dein auge! Das scharfe Eisen, was so dicht daran Dich verwundete, leidet doch Dein auge nicht; ich fühle, wie ich Dich liebe voll Angst! Tut es denn noch sehr weh? – Und eine Ohnmacht, gut, dass ich nicht dabei war. Ich bitte, halte Dich gut! Ergib Dich keiner Betrübteit, wenn es vielleicht eine böse Narbe wird! Wenn's doch erst besser Wetter wär, so könntest Du doch die frische Luft geniessen, sie ist Dir sehr notwendig, sie ist Dein Element. – Du musst alles Traurige vermeiden! – Es könnte Dir schädlich sein