s nichts an; nicht tief genug kann ich mich in die Gruben seines tiefen Denkens alles Reinen und Hohen hineinbetten, ja in diesen Gruben möchte ich begraben sein. Du wirst antworten, dass ich ihn ja nicht verstehe, – ich verstehe ihn freilich nicht, wie könnt ich all die grossen Beziehungen auffassen, die er durch diese grausame Revolution hindurch mit der grösseren Zukunft des Volkes anknüpfte. – Aller Jammer, der seitdem hereingebrochen ist, den würde er mit starker Faust zurückgewiesen haben, so viel verstehe ich doch, dass er liebte nämlich: und daher keine gehässige Gewaltsamkeit geduldet hätte. Und ich will lieber schweigen, ich bin noch so jung – und mit jedem Schritt meines Daseins stoss ich auf lauter widerwärtige Ungereimteiten, ganz in der Stille schlag ich die hände zusammen über alle Narrheit, – ganz in der Stille bete ich zu dem, der in seinem schmerzvollen Tod noch mit allen Kräften seiner Sinne sich dem Volk zuwendete, für es zu sorgen, ja, ich bete zu ihm, dass er bei mir, mit mir sein möge und mich lehren sprechen zu seiner Zeit. Denn auch ich möchte die Welt umfassen. O, ich weiss, was Du sagst, Du tadelst mich. – Du sagst, ich sei überspannt, ich wolle affektieren. – Ich beweise schon darin meinen Heldenmut, auf einmal so aufrichtig meine Seele vor Dir auszusprechen? – Ja, wenn Du von offnem Vertrauen sprichst – damals auf der Hoftreppe war ich ja gar nicht aufrichtig! – ich schwieg mit meiner tieferen Seele. – Denn Du hättest sie getadelt. – Aber doppelt kann ich nicht die Wahrheit verleugnen. Wenn Du sagst, ich soll recht vertrauend gegen Dich sein, da muss der tiefste Quell meines Herzens hervorsprudeln. –
Gestern hab ich bei Arenswald eine ganze Stunde Lektion gehabt über Elektrizität, mir flimmert's vor den Augen wie tausend elektrische Funken. Wenn Du ein Stück Papier verbrennst, dann laufen diese Funken alle durcheinander wie bei einer Revolution, als wenn sie allesamt die wichtigsten Geschäfte hätten, so geht's in meinem Kopf; wenn's nur nicht so traurig ausging, zuletzt bleibt einer nur übrig, oder zwei, das ist noch melancholischer – der läuft ganz allein durch die schwarzen verlassnen Finsternissen; – flipps ist er weg! – Der andre dort, weg ist er. Gestern Abend hab ich immer wieder ein Papier angezündet, um diesen beiden Fünkchen auf ihrem Aschenweg nachzusehen. Die alte Cordel war auf ihrem ledernen Sessel eingeschlafen, sie musste husten vom Qualm und erwachte mit sehr schlimmem Humor, sie sperrte Laden und Fenster auf, da schien der Mond herein, mir was ganz Neues, ich hatte nicht gedacht, dass der scheinen sollte; ich lief in den Garten, der Spitz, der ist mein Geisterbanner, oder vielmehr bewacht er meine Zusammenkünfte mit den Geistern; denn weil ich die Geister nicht fürchte, wenn er bei mir ist, so ruf ich mir sie herbei und rede mit ihnen, ich würde das allein nicht wagen ohne den Spitz.
Lieber Clemens, ich hab Dir alles geschrieben, ich weiss, Du würdest zanken, wenn Du schriebst – aber Du schreibst ja nicht, Du kommst ja selbst, da kannst Du nicht, mit meinem Mund geb ich Dir einen Kuss auf Deinen, in welcher Sprache kann ich gebieterischer ausrufen: "Halt's Maul, geliebter Bruder!" O, mein lieber Clemens, wie freu ich mich darauf. – Die Sonne scheint mir eben ins Bett und lässt mich nicht länger träumen von Dir. Ich kann mich mit dem Kritzlen nicht aufhalten, sieh, wie das schöne Wetter mich schnöde macht.
Lieber Clemens, die Sonne ist eben wieder weg, da wollt ich gern weiter schreiben. Aber adieu, Clemens, sie ist schon wieder da, es geht gleich in den Wald, da wollen wir frühstücken, ich will sehen, ob ich ein Veilchen für Dich finde, komm bald, dass es noch blüht, ich bewahr Dir's am Herzen, und wenn ich dann so redselig mit Dir bin, dann duftet Dir's aus meiner Brust.
Deine Bettine
An Bettine
Frankfurt
Sei nicht traurig, liebe Bettine, dass ich nicht mehr hinaus komme, es ist besser so, mir selber tut's leid, und es ist wahrlich keine Trägheit von mir; denn laufe ich doch gern viele Meilen um Deinetwegen, da mich nichts herzieht als Du, ja alles andre mich vertreibt. Es würde uns beide traurig gemacht haben, wenn ich noch zu Dir gekommen wär, und hätte nichts genützt. Du bist mir immer nah, und allen meinen frohen und guten Stunden wohnst Du bei, so soll Dir auch sein, drum freue Dich und sei gut. Die Freundschaft heisst nicht zusammenhängen und zusammensitzen, Freundschaft ist gross und frei und liegt im Gedanken, für den jeder Raum gleich nah ist. Jemehr Du mir ähnlich fühlst, wo ich gut fühle, jemehr Du mir ähnlich denkst, wo ich gross und edel denke, je mehr bist Du mein Freund, je näher bist Du mir, auch liebe ich nicht Dich hier in Frankfurt noch in Offenbach zu sehen; denn wir sind dann beide durch unsre Umgebung gedrückt, und wir müssten, wenn wir nebeneinanderstehen, immer so stolz, so glücklich und so edel sein, als wir es können. Wenn ich nicht hier bin, bin ich viel besser und kann viel reiner und freudiger mit