Interesse zu, das entschädigt für die Antwort, die er einem schuldig bleibt. – Du glaubst nicht, wie wenige man findet in der Welt, die ganz frei sind vom Schlechten und Gemeinen, und wie ein Mann gleich Savigny ein wahres Wunderwerk ist.
Ich will Dir noch eine Ballade hierher schreiben, die ich gestern gemacht habe, nur um dem Arnim ein Gedicht schicken zu können, die geschichte von Gottschalk Overstoulz und der Maus und Bischof Engelbrecht habe ich in der Kölnischen Chronik gelesen, es geschah im dreizehnten Jahrhundert, das andre ist hinzugedichtet, viel Gutes mag vielleicht nicht dran sein, aber es reimt sich doch, hat Anfang und Ende und gefällt Dir vielleicht.
Von Köllen war ein Edelknecht
Um Botschaft ausgegangen,
Den Vater hielt ihm Engelbrecht,
Der Bischof, hart gefangen.
Er ging gegen Arle manchen Tag,
Er ging in schweren Sorgen,
Sein Liebchen ihm im Sinne lag,
Der hätt er es verborgen.
Gar traurig er am Brunnen lag,
In Busch und grünen Hecken,
Da hört er schallen Hufesschlag
Und tät sich schnell verstecken.
Zum Brunnen ritt ein froher Mann,
Sein Hütlein tät er schwenken,
Ein andrer ging betrübt heran,
Die Lanze tät er senken.
Und sprach zum frohen – Froher Mann,
Was mag Dich so erfreuen –
Lass ab zu trauren, hub der an,
Gott will uns Trost verleihen.
Denn Gottschalk, der getreue Mann,
Geht frei aus seinen Banden,
Durch Gottes Wunder er entrann
Mit allen den Verbannten.
Er hatte eine kleine Maus
Sich also zahm erzogen,
Die lief da freundlich ein und aus,
Und war dem Herrn gewogen.
Doch einst der kleine Freund entlief
Und wollte nicht mehr kehren,
Und wie Herr Gottschalk pfiff und rief,
Das Mäuslein wollt nicht hören.
Da sprach betrübt der treue Mann,
Ich muss dich wieder haben,
Und mit den Freunden er begann,
Dem Mäuslein nachzugraben.
Und in der Erde eingescharrt
fand Meissel er und Feilen,
Womit er ihre Bande hart
Gar leichtlich konnte teilen.
Der andre sprach, mein Schwesterlein
Das liegt gar hart gefangen,
So hart, dass selbst das Mäuslein klein
Nicht könnt zu ihr gelangen.
Des Schlosses Dach ist himmelblau,
Die Mauern grüne Wellen,
Die Graben rings sind Flur und Au,
Die Fenster Fluss und Quellen.
Der süsse Knecht, die Liebe brach
In ihres Herzens kammer,
Ihm folgten die Gesellen nach,
Der Schmerz und böse Jammer.
Die Hoffnung blies ihr Lämpchen aus
Die Schmerzen sie bezwangen,
Und legte sie ins dunkle Haus
Wohl auf den Tod gefangen.
Am Fels, wo wild der Rhein zerschellt,
Wo bös die Schiffe stranden,
Dort ewig sie gefangen hält
Der Schlund in kühlen Banden.
Ein Freund des Bischofs sie belog,
Herr Hermann sei erschlagen,
Der insgeheim gegen Arle zog,
Den Vater zu erfragen.
Dann zäumten sie die Rosse auf,
Um von dem Quell zu scheiden,
Und gaben sich die Hand darauf,
Den Bischof zu bestreiten.
Und wie sie aus dem wald schon,
Trat wieder an die Quelle
Hermann, des treuen Gottschalks Sohn,
Der traurige Geselle.
Er eilte an das Wasserschloss,
Wo bös die Schiffe stranden,
Und schrie, wer macht mich fessellos,
Wer sprenget mir die Banden.
lebe wohl, lebe wohl, o Vater mein,
lebe wohl in grossen Ehren,
Ich hab verloren das Mäuslein klein,
Es kann nicht wiederkehren.
lebe wohl, lebe wohl, o Kerker mein,
Das Mäuslein ist verloren,
Das Schwert muss meine Feile sein,
Da tät er sich durchbohren.
Und stürzt hinab ins kühle Haus,
Wo Liebchen liegt gefangen,
O Liebchen breit die arme aus,
Ihn herzlich zu empfangen.
Ach läg gefangen im kühlen Haus,
Die mich so hart betrogen,
Sie hätte, eh dies Lied noch aus
Mich auch hinabgezogen.
Grüsse die Gundel und alles, wem es Spass macht, dem lese mein Liedlein.
Clemens
An Bettine
Marburg, am Mittwoch
Den Montag bin ich von Münster wieder zurückgekehrt. Savigny ist mir dort begegnet und war freundlich; dass ich keinen Brief von Dir hier gefunden habe, macht mich traurig oder lässt mich einsam in meiner Trauer. – Deinen Brief, worin die Reise auf den Trages beschrieben, hab ich ihn lesen lassen; er hat aber keine Silbe gesprochen und die Zeitung nachher gleich weitergelesen. Überhaupt spricht er nie von Dir und hört ungern von Dir reden. Das ist vielleicht in seiner Art und muss Dich nicht verdriessen, Du hast die richtigste Ansicht von ihm, und wenn Du nichts mehr von ihm begehrst, werde ich nichts mehr an ihm vermissen, der keinen Menschen vermisst.
Adieu, in höchstens vier Wochen bin ich bei Dir.
Clemens
Lieber Clemens!
Es ist wohl wahr, dass ich Dir lange nicht geschrieben habe; denn mein letzter Brief, in dem ich wie ein ungebärdig Kind mich allem widerstemme, was Du mir vorhältst, der gilt nichts. Aber diesmal, noch ehe ich Deinen langen Brief eröffnet hatte, nahm ich mir vor, auf der Stelle zu antworten; so hielt ich denn an mich, liess mir erst eine Feder schneiden, mit der ich gleich recht kulant schreiben wollte; und wie ich schreibefertig war, erbrach ich erst Deinen Brief, in dem ich las und noch einmal las und wieder las, dass Du in meinem letzten Brief Dich nicht zurechtgefunden hast und nicht mehr weisst, ob meine Briefe ruhig und zufrieden oder kalt und erschlafft sind; ob ich Dich noch ebenso