mit einem Stück Brot von der Brotbaumfrucht in Otaiti. – Dies war eine grosse Galanterie, denn bekanntlich ist ihr Liebling unter allen ihren Werken dieser Roman, der auf Otaiti vorgeht; sie war also durch dies Brot so entzückt, dass ihr die Tränen herabrannen! – "O Kinder," sagte sie, "wieviel Schönes harret noch eurer, wenn ihr euer Interesse an der natur ausbildet, glaubt mir, nicht allein das, wozu die natur etwas geschaffen zu haben scheint, hängt mit diesem Etwas zusammen und ist darauf angewiesen; nein, es führt alles eine Sprache mit dem Geist. Dieser aber ist wie ein Kind, die grosse Rednerin natur spricht nur liebkosende Worte zu ihm, ja sie ahmt sein Lallen nach, nur um ihm sich verständlich zu machen; aber es muss einst dahin kommen, dass sie die höchste Begeistrung zu ihm ausspreche, und dass er ihr Antwort darauf geben könne." "Ja," sagt ich, "liebe Grossmama. Wenn die natur erst mit dem Menschen spricht, wie Mirabeau zu der Nation, dann werden lauter Freiheitshelden geboren werden!" – Ebel – kreuzigt sich immer vor mir, er ist mehr noch als Hase! – Jede idee, die ich ausspreche, deucht ihm ein Pistolenschuss, das Geringste, was ich sage, hält er für eine Erbse, die ich ihm mit einem Blaserohr in die Perrücke ziele; – es kommt ihm immer vor, als erschüttre ich das Weltall mit meinen Behauptungen. – Er lauscht manchmal, ob er's nicht krachen hört. – Er guckt nach dem Wetter und behauptet, die Wolken, die da herankommen, seien gewitterhaft von meiner elektrischen natur zusammengezogen, und er mag durchaus nicht in meiner Nähe verweilen bei schwüler Luft, er fürchtet für sein geschätztes Dasein, das Gewitter könne in ihn einschlagen und seine Seele ungewaschen und ungekämmt vor den Richterstuhl Gottes bringen! – Der Herzog von Gota war dabei, als er dies einmal sagte, und hatte seine Verwundrung über den gelehrten Naturforscher, er fragte ihn, ob er denn an ein letztes Gericht glaube, ob er an die Hölle glaube? – Da kam es heraus, dass er an noch mehr glaubt; nämlich an einen grossen Aktenschrank, worin alle Lebensprozesse aller Menschen drinnen in höchster Ordnung aufgestapelt sind. Dieser Aktenschrank ist sehr leicht beweglich, auf einen Wink fliegt er auf und präsentiert gerade die Akten, die zum Prozess des Lebensverflossnen die nötigen überweisenden sind, denn kein Mensch wird verurteilt, er werde denn von der Gerechtigkeit des Richterspruchs überzeugt, – damit er sich die Höllenpein nicht durch den Trost erleichtere, er sei ungerecht verdammt, – "denn Gott kann nicht ungerecht sein," setzt Ebel hinzu! "O Hirngespinst, o Scheusal, o Gespenst, o Empusa," sagte der Herzog, und seitdem trägt Ebel den Namen Empusa! Er wird auch nicht mehr maskuliniert, sondern muss weiblich passieren, was ihn ärgert, mich aber auch.
Genug von der Empusa; als sie geflohen war, so wollte die Grossmama das Wort für ihn nehmen und meinte, es sei doch gut von ihm, diese Freude ihr zu machen. Ich holte Licht und bat die Grossmama so sehr, sie möge doch die Asbestleinwand ins Licht halten. Aber ach, sie brannte ab. – Adieu Leinwand! – Adieu, Ebel, Du bist kein charmanter Ebel mehr! –
Fortsetzung des historischen Briefes
Am Samstag sind wir um neun Uhr nach Frankfurt gefahren! Der erste, der am Kornfeld von Sachsenhausen uns begegnet, war die Empusa; sie hatte sich nicht mehr am Abend in die Stadt getraut, es war Meltau gefallen, und so blieb sie auf der Gerbermühle, damit nicht auf ihm der Meltau sich hafte, der sehr oft die Auszehrung veranlasse. Ich rief dem Kutscher halt, sprang aus dem Wagen, brach mehrere Ähren ab, nahm sie in den Mund und liess sie blühen; – dann persuadierte ich die Empusa, doch diese Roggenblüte durch den Mund zu streifen und zu essen, als ein ganz sicheres Mittel gegen die Auszehrung. Dies hab ich im Kloster gelernt. Empusa frass die Roggenblüte, fühlte sich nun, gesichert gegen den Meltau, ganz munter. – In unserm Haus war alles voll Sonnenschein und erinnerte mich sehr an unsere Kindheit, wo wir uns als in die Galerie versteckten, um dort das kleine Seeschiff zu betrachten und die unzähligen kleinen Wachspüppchen von allen Ordensgeistlichen, vom Papst an bis zu den Bettelmönchen und Nönnchen. – Die Galerie stand offen, ich verweilte dort bei manchem aufgehobenen Kinderspiel aus unserer frühsten Zeit; auch fand ich dort in einem Schrank den schönen Kastorhut der Mutter mit einem blitzenden Band von Stahl und Goldperlen, auf den der Papa als die Johanniswürmchen setzte, wenn er mit uns am Abend im hohen Sommer spazieren fuhr. – Der Kastorhut war mir gar zu lockend; ich setzte ihn auf, er stand mir schön, ich glich der Mama; denn ihr Bild wurde mir wieder ganz deutlich – und der Papa hatte mich auch lieb vor allen Kindern, ich glaube wohl, dass ich ohne Sünde den Hut kann behalten. – Ich frage bei Dir an, ob's ein Diebstahl ist, – unterdessen hab ich ihn zum Günderödchen gebracht, dass sie mir ihn versteckt, bis Du mir schreibst, ob Du erlaubst, dass ich den Hut behalte! – Ich behalt ihn aber doch! – Abends war bei der Gunda der Tee; da