er nun weggehe, und es war mir doch gar nicht so ums Herz. Ich hätte viel lieber Abschied von ihm genommen wie von Dir, nicht wie von einem Fremden, der mich gar nichts angeht.
Jetzt freut mich's, dass ich so aufrichtig gegen Dich sein kann, und wenn Du an Arnim schreibst, so sage ihm, dass ich ihn noch recht liebhabe, aber nicht so deutlich sage es ihm wie hier in diesem Brief. Ich würde Dir eher geschrieben haben, aber ich bekam erst viel später Deinen Brief von Christian, der auf der grünen Burg den ganzen Tag im Gras liegt und Flöte bläst, und die Leute sagen, die ganze Gegend wär wie verzaubert von diesen Flöten-Variationen "Mich fliehen alle Freuden," und wenn er aufhört zu blasen, so spitzen sie die Ohren, als ob sie was hörten, das ist die schweigende Stille, die sie hören, das ist ihnen ein so längst entwöhnter Ton, eben weil die Flöte weder bei Tag noch Nacht von seinen Lippen kommt.
Clemens, komm bald, komm ja recht bald, an Benediktchen einen Gruss, und sie soll Dich gehen lassen. – Komm, ich hab Dir viel zu sagen.
Bettine
Liebe Bettine!
Während ich Deinen Brief las, donnerte und blitzte es rings im Tale, nun ist es ruhig, aber ich kann Dir nicht heute ruhig antworten, es ist keine Zeit, wahrlich, Dein Brief selbst lässt mir keine Zeit, ich gehe jetzt in den Garten, da will ich an Dich denken und Deinen Brief dem Sonnenschein, der durch die Gewitterwolken bricht, vorlesen, der wird Dich in Offenbach freundlich dafür ansehen und Dir danken, dass Du an ihn geschrieben hast. Drum, er konnte auch nicht umhin, er muss Dir gleich recht warm glühende Antwort geben. Ein freundlicher Kerkermeister, dem es jammert, dass er den Gefangnen im Kerker muss schmachten lassen, wie vergnügt bringt er die Botschaft der Befreiung, und wie eilig und wie sanft löst er die Fesseln; so war's mit Deinem Brief, er kam mit dem Schlüssel in Händen, ich fühlte vom erleichterten Herzen die Fesseln niederfallen eine nach der andern, und die Sonne schien mir ins Herz, da war's auf einmal anders; ich dachte, wie bin ich doch betrunknen Sinnen hingegeben gewesen. – Ja, es ist alles schön, was ich erlebte, und die Liebe und Güte dieser Menschen gegen mich ist wirklich lieb und edel, aber schöner ist doch nichts als frei sein und ungefesselt lieben, wie ich meine Schwester liebe, und dann fühlte ich, dass nichts mich so beglücken kann als die spielende Heiterkeit in Dir, die doch aus innigster, warmer Lebensquelle strömt, lieb Kind! – Tanz ist doch edel! – ja gewiss mit die reinste, die erhabenste der Künste! – Denn jede Kunst hat im Geist ihre Apoteose, und Deine heitere Lebensansicht, Deine Gefühle sind tanzende Wendungen nach der lieblichsten Melodie. – Diesmal im Brief spielen Deine Gefühle auf der Schalmei und begleitet der Witz mit dem Triangel dazu. –
Meine Gitarre wünsche ich mehr als je hierher, ich möchte sie mit nach Düsseldorf nehmen; wenn Du sie könntest lassen in eine Decke einpacken, wäre gut. Hast Du dem Ritter geschrieben? – schreibe ihm doch, er ist einer, der besser ist wie die Albernen, die uns für absurd halten, schreibe ihm, lieb Kind! – wie Du ans Weltall schreiben würdest, wenn Du auf einem vertrauten Fuss mit ihm wärst. Denn er ist im Begriff, die Schöpfung auszusprechen. So wie der Urgeist sie im Moment der Erfindung aussprach, was ein und dasselbe ist dem Erfinden, so geht sie in geläuterten gehöheten, geistigen Begriffen durch ihn durch, als ob sie bloss geschaffen, um auch einem so erhabnen Streben des Geistes durch ihren Begriff zu lohnen. – Lies doch wieder in den guten Büchern, die Du hast, lieber Engel – und werde immer ruhiger und bemühe Dich, einzelne Dir merkwürdige Lebenspunkte aufzusetzen, und schenke mir dann und wann so was! – Dem Arnim will ich schreiben, dass Du ihn liebhast, er erwartet sich's aber auch nicht anders, denn er hat Dich gewiss ebenso lieb; – und vom Günderödchen war's ebenso recht, dass es ihm nicht den Vorzug gab. Denn es will gewiss gleich teilen zwischen mir und ihm, und wir vier gehören ja alle einander an.
An Bettine
Düsseldorf
Warum schreiben wir uns nicht? – Ich gehe in jeder Stunde mit Dir um, Dein Bild steht immer hinter meinem Tintenfass, und ich sehe Dich immer an. Wenn ich Dein Bild aufgestellt habe, so bin ich honett, gut, einfach und stolz. – Ich gehe hier mit vielen Leuten um, die schlechter sind als ich und Du, man muss auch das lernen. Was mich hier fesselt, ist die Galerie und das artige Teater, dann der geschickte Musikdirektor, dem ich eine Oper dichten will, und der mir dafür Unterricht in der Komposition geben wird. Eine kleine Oper habe ich schon fertig für Neujahr, wo sie aufgeführt werden soll in Mannheim, er arbeitet noch daran. Hast Du Savigny in Frankfurt gesehen? Wie war er? – Wie lebst Du, was machst Du? – Ich hab heute an Christian geschrieben, ich bitte, schreibe ihm auch. Bald ist mein Namenstag, schick mir dann einen recht langen