1844_Arnim_004_59.txt

schön, wenn Du um die Zeit in Frankfurt sein könntest, wo nicht! – Wo nicht, so bringe ich ihn nach Offenbach! Gott gebe dann besser Wetter als nun, damit Dein Kabinett, der Garten brauchbar ist, uns drei miteinander zu erfreuen. Versteht sich, dass Du niemand vom Inhalt dieses Briefes erzählst.

Ich schreibe Dir hier einige Lieder der Minnesänger aus dem Altschwäbischen her, die ich, soviel es der Reim erlaubt, übersetzt habe. Es gibt wohl kein Gedicht mit soviel Klang als das erste, es ist vom Herrn Ulrich von Liechtenstein an seine Geliebte, und nun an Dich von mir, an die alles von mir ist.

Wohl mir der Sinne,

Die je mir gegeben die Lehre,

Dass ich sie minne,

Von Herzen je länger je mehre,

Dass ich ihr Ehre

Recht als ein Wunder so sunder so sehre

Minne und meine sie reine, sie selig, sie hehre.

Selig ich wäre,

Ja ganz in Freuden erglühte,

Wollte mein Schwere

Bedenken ihr hohes Gemüte.

Nimmer doch müde

werde ich zu ringen mit singen im lied,

Wie ich mir hüte ihr Güte, sie Blume, sie Blüte.

Mit Händen umfalte

Ich flehentlich auch ihre Füsse,

Dass wie Isalde

Tristanten sie mich trösten müsse.

Und mich so grüsse,

Dass ihr Gebäre mein Schwere versüsse,

Dass sie mich scheide von Leide, sie Liebe, sie

Süsse.

All mein Gedanken

Dabei meine Sinn allgemeine,

Gar ohne Wanken,

Besorgen besonders das Eine,

Wie ich ihr bescheine,

Dass ich nun lange mit Sange sie meine

In stetem Mute sie Gute, sie Reine.

Sehnlich ich ringe,

Dass einst bei grauendem Haare

Freudig ich singe,

Wie ich ihr Herz noch bewahre.

Traurige Jahre

Wird sie mit Blicken erquicken für wahre,

Dann wird mein Singen verjüngen die Holde, die

Klare.

Es hat mich einige Mühe gekostet, es Dir zu übersetzen, und ich habe es daher, doch fast zu seinem Gewinst, etwas verändern müssen.

Es stunde eine Frau alleine

Und harrte über die Heide

Und harrte wohl ihres Lieben,

Ein' Falken sah sie da fliegen.

O wohl dir Falke, frei du bist,

Fliegst hin, wo dir's am liebsten ist,

Erwählest dir im wald

Einen Baum, der dir gefalle.

Und also hab auch ich getan,

Ich wählt mir selber einen Mann,

Den suchten mir meine Augen,

Den halten mir schöne Frauen.

O weh, wann lassen sie mein Lieb,

Hielt ich doch ihre Trauten nie!

Dies und das folgende ist von Herrn Dietmar von Ast, dem Minnesänger.

Auf der Linden obene

Da sang ein kleines Vögelein,

Vor dem wald ward es laut,

Da hob sich neu das herz mein,

An einem Ort, da es eh schon war,

Da sah ich Rosenblumen blühn,

Die mahnten mich der Gedanken viel,

Die mich zu einer Frauen ziehen.

Es dünket mich wohl tausend Jahr,

Dass ich in Liebesarmen lag,

Und ohne mein Verschulden gar

Miss ich das nun schon manchen Tag,

Ach, seit ich keine Blumen sah,

Und hörte kleiner Vöglein Sang,

Seit war all meine Freude kurz

Und auch der Jammer allzu lang.

Was Du noch über mein Buch sagst, ist ihm zu viel Ehre angetan, wenn ich Dir nichts davon gesagt habe, wenn ich Dir es nicht in Händen gab, so ist's, weil ich fühle, dass was Besseres in Dir ist, als alle meine Bücher und Gedanken Dir geben können. –

Den Brief, den Ritter mir über Dein Geschenk geschrieben, lege ich Dir hier bei, finde Du den Dank selbst heraus, aber bewahre ja mir den Brief mit den übrigen, die ich Dir letzt schickte; denn seine Handschrift ist mir heilig. Wenn Du doch auch ein Käppchen für den Arnim machen könntest, damit wir ihm gleich etwas schenken können, da er wohl schnell abreist, so wär das wohl hübsch. Du weisst nicht, wie ich mich freue, dass Du ihn und er Dich sehen soll, er ist gar zu lieb und lustig wie wenige Menschen auf Erden. Adieu, lieb Kind, schreibe doch dem Savigny ein oder zwei Worte, wie Du sonst auch immer von Zeit zu Zeit ein Blättchen ihm oft schicktest. – Briefe auf seiner Rheinreise mit Arnim, die sie zusammen machten, nachdem sie acht Tage in Frankfurt und Offenbach zugebracht hatten.

Liebe Bettine!

Der Frühling war so schön, der Rhein trug mich so gastfrei. Arnim hat mich so lieb. Da trat ich hierher in meine Jugend, die mich rings umfing. – Ach, und ich bin so unglücklich geworden, ich liebe so heftig, so heftig die Geliebte meines einzigen Freundes hier, Gott gebe mir Kraft, dass ich entsagen kann, das Mädchen ist Benediktchen K. – –, schreibe mir gleich, schreibe auch an sie ein paar Zeilen dazu, wenn sie Dich kennte, sie liebte mich vielleicht. Koblenz!

Brentano

Bei Bürger Scheidel, Firmungstrasse.

Schreibe dem Savigny, was ich Dir schrieb, ich kann nicht mehr. –

An Clemens

"schreibe mir gleich", das kann geschehen, da bin ich mit der Feder in der Hand! – "Schreibe auch an sie ein paar Zeilen dazu!" – Ei, Clemens, Du bist nicht recht gescheit! – "Wenn sie Dich kennte, sie liebte mich vielleicht." Gewiss nicht. Wenn sie mich kennte, so würde ich