damit, dass ich mir einbilde, Dich bald zu sehen, diese Freude ist doch noch grösser; ich will mittlerweile recht fleissig lernen. O Generalbass! – Werden wir uns je einander bezwingen? – O Zeichenkunst, werde ich je weiter kommen? Die Toni bekümmert sich recht viel um mich. –
Ich habe mir ein kleines Kabinettchen eingerichtet, in dem ich studiere, links steht das Klavier, was die eine Wand des Kabinettchens ausmacht, rechts ist das Fenster, aus dem hör ich abends noch den KlavierHoffman gegenüber oft bis Mitternacht phantasieren und vor mir ist der Tisch und dazwischen noch ein kleiner Ausgang. Auf dem Tisch liegt Homer und viele andere Bücher, und denn mein Schreibkästchen mit allen Deinen lieben Briefen. Im Homer lese ich oft; könnte ich Dir nur darstellen, was ich da für Erfahrungen mache – welche Rückerinnerungen einer früheren Welt in mir aufgehen. Diese Götter kenne ich, mein Clemens, die auf goldnen Sandalen die Wolken beschreiten. Sie machen ungeheuere Schritte und gleiten weit dahin wie auf Schlittschuhen, ehe sie ein Bein vors andre setzen, und wenn sie sich wenden, so prallen die Wolken vor ihnen zurück und versenken sich zwischen Geklüft, und wenn sie denn vorübergeschossen sind in ihrer Ruhe wie der Blitz, dann bricht ihr Zorn in Gewittern los. – Sieh da im Fenster steht noch eine Hyazinte, die ich selbst früh aufzog, sie neigt sich zu mir, als wollte sie sehen, was ich schreibe. Ich bin heute so vergnügt und freue mich so auf alles. Jetzt werde ich ein wenig in den Garten springen und einen Grasplatz in meinem Gärtchen zurechtmachen, wenn Du wieder kommst, dass wir uns zusammen daraufsetzen. Ich will ihn so gross machen, dass man sich recht bequem drauf legen kann und träumen.
Lieb mich. – Bettine
Eben lese ich diesen langen Brief durch. – Ach, wie verwirrt sind doch meine Gedanken auf dem ersten Blatt! verstehe ich denn, was ich hab gesagt? – Wenn Du es vermagst, einen Sinn herauszudenken, das könnte mich noch bei mir rechtfertigen, denn gestern glaubte ich sehr deutlich, mich selbst zu verstehen. Ich hab auch so albern über dein Satirenbuch geschrieben wie ein altes Mütterchen. Und dann von der Revolution zu reden, haben meine Gedanken auch so ungebärdig sich angestellt. Wie klar und hell ist dagegen, was ich Dir von der de Gachet wieder gesagt habe, und doch hat sie's selbst noch einfacher und ganz mächtig ausgesprochen. – Und doch hab ich manchmal mich unterfangen, sie zu tadeln, oder Argwohn zu hegen gegen sie – die doch so viel grösser und wahrer ist als alle andre Menschen. Gelt, Clemens, solche Naturen wie die Gachet sind keiner Kritik unterworfen, denn sie sind weit erhaben über die Gedanken, die wie ein ungeweihter Rauch aufsteigen aus Vorurteilen, die Gott nicht wohlgefällig sind. Hat mir denn der Ritter nicht danken lassen für meine Samtmütze? – Und hat er sich nicht über den antiken Lorbeerkranz gefreut? – Das hör ich so gern, wenn die Leute sich bedanken. – Wunderschöne Musik ist das meinen Ohren. Noch eine vergnügliche Stunde muss ich vor Abgang des Briefes Dir melden. Heute morgen, als ich den Brief schon zugemacht hatte und wollte ihn eben dem Juden Hirsch in seinen Schnappsack werfen, in der Meinung, er sei es, der an der tür klingelt, so war es der freundliche Pfarrer Sch ...z, der die Grossmutter und auch mich besuchen wollte, so sagte er mir wenigstens; ich hab's geglaubt, obschon es mir was Neues war, dass mich jemand besuchen wollte, und nun noch dazu aus der Ferne will ein so gelehrter Mann bis nach Offenbach gekommen sein, um mir weiszumachen, dass er vorzüglich gekommen sei, mich zu sehen! So ein Pfarrer kann lügen! – Er hat mich geküsst auf die linke Wange und hat mich versichert, es sei wahr. – Und Du habest ihm schon lange meine Bekanntschaft machen lassen durch Deine gespräche über mich! – Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. – Clemente; der Pfarrer ist ein guter Kerl, aber er ist, glaube ich gewiss, ein Aufschneider. – Er kann wohl nichts davor, er muss ja Sonntags immer himmeln. – Und er hielt mir auch eine allerliebste Zauberrede, die etwas Nachwehen von Kirchenduft hatte. Nein, Clemente, die Rede war wirklich schön; – ach er war ja gar zu gut der Mann, wie kann ich doch dumm von ihm reden; er hat mich später auch auf die rechte Wange geküsst und hat mir gesagt, wie schön und edel – ich weiss es gar nicht mehr, was er gesagt hat, denn ich war zerstreut, denn ich musste an einen alten Töpfer denken, der gleicht ihm; von dem Töpfer will ich Dir was erzählen, was sehr Hübsches, ich hab seine Bekanntschaft auf dem letzten Weihnachtsmarkt gemacht, er hatte einen ganzen Korb voll Tiere gebacken und bunt glaciert, die bot er zum Verkauf fürs Kindervolk, das seinen Korb umringte und mehr danach verlangte, als nach allen andern Spielsachen. – Es war auch nicht von ohne. Zum Beispiel einen Schlitten hat er gemacht, der einen Schwan vorstellt, weiss glaciert mit schwarzem Schnabel, ein Mohr steht hinten drauf, schwarzbraun glaciert mit einem grünen Kittel. Dieses Kunstwerk besitze ich selbst, es steht in meiner Kunstkammer, das heisst unter meinem Bett. –