entsprechen, Du willst mir Lust machen, den gewöhnlichen Acker meines Lebens umzupflügen, jede harte Scholle zu zereggen; nein Clemens, wenn Du die weissen Wände meines Studierkabinetts, das heisst meines Kopfes ansähest und nichts drin fändest als Spinnweb, wie wolltest Du Zins von dieser Armut fordern! – Ich kann doch nicht auf jede Seite schreiben, dass die Leute mir ganz närrisch vorkommen, und sonst begegnet mir nichts jeden Tag, und ist mir von Jugend auf nichts begegnet als der grosse Gedanke wiederhallend von Stufe zu Stufe meines Ingeniums: Alles, was begonnen wird in der Welt, sei närrisch. Dabei komme ich mir eben auch nicht anders vor, eben weil kein Bestand in mir ist, weil ich von so manchem ein profundes Gefühl habe und dennoch ein Spielball der Zerstreuung bin, die ganz gehaltlos ist, das fühl ich, das quält mich, davon möchte ich gesunden und weiss nicht wie. Wenn Du aber nun wieder kommst und sagst, es stecke alles in mir und ich könne Wunder verrichten, und ich fühle mich aber behaftet mit allen Verrichtungsfehlern, und nur dass sie keinen Schaden machen, weil nichts an mir verloren ist. Du wirst Dich kreuzigen! – Ich kann aber nicht anders, als dass ich bekenne, worüber ich lange mit Zweiflen gerungen habe, dass nämlich – alles nichts aus mir werden bloss Sünde Deiner närrischen Einbildung ist, dass etwas Grosses in mir stecke. – Eine Zeitlang hab ich Dir geglaubt, wenn Du mir als manchmal mit so vieler Liebe davon sprachst, ich solle meine bessre natur, meine Vorzüge vor den Augen der Welt verbergen, ich war des besten Willens; aber, da ich nun diese Vorzüge wirklich gut zu verpacken gedachte, siehe da fand ich gar nicht, was ich allenfalls zu verschweigen oder zu verbergen habe. In Talenten komm ich nicht vorwärts, ich kann unmöglich meine elenden Versuche in der Kunst hochschätzen, eine Flora hab ich in Rötel gezeichnet, ich hab sie auch gleich darauf in Papierstreifen zerschnitten, um die Wachslichte mit fest zu machen. Meine musikalischen Versuche? – Ich hatte ziemliche Freude am Generalbass, da hat sich mein Lehrer, der Herr Preissing, zum Fenster hinausgestürzt. Ich mag ja an Musik nicht mehr denken. – Und nun kommst Du mit meiner Lebensbeschreibung auf rechter Heide, man könnte die Grashälmchen zählen, die da wachsen. – Das einzige, was mich intressiert, sind die französischen Miszellen über Revolutionsbewegungen, so menschlich, so verständlich, ein Kind muss ihre Naturgemässheit empfinden. Ich hab mir die Aufgabe gemacht, in meinen französischen arbeiten sie zum Tema zu nehmen, ich bin zufrieden, da ich vorwärts komme auf einem Feld, wo alles auf festen tiefen Begriff ankommt, wo das Echte, das Göttliche bloss ein vernünftiger Schluss ist, wo ich glaube, weil die Glaubensartikel seelenerziehende Argumente sind.
Wo aber die Sündenregister wie eine elende Hühnerleiter an die Himmelspforte angelehnt sind, da mag ich keinen Versuch machen, mich zu bilden, mich zu bessern, soll ich da von Stufe zu Stufe hüpfen wie ein Hühnchen, damit es auf die Stange zu sitzen komme neben den Hahn? – Nein! Auf mein Seel in einem Flug. Über die Sündenregister hinaus wie die Verheissungen der Himmlischen. Sind die Seligen selig geworden, so lasse sie mit ihresgleichen, schmeichle nicht wie ein Schmarotzer um sie herum, dass Du auch gern wöllest vom Himmelsbrot essen. Ich aber sag mir, kannst Du nicht lernen entbehren? Grad das, wonach alle verlangen? – Kannst Du nicht lieber wollen, dass die andern selig werden, die so sehnlich darum bitten und seufzen, da Du doch gar nicht danach seufzen kannst? – Dies Seufzen, Flehen und Ringen nach Seligwerden macht mich mitleidsvoll, hätt ich, was sie fordern, ich gäb's ohne Bedingung! Aber wer kann's haben? – Wer kann den Anstrich des himmels dem Unsinn geben, in den hinein allen so sehr verlangt. – Wer kann das machen, dass Unsinn immerdar ein Quell erneuerter Freuden sei? – Gott nicht, denn sonst würde er gewiss nicht anstehen, den Seligkeitverlangenden die Himmelstore weit aufzusperren und wie die alten Nönnchen in Fritzlar uns immer die himmlischen Freuden gleich einem Tanzboden beschrieben, nur viel schöner als sie es beschreiben könnten, so würde er die Musikanten drauf losschmettern lassen und erquickende Himmelsspeise in Fülle lassen herabregnen. Ach, er könnte froh sein, wenn noch Menschen wären, die solchen Genüssen möchten sich hingeben. – Eine unschuldvolle Energie der Unersättlichkeit, ist die möglich? – Ich war immer schon satt von der Beschreibung des himmels. Ein unaufhörlich Preisen und Lobsingen – damit fing's an. Ich sang auch gern, aber nicht Kirchenlieder; ich sang, um mein jubelnd Herz auszuströmen, das zum Tanz geneigt war, von einem inneren Lebenstakt frisch bewegt, meine Entschlüsse waren rasch und sind es noch, dass heisst, ich entschliesse mich. – Zu was? – Ei davon ist gar nicht die Rede! Der Entschluss! Ein freudiges Durchrauschen aller Lebensadern! – Ein freies Auftreten auf den gottgeschaffnen Boden der Erde, überallhin blitzen meine klugen Augen und jagen die Nachtvögel aus ihrem Versteck. Was sind Dinge, zu denen wir uns einen Entschluss erkümmern, im heimlichen Rat unsicherer Begriffe, feiger Moral, verschrobner Lebensansichten und noch gar heimlicher Schwächen und eigensüchtiger Begierden hinund hergeworfen. Ein solcher Entschluss? Wo blieb die Energie, ihn zu tragen? – Nein! Entschluss – tief in