ausfiel, wie man wollte. Die de Gachet verlangte feingesponnene Glasfäden, die Frau Wrede uns gegenüber hat eine Sultansfeder von gesponnen Glas, sie sagte mir, dass sie der Sultan dem Magnetiseur geschenkt habe, der ihn auch zu seinen Versuchen braucht, ich klingelte an seiner Haustür, wie ich den Schall der Glocke hörte, musste ich mich fürchten, aber ich war schon im Haus die Treppe hinauf und stand schon vor ihm und wusste nicht, wie ich's ihm sagen solle, er kam mir aber zuvor, wie ich von gesponnen Glas anfing und gab mir den Sultan in die Hand, da sah er an meinem Finger den Ring aus dem ledernen Schuh, den Stein nach inwendig mit roter Seide umwickelt und mit Harz verklebt, ich schämte mich, ich wickelte den Faden los und reichte ihm den Ring, er besah ihn und sagte: Ein Talisman! – und steckt ihn mir wieder an den Finger. Das war alles, was er mit mir sprach, mit dem ich doch manches schon gesprochen hatte über die Gartenwand; ich nahm mir auch vor, gleich den Abend noch auf die Gartenbank zu steigen und mit ihm zu sprechen, ich werde Dir gleich erzählen, wie das aber nicht gegangen ist. Erst wurden mit den Glasfäden Schmelzversuche gemacht, die nicht gelungen sind, drum sollte die Säule ein paar Tage unberührt stehen und sich verstärken, die Grossmama war in grosser Angst, es könne daran gestossen werden, und liess, nachdem die de Gachet fort war, niemand ins Zimmer, die französischen Herren hatten sich im Garten versammelt, es war schon dämmerig, ich kam dazu, sie sprangen wie toll herum, machten grosse Sätze über die Blumenbeete, rissen die Stäbe von den Pflanzen los und schlugen aufeinander und rissen vom Spalier die gezählten noch unreifen Äpfel zum Bombardieren. – Ich war ja wie versteinert. denke, sie hatten ihre Röcke ausgezogen und auf die Sträucher gehängt, die waren krumm gebogen von der Last, der ganze Garten war verwandelt, ich konnte keinen erwischen, so war er gleich hinter einem andern drein, und wollt ich den wieder um Gotteswillen bitten, so hatte er eins zwei drei Äpfel abgerissen und setzte über die Rabatten hinaus, um einen zu treffen, sie waren wie toll gewordne Geister, sie flüsterten und kicherten und gaben keinen laut von sich, in der Verzweiflung rief ich: "Grand-Mama vient!" da warfen sie ihre Munition auf gut Glück dem nächsten an den Kopf, und mit ihren Röcken wie der Wind zur Gartentür hinaus. Verwundert, dass diese alten Herren mit ihrem Podagra und Astma so ungeheure Bocksprünge machen konnten, nahm ich den Rechen und harkte die Wege, ich steckte die weggeworfenen Blumenstäbe wieder in die Sträucher, es war schon dunkel, da suchte ich noch die abgerissenen Äpfel zusammen und legte sie an die Erde, als wären sie von selbst abgefallen, vielleicht vom Wind. Im Hof des Magnetiseurs sah ich die Leute bei einem Packwagen beschäftigt, und denke Dir, er ist fort, heute morgen, noch ehe die Sonne aufging. Das ganze Haus öde! – Es sieht so traurig aus, der Wind spielt mit den Dachluken. – Ich hab ihn also zum letztenmal gesehen, wie er mir die Glasfäden gab. – Wie leid tut mir das! –
Die de Gachet war auch noch am Sonntag nachmittag hier, kein Mensch hatte sie erwartet und ich auch nicht, obschon sie mir es zugeflüstert hatte, so war ich ein Weilchen allein mit ihr. Wie ängstlich war mir das! – Ach Clemens, lass uns lieber allein alles vertrauen, alles miteinander erleben und nicht mit andern. Dieser grosse Planet, die Gachet, erschüttert mich zu sehr, wenn er mir so nah rückt. – Sie redete von den Himmelskörpern, ihrem subtilen Ausströmen und von wechselseitiger Anziehung der Planeten in ihre Kreise, und vom innerlichen Sinn im Ozean der Gefühle, und ich war ganz betäubt. Wie komme ich ihr vor, dass sie mir so was sagt! – Sie hielt mich fest in ihren Armen, ich hätte des Teufels werden mögen; ich schämte mich, dass ich ihr zuhören musste, gefangen in ihren Armen, und nichts verstand; sie liess mich los, wie die Grossmama hereinkam; ich wie ein entwischter Vogel sprang in den Garten auf die Bank und sah recht sehnsüchtig in den verlassenen Garten vom Magnetiseur. Da war er aber doch nicht fort, er wandelte noch ganz allein und kam gleich an die Gartenwand; er sagte mir, seine Leute seien schon seit gestern fort, er reise in der Nacht ihnen nach. Ich habe ihm rechte Vorwürfe gemacht, dass er so fortgehe, ohne mir davon zu sagen, da fing er an zu lachen und sagte, ich hätte ihm ja Reisegeld geschickt, ich lachte auch, weil ich mich schämte zu weinen. Ach, dieser Mann war mein bester Freund. Er hat mir nie gute Lehren gegeben, aber er hat mich belehrt. Ach Clemens, lebe wohl, jetzt ist's aus mit der Gachet, denn sie sagte der Grossmama, dass sie an den Rhein wieder geht.
Bettine
An Clemens
Es ist aus mit den Blumen, die letzten Asternsträusse waren die, womit wir in voriger Woche die Blumenurnen schmückten, und die wegen der Batterie vor die Tür gesetzt wurden. Gestern haben wir den letzten Herbst gemacht, nur noch die Winterbirnen hängen, von denen meint die Grossmama, wir wollten sie