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hingeben; mein bleiben und Gott. – Unschuldig sein neben ihr, von ihr lernen ohne Absicht, denn die Absicht überhaupt ist's, die solche Narben zurücklässt. Ich traue Dir unendlich viel zu, wenn ich Dich denke mit ihr umgehend, ohne von ihr hingerissen zu werden; Dich immer selbst besitzend und doch ganz aufrichtig, denke immer an mich dabei, hüte Dich, wenn Du sie verehrst, dass nicht Dein eigener Genius den obersten Platz verliere.

Schreibe mir nach Jena bei Friedrich Schlegel, aber bald, in einigen Wochen bin ich in Marburg.

Liebe Bettine!

Und immer noch von dieser de Gachet, aber Gott weiss, es jagt mich wieder aus dem Bette heraus, ich muss Dir noch einmal von ihr sprechen, denn es kann bei ihr viel zu gewinnen und zu verlieren sein, und ich könnte keine Minute ruhen, wenn ich nicht wüsste, dass Du sicher wärst. Ich weiss von dieser Frau nichts, als dass sie mit einem der geistreichsten Menschen, einem Freunde von mir, genau verbunden ist, dass sie jetzt die einzige Französin ist, die auf der Höhe der deutschen Wissenschaft steht, das ist ungeheuer viel, aber um dies zu erringen, was hat sie vielleicht erfahren müssen, und wieviel zarten Sinn haben ihr diese widerspenstigen Wissenschaften wie kostbaren Hausrat erst zerschlagen, eh sie sich besiegt gaben. Sie ist voll Entusiasmus, und es ist ihr in allem Ernst auf Leben und Tod, auch hat sie die Mittel dazu, Du wirst Dir leicht denken können, der Mensch sei ein Turm, der in der Erde wurzle und in den Himmel rage, und in dessen Mitte eigentlich das schöne liebe Menschenleben zwischen Himmel und Erde ist, viele Menschen steigen in die Tiefe und kehren nicht zurück und vergessen der Mitte, die allein lebendig ist, viele steigen in den Himmel und vergessen diese Mitte, in der doch Himmel und Erde sich umarmen, und diese sind zwar grosse Menschen, aber nach meiner Ansicht werden sie doch nur als Mittel von Gott gebraucht, er belohnt sie mit berauschendem Stolze für ihre Mühe mit den Wissenschaften und lehrt sie die schöne Mitte verachten, um sie zu verführen nicht zurückzukehren. Ich bitte Dich, bleibe in dieser Mitte und steige nur in die Höhe, um zu beten, sonst wird das Gebet ein Handwerk. Da ich der de Gachet von Dir erzählte, war es ihr sogleich so ernst mit Dir, dass sie vielleicht gar nach Offenbach ziehen wollte, wenn Du ihr gefielst, um mit Dir umzugehen, es wäre schön, wenn Du etwas Chemie von ihr lernen könntest und durch ihre herrlichen Gedanken Deinen Geist erweitern, überhaupt durch sie einen Begriff von vielem erhalten, doch bitte ich Dich recht herzlich, es nur zu tun, wenn es der Zufall erlauben sollte. Ich bereue es sehr, und es ist eine Übereilung, dass ich ihr den Brief an Dich gab, ich kenne sie doch zu wenig dazu, doch hoffte ich, Du wirst beide morgen schon haben und eher als ihren und darum durch jenen heftigen nicht verwundert werden, den sie Dir bringt, Du kannst alles, was drinne steht, solltest Du sie näher kennenlernen, an ihr erproben, ob es so ist, das meiste ist vermutlich so, aber ich will nur nicht, dass Du sie gar für unsern Herrgott hältst, ich habe es unstreitig zu arg gemacht, daher meine liebe Schwester, werfe Dich ihr weder zu Füssen, noch um den Hals, sondern estimiere sie und profitiere von ihr, ich will, Du sollst mir sogleich umständlich schreiben, wenn Du sie zum erstenmal sahst, wie's dabei herging, alles, was an ihr wissenschaftlich ist, mag vortrefflich sein, aber ihre Grundsätze, da glaube ich, brauchen wir zwei keine andre als unsre. Lieb gut Kind, ich habe Dir da eine rechte Seelenschererei mit meinem hitzigen guten Willen gemacht, so geht es, wenn der Bruder ein Poet ist. Du sollst Deine Singstunde immer in Gegenwart eines dritten oder der Tante nehmen, denn Koch ist doch etwas gemein, setze alle Deine arbeiten fleissig fort, und behalte mich lieb. Du kannst die de Gachet etwa fragen, was Du wohl lesen sollest, aber schreibe mir alles, was sie zu Dir sagt und Du zu ihr, soviel als möglich. – AdiesAdiesdie grossen dummen breiten Ausdrücke in meinem Briefe, den die de Gachet bringt, kommen mir jetzt so komisch vor, ich glaube und schäme mich drüber, ich wollte ihr damit schmeicheln, sehe selbst zu, wie sie Dir gefällt.

Clemens

Adresse Jena bei Friedr. Schlegel, schreibe bald.

An Clemens

Geliebter Clemens! Was ist doch alles widerfahren in diesen wenigen Tagen, die Du der Bettine nennst! – Ein Südwind auf brennenden Sohlen, in einer Wirbelwolke von Staub, wehte mir ins Gesicht. Von einem Tag zum andern hat die Welt hier in Offenbach einen Purzelbaum geschlagen. Denn erstens las ich im grünen Zimmer auf der Fensterbank vor dem Herzog von Aremberg über die Volksmajestät ein französisches Aktenstück, worüber ich Unendliches hätte den Herzog zu fragen gehabt, der schlief aber, ich wollte nur allmählich aufhören zu lesen, damit er nicht wach werde, ich fing schon an ganz stille zu werden, ich hatte ausprobiert, dass er fest schlief. Siehe, da kam im Sturm dahergebraust ein Kabriolet wie ein abgeschossner Pfeil vor die Haustür, herabspringt der Wagenlenker, ein jugendlich voller schöner Mannjüngling mit