schöner, um acht Uhr war der Kranz fertig und der Brummelochs ward mit angetan, am Nachmittag waren wir vor Betmanns Garten auf einem Floss, das schwamm mit uns ein Stückchen den Main hinunter, es war auch schön auf dem Main, und wie wird's doch den Tag Dir gewesen sein, Du bist wohl einsam da herumgewandert, ich weiss, am Feiertag ist's oft gar zu wehmütig, je schöner die natur ist, je schauriger belagern einen die langen Schatten des vergehenden Tages, und die Menschen sind auch alle wie Schemen; sie flirren umher, man sieht kaum sie an, und kein Nachgedanke über sie kommt uns in den Kopf, ach und dann, wenn man vom Spaziergang nach Haus über die Schwelle tritt, da legt man den Blumenstrauss hin, den man gepflückt hatte, er sollte so schön im Glase blühen, er muss welken auf dem Tisch, denn die Seele ist gar zu müde. – So wird Dir's gewesen sein, Clemens. Aber wenn nun die Sterne aufgehen und winken, sie hätten was mit Dir zu flüstern, dann vergisst Du der stummen Schatten, die neben Dir hergingen, das helle Sternenlicht ist allein Dir geltend, so war's gewiss vorgestern abend; denn ich hab Dich sehen heimgehen über die Wiesen und hab als in mir verborgen mit Dir geredet und Dich bei der Hand genommen, und es war gewiss eine Stunde, dass ich bloss mit Dir geredet habe in mir, und als ich schlafen ging, da war's, als habe ich recht was Angenehmes erlebt mit Dir.
Das ist meine Pfingsttagsgeschichte in Frankfurt, ich bin jetzt wieder hier in Offenbach, wo ich tausend Federnelkchen aufgeplatzt fand, und der Abendwind jagt sich mit ihrem Duft.
Adieu, Clemens, die Federnelkchen werden auch bald alle geplatzt sein. Dann kommst Du zurück.
Bettine
An Bettine
Ich sollte schon bei Dir sein, liebe Bettine, ich hatte mir gelobt, dass ich nicht wolle nach den Pfingsttagen hier verweilen, und war auch schon in Mainz, und jetzt bin ich doch wieder auf dem alten Fleck, Savigny ist allein zurück, ich will ja nur noch ein Weilchen mich sammlen und so manches Lied, was ich der Gegend und der geschäftigen natur in ihr abgelauscht habe, noch einmal durchgehen, damit es Dir rechte Freude machen soll.
O kühler Wald,
Wo rauschest du,
In dem mein Liebchen geht,
O Widerhall,
Wo lauschest du,
Der gern mein Lied versteht.
O Widerhall
O sängst du ihr
Die süssen Träume vor,
Die Lieder all,
O bring sie ihr,
Die ich so früh verlor. –
Im Herzen tief,
Da rauscht der Wald,
In dem mein Liebchen geht,
In Schmerzen schlief
Der Widerhall,
Die Lieder sind verweht.
Im wald bin
Ich so allein,
O Liebchen wandre hier,
Verschallet auch
Manch Lied so rein,
Ich singe andre dir.
Ja, liebe Bettine, da hast Du wieder einmal durch die Ferne herübergesehen recht scharf, grad wie Du mir schreibst, so war mein zweiter Pfingstabend. – Sie war fortgefahren, sehr schön geputzt, über Land mit der ganzen Familie, ich und der Hausknecht waren allein zurückgeblieben; ich sagte dem Hausknecht, er solle nur auch ein wenig zu seinen Bekannten gehen, wenn Gäste kommen, so wolle ich ihn rufen, so war ich den ganzen Vormittag allein, so still wie es im Weingarten war, man konnte hören das Gras wachsen. Da kam mancher Wagen vorbeigefahren mit lustigen Leuten, und wenn ihr Räderlauf in der Ferne sich verlor, da fingen die Glocken aus den Ortschaften rundum an zu läuten, so ist mir der Morgen vergangen von früh vier Uhr, wo die Walpurgis abgefahren war, bis um elf Uhr, wo sie wieder heimkehrte. – Da kamen so viel Gäste von Bingen herüber, und so viele schifften hinüber nach Bingen, dass der Rhein ein gross Spektakelstück gab von Jauchzen und Musik auf den Schiffen, die sich bombardierten mit Trompetenstössen und allerlei verschiedner Tanzmusik und Lieder, die sich einer über den andern hinaus wollten vernehmen lassen, ich habe auch mit Link, der von Frankfurt gekommen war, den Savigny bis Mainz begleitet. Link ist dort zu einer Frau gegangen, von der er mir Wunderdinge erzählt, sie ist eine Französin aus der Vendée, war in Jena bis jetzt, hat dort mit den grössten Gelehrten eine Zeitlang zugebracht, allerlei wissenschaftliche Experimente gemacht. – Sie sei, sagt Link, eine Heldin, eine ganz unerschrockne Seele, die in der Terroristenzeit durch ihre Kühnheit Unendliches gewirkt hat, – und namentlich in der Vendée, sie soll so schön sein, so vollkommen wohlgebildet wie ein Weib aus den Nibelungen, sie reitet das wildeste Pferd. – Ich stand vor ihrer Tür mit Link, er ging zu ihr mit einem Empfehlungsbrief aus Weimar, ich kehrte um mit dem Marktschiff, in Rüdesheim bin ich erst mit Sonnenuntergang zurückgekommen, alle Wirtshäuser tobten ganz ausgelassen; da hab ich in meinem Giebelstübchen über das Gelärm hinaus mich recht einsamlich in alles, was das Leben mir bietet, hineingedacht, nur Deiner hoffe ich gewiss zu sein, dass auf allen meinen Irrwegen, wo vielleicht keiner mir begegnen mag, Du aber mir nachgehen wirst, und wenn ich mich verlassen wähne, ich dennoch die edelste wohnung besitze, in Deinem Herzen nämlich. – So war mein Abend beschlossen; getanzt und gejubelt unter mir, ich hörte das lachen und dann leise