Gitarre so schöne Abendlieder vor, ich erzähle dir so hübsche Geschichten, ich bin früher auf als du und guck dir zu, wenn du in den Hof herunterkommst, das rührt dich nicht? – Sie sagt selbst: Gar nicht! Du bist nicht so, mein einzig Kind, mein Schutzengel, was ich Dir zulieb tue, das tust Du gern und verdienst Dir einen Dank ab, wenn es auch noch so gering ist. Wenn ich nun auch herumschweife und mich in Liebeshändel einlasse, wenn ich's tue, so ist's doch immer, weil ich weiss, dass ich meine Heimat habe in Dir.
Ich hab dem Savigny gesagt, er soll ein bisschen hier dran schreiben, aber der arme Mensch ist froh, dass er lesen kann.
Es ist wieder Abend, er hüllt die Welt in wild zerstreute Farben, der Umriss meiner Tage spricht mich dagegen so farbenlos an, wie wenn ein Geist mich anredete. Die natur kommt uns armen unnatürlichen Menschen so oft übernatürlich vor. Walpurgis hing heute an meinem arme, ihr Anblick, die ganze Reihe von Bergen umher, deren Häupter unsre Nachbarn waren, erfüllte mich wie ein Traum. Die Täler waren versunken im Nebel, und ein so lebhafter Spiegel aller Dinge in meiner Brust, für die ich keine Stelle mehr sah, um sie mir zu bewahren. Alles dies, was ich Dir hier deutlich hinschreibe, war Verwirrung in mir, und ich sah träumend in den Wald hinein, während ich mit vollem Bewusstsein eine der reinsten und entsprechendsten Umgebungen meines Lebens hätte geniessen sollen, hätte sie Herz oder Sinn für mich gehabt. Dort sah ich ein Licht, was im grund des Holzes wankte, und erinnerte mich der behaglichen Gefühle, die uns beiden so oft die erleuchteten Hütten gaben, wenn Du mit mir am Abend durch die Dörfer gingst. Die Ruhe nach der Ermüdung; und wir sahen da die Kinder rund um den Ofen, die Spinnräder und die Lampe nach der Reihe einschlafen.
Ach, es ist sehr traurig, wie ungeschickt einen das macht, was man im Leben die Konvenienz nennt, vielleicht hätte sie meine Empfindungen ganz auf die verkehrte Seite verstanden. Eine auswendig gelernte Mannigfaltigkeit und geschraubte Konsequenz, die, sobald wir in die natur treten, zu höchst verderblicher Ungeschmeidigkeit und Einseitigkeit führen. Mit meiner Rückkehr zu mir selber versammelten sich nach und nach allerlei heterogene Empfindungen, und ich fand mich endlich in einer so wunderlichen Gemütslage, wie wenn ein Weltmann einen französischen Pas und einen munteren natürlichen Sprung in der Mitte vereinigen müsste.
Die Wolken drängten sich wie wilde Heere,
Gestalt und Stellung wechselnd in dem Streite,
Der Sonne Strahlen schienen blut'ge Speere,
Es rollet leiser Donner in der Weite,
Noch unentschieden schwankt des Kampfes Ehre;
Von Tag zur Nacht neigt sich's zu jeder Seite.
Bald sinkt die Glut, es brechen sich die Glieder,
Es drückt die Nacht den schwarzen Schild
hernieder,
Doch, teilst du froh mit mir, was du gegeben,
Durch die allein von Schmerzen ich genas,
Dann wirst du auch mich über alles heben,
Was ich, in deine Seele blickend, gern vergass;
Und kannst du mir auf diesen Höhen trauen,
So werde ich bald das Höchste überschauen.
Bald werde ich die Gärten der Armide fliehen, bald bin ich bei Dir.
Clemens
An Clemens
Liebster Clemens, ich hab was von meinen Klosterarbeiten hervorgesucht, ein Sträusschen von Seide gewickelt, die alte Laienschwester Monika, wie die das Sträusschen mir wickeln lehrte, kam es mir so allerliebst vor, und nun sehe ich, dass es doch nur ein allerliebstes Nichtschen ist, aber vielleicht macht's der Walpurgis Spass. Die Monika hatte einen Bierkrug auf ihrem Tisch stehen, von dem erzählte sie mir damals, als wir die seidnen Blumen wickelten, der Geist ihres verstorbenen Vetters sei gekommen und habe den Deckel vom Krug aufgemacht und aus dem Krug getrunken, um ihr anzuzeigen, dass er tot sei. Ist es denn nur bei solchen Gelegenheiten, dass sich ein Geist auf die Beine macht? Ich frage, weil, ach weil ich in Gedanken so sehr, so ganz wahr und wirklich bei Dir bin, weil ich Deine Gitarre höre im Geist und Deine stimme ihre feurigen Lieder dazu dichten. Clemens, Du bist so gut und so schön, wenn Du singst, bist Du so besonders liebend noch dazu, und mir der Liebste, der Trefflichste, nicht aller Menschen, denn Menschen kenne ich, glaube ich, gar nicht, mir sind sie nicht aufgestossen, das lieblichste Du selbst bist Du mir, die andern sind mir kein Selbst, sie sind zusammengeliehene, durch Umstände und Eigenheiten, die ich besser noch Verkehrteiten nenne, entstandne Unselbsteiten. Eine grüne Wiese mit tausend goldnen Blumen, die all auf ihren feinen Stielen im Abendschein wanken, und ein Clemens, der über die grüne Wiese so stolz am Ufer vom stolzen Rhein hingeht und fährt so rasch über die saiten und singt so feurig und weich seine Liebe. Ich möchte ihr Hohn sprechen, dass sie Dich nicht küsst, lieber als hüben den Bettelmann, der über Dich lacht, und drüben den Savigny, der über Dich lächelt, und der sich so offenherzig rasieren lässt. Clemente, die ungeheuren Stricke, mit denen Du gebunden Dich wähnst, sind nur Spinnweb. Und Du fürchtest, dass wenn Du einen Ruck tust, so reisst das ganze liebesgewebte Netz, Du willst's aber