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eifersüchtig machen wollen, und der hat mich ausgelacht, wir hörten das Gelächter aus der Weinlaube herüberschallen, er trällerte auf seiner Pfeife dazu, und darauf ging er eine Wette mit mir ein, dass wenn ich ihm eine Kanne Wein dort bezahle, so wolle er von der Walpurgis einen Kuss erwischen, in Gegenwart aller Gäste. Anstatt drüber zu lachen, machte mich's verdriesslich, er zog aber ungeheuer fix die herunterhängenden Strümpfe und Beinkleider auf, die Jacke hing er an den Pfeiler und klopfte eine Staubwolke heraus, dazu bellte der Hund, den er im Zwinger eingesperrt hat, der merkte, es solle auf Abenteuer ausgehen, und wollte mit. – Wie er sich aber seinen staubigen Bart wusch und dann mit der Schuhbürste wichste und dann vor die Haustüre trat und bemerkte, wie der Mond sich drin spiegle? Ich dachte, der böse Feind lache mich aus. Der Mann sah seltsam heimlich anziehend und stolz auf mich herab, und was tat der Mann, er legte seine Hand auf meine Schulter und ging mit einem Schritt, als ob er ein spanischer Grande sei, in die offne Weinlaube. Ich forderte Wein für uns; vom besten, sagte er, im Vorübergehen gab ihm das Mädchen einen Handschlag. – Und denke Dir, er hat die Wette gewonnen! – Und mir hat sie nie einen Kuss gegeben, so sehr ich auch drum bat, ich vergesse diesen Mann nie, wie er beide Ellenbogen aufgestützt, die hände über die offne Weinkanne gefaltet hielt, dann und wann einen Zug draus schlürfte, ohne sich aus der Position zu rücken, mit seltsamen Trinksprüchen jeden Trunk würzte; das gefiel ihr, er sah ihr tief unter die Augen, goss die Kanne in einem Glucks hinunter, und das gefiel ihr auch. Und kurz, sie gab ihm unaufgefordert den Kuss. In ihren Zügen spiegelte sich eine wunderbare Schönheit, ihre Lippen zuckten und ihre Augen glänzten ihn so freundlich an, als fliesse ihre Seele über in Grossmut, einen unschätzbaren Schatz geben zu können. Der Mann, der nicht einmal aufgestanden war, sondern sitzend den hinabgereichten Kuss von der schlanken Walpurgis ihren Lippen nahm, hielt sie noch eine Weile so im Arm. Kein Fürst konnte freudig kühner sein Anlitz über die Menge erheben.

Alle Gäste waren still geworden; denn alle sind in das Mädchen verliebt; er genoss noch einen Augenblick seinen Triumph, dann stand er auf und bot gute Nacht. Die Walpurgis stand an der Gartenhecke und grüsste, indem wir vorübergingen; und das ist's, was mir am meisten ins Herz schnitt. Ach, es ist wahrlich alleins, ob man bettelt oder gut lebt, wem das Herz freundlich ist zu geben und seine Liebe widerwillig zu empfangen, der allein ist reich. Wo ist Reichtum? – Auf Erden nicht! Gold ist Sonnenschein, und Rubin ist Abendrot, aber Liebe ist alles. Aber die Erde ist nicht alles, denn es ist wenig Liebe in ihr; sie ist in der Liebe! – Es tut mir leid, dass Du das alles nicht auch sahst, Du würdest schöner davon sprechen, und schön sprechen soll man, damit das Schöne immer lebendiger wird und mehr. Denn die Liebe hat nimmer des Schönen genug. Savigny hat alles auch mit mir gesehen, ich dachte, hier, wo seine Studiermaschine nicht fortwährend im Gange ist, werde endlich einmal sein Inneres zu Wort kommen; doch stumm wie immer marschiert er neben mir die natur auf und ab, und das verdirbt mir alles Geniessen. Morgens kommt der Barbier aus dem Dorf, der sein Antlitz ziemlich barsch behandelt, um ihm den Bart abzunehmen, er lässt's geschehen; wenn Walpurgis zufällig hereinkommt, stelle ich mich vor ihn, weil ich mich schäme, dass dies schöne Mädchen sieht, wie er den Barbier damit umgehen lässt, und dann! – Wie geht er mit mir um? – Viel ärger wie der Barbier. Er belächelt meine Reden, er belächelt meine Gedichte, er belächelt auch meine Verliebteiten, und kurz sein Wesen wird mir eben nicht klar, und wenn ich darüber klage, so meint er, alles sei ja unendlich klar. Etwas ist's, was mir ihn unverdaulich macht; vielleicht ist die Schuld mein, trotz meinem besten Willen.

Walpurgis hat einige Züge von Dir, und die ziehen mich vielleicht am meisten an, die übrigen, die Du nicht hast, hast Du in der Seele und sie im Gesicht. Ich denke immer an Deine Seele bei diesen Zügen und sage dem Mädchen schöne Sachen, wenn ich an Dich schreibe, und rede Dich an, wenn ich ihr Schönes vorsage.

Werde nicht bös, ich will ein bisschen hinuntergehen, vielleicht sehe ich sie, aber sie weicht mir aus, sie weiss nicht mit mir zu sprechen, so Du nicht.

Ach, weisst Du, was sie eben mir sagte, als ich fragte, warum sie den Bettelmann geküsst habe? – er gefalle ihrund ob ich ihr denn gar nicht gefalle? – sie sagte nichts darauf. – Aber wenn sie mir auch einen Kuss gäbe, so würde ich auf alle andre eifersüchtig werden, und dann würde das ein gross Gezänk geben im Wirtshaus, und das wolle sie aber nicht haben. Mit wem sollte ich in Zank geraten, es ist ja niemand im Wirtshaus wie Savigny und ich, und der ist ja gar kein Kenner von deiner Schönheit; ich plaudre dir auf der