", und gebe Dir die dummste Antwort, wo Du gleich meinen wirst, ich wär närrisch. Ich habe das Geld verschatzgräbert! – Ja, Clemente, ich hab's in ein klein leinenes Beutelchen gesteckt, worauf ich mit Goldfaden und roter Seide meinen Namen gestickt hab und noch allerlei kabbalistische Zeichen; ich hab's zugesiegelt mit einem schwarzen Siegel, einem grünen und einem roten, dann hab ich ein Loch gegraben zwischen den zwei starken Wurzeln der Pappel an der Rosenwand, da hab ich's in einen ledernen Schuh hineingeschoben und einen Topf mit einem Basilikumstrauch drauf gestellt, und allemal, wenn ich Geld kriegte, wechselte ich davon in Gold um und allemal, wenn der Mond schien, ging ich mit dem Spitz hin und legte es dazu, und dabei hab ich das Gelübde getan, ich wolle es verschweigen, und weil Du mir das Schweigen so sehr anempfiehlst, so erzähle ich Dir das einzige Geheimnis, was ich hätte verschweigen können, und nun ist alles leer an Geheimnis, und ich kann also nichts mehr verschweigen! – Denn sonst, – mit dem Mund bloss nicht reden, das ist's doch nicht, was Du meinst, da die Tante sich alle Mühe gibt, mir abzugewöhnen, dass ich nicht wie ein stummer Ölgötze den Leuten in den Mund gucke, die mich etwas fragen. – Ja, mit meiner Schatzvergrabung, davon will ich Dir noch forterzählen, weil ich's nun doch schon gesagt hab. Ich habe dies Geld der Selene gewidmet, der Himmelsschwester des Hesperus, diese beiden sind unsre Schutzpatrone, der Stern ist der meinige als Bruder, der mich abends immer besuchte, der Mond ist der Deine, der Dein Andenken oft mit seinem Schein in mir erhellt. Nun hab ich aber dieses Opfer doch der Selene wieder geraubt, mit Zagen zwar – ich habe das Geld eilig am Abend ausgegraben und hab's über die Gartenmauer geworfen, in den Garten vom Magnetiseur nebenan, ich hörte es klingeln, wie's hinabfiel, und ich rief dazu so laut als ich konnte, ohne dass man's im Haus hätte hören können: "Da ist Reisegeld!" Und dann war mir auch, als hörte ich das Geld rappeln beim Aufheben, aber ich lief fort. – Denn die Tante hatte am Tag vorher bei Tisch erzählt, der Magnetiseur möchte gern abreisen, aber es fehle ihm am Reisegeld. Aber er ist doch noch da, denn ich sehe ihn alle Abend noch im Garten gehen und beobacht ihn vom Hoffenster, ich schäme mich so sehr und traue mich gar nicht mehr in den Garten, wo wir sonst als über die Wand allerlei Merkwürdiges verhandelten. Aber nun kommt was Schreckliches, was da passiert ist, mir ist's passiert. – denke Dir, der alte Schuh, in den ich mein Geld hineingesteckt hatte, um den schönen Beutel zu schützen, war eigentlich ein neuer Schuh, sein Kompagnon stand ganz vergnügt in dem kleinen Kasten bei den andern Schuhen; ich soll abgeholt werden nach Frankfurt morgen früh, die Tante frägt: "Wo ist denn der andre neue Schuh? Das ist grosse Schlamperei von Dir, einen Schuh zu verlieren, ich muss Dich sehr bitten, strenge Dich an, ihn zu finden," ich lief in den Garten, ich holte meinen Schuh unter der Pappel hervor, ich wollt ihn ein bisschen reinigen an der Pumpe und versuchte ihm ein Ansehen zu geben, da fällt was heraus, das glänzt in der Dämmerung, ein Ring, ich lass den Schuh stehen, ein dunkler Stein, der funkelt so nächtlich schwarz wie der Blitz des Räubers oder wie Mirabeaus Auge vielleicht, und inwendig im Schild steht ein schwarzes M.
Wir gehen morgen auf die grüne Burg zu den Geschwistern, acht Tage bleiben wir dort, die Götterlehre nehm ich mit und den Ring, wo soll ich ihn lassen, ich glaube, er ist ein Talisman, ich hab schon allerlei fragen und Befehle um Mitternacht an ihn ergehen lassen, aber der Geist ist nicht erschienen, der mir vielleicht beistehen wollte, dumme Streiche zu machen. Adieu, Clemens, ich hab Melodie gemacht auf ein Lied aus dem Sänger.
Deine Bettine
Göttingen
Liebe Schwester!
Ich öffne wie eine Pflanze mein Herz und rolle alle Blätter auseinander, wenn Du herüberscheinst. Dein Brief ist mir von Marburg aus zuvorgeeilt und hat mich hier empfangen.
Ich will, dass Du so vernünftig werdest, dass alle Welt einst ihre Zuflucht zu Dir nehme und Dich hochstelle, und dann will ich Dir's wieder ablernen. Hast Du Lust, dumme Streiche zu machen, so warte, bis ich komme, und mache sie ganz heimlich mir alleine, ich kann mich an Deinem ganzen Leben ergötzen, lese brav, schreibe viel, alles, was Du empfindest, schreibe nieder, denn das Ausgesprochene ist lebendig wie meine Liebe zu Dir.
Weil Du nun einmal mein guter Engel bist, so musst Du auch Dein Amt mit Treue verwalten, mein guter Engel muss immer heiter sein und meiner mit Hoffnung und Segen gedenken und auch mich strafen mit Worten und mich anmahnen in Deinen Briefen, dass ich mein Ziel nicht aus den Augen lasse, Du musst mit Deiner Lebensfreude die meine anfachen, Du musst meinem Entusiasmus die Flügel lösen, mit Deinem Ernst, mit Deiner Güte und Wahrheit. Willst Du das? – Sei recht fleissig und fröhlich, und ehre und achte, was Du