mir beiliegenden Streckvers für sie. Ihr werdet es in der Überfülle Eures Glückes nicht achten! – Warum hat er's auch gereimt und geleimt? Was man in der Prosa zu sagen sich gedrungen fühlt, geht tiefer. –
Ich schwelge hier, es gefällt mir alles; am liebsten ist mir der Morgen, wo man nur Bauern begegnet, und der Abend, wo die Lichter in den Hüttchen brennen, man sieht da das ganze Familienleben hellerleuchtet. – Da geh ich oft abends spät noch mit dem Vogt hinab den Talweg, und da durch ein kleines Fensterchen sehe ich die armen Leute sitzen und emsig spinnen und wirken, so fern von allem Bedürfnis im Reichtum des Fleisses, der Andacht und des Vertrauens! Eine so kleine stube deucht mir so voll von dem Gefühl ihres inneren Wertes dieser Menschen, die ihr schwer errungenes Abendbrot gerne teilen mit dem ärmeren Gast. – Wenn ich mir nun denke, dass Ihr beide ein solches Haus bewohntet, und dass Euch da die Einsamkeit nicht drücken sollte, und Ihr backtet da Euer Ambrosiabrot, um es andern mitzuteilen, so habe ich Euer Glück begriffen und schreibe davon der Günderode. Die Günderode mit der sanften Würde ihres dichterischen Standpunktes unter den Menschen schreibt wieder wie folgt: "Wer liebt den Clemens nicht? So wie er einem entgegentritt; wer durchschaut alle Menschen, wer geht so tief in dem Auffinden ihrer Innerlichkeit, und was könnte man ihm sagen, was er nicht schärfer und wahrer aufgefasst hätte? Alle Menschen berührt kaum sein Hauch, und sie atmen, als wenn sie aufblühen wollten in edlere Begriffe und schönere Handlungen." – So schreibt die Günderode; das lautet ganz schön zum Ansatz eines Posaunenstückes Deines Ruhmes, der aus dem Nebel der Zeit golden aufsteigen und einen schönen Tag verbreiten werde. "Aber", fährt die Günderode fort: "so scharf dieser Clemens und so nahe er fremden Menschen in ihrem eignen Bewusstsein tritt, so sehr heben ihn seine Launen aus dem Sattel über sich selbst, die ihm den Begriff seines Amtsgeschäftes ganz verdüstern, und ich kann es gar nicht leiden, wenn er davon so klein und unbürgerlich denkt. – Wie dieser Dekrete ausfertigt und jener auf den Rednerstuhl tritt, so ist der Clemens dazu bestimmt durch sein Leben, das sich in die Begeisterung des Witzes, der Philosophie, des Eifers und der Experimentenlust verzweigt, die Menschen zu wecken und in der dunklen kammer eine Kerze anzuzünden, manches Neue alt und manches Alte neu zu machen, und dass er nicht wie die meisten gebildeten Menschen gegen das Leben, gegen Geschäfte, Künste, ja gegen Vergnügungen nur mit einer Art von Selbstverteidigung zu Werke geht und lebt, wie man einen Pack Zeitungen liest, nur damit man sie los werde, – das macht ihm viel Ehre. Nur bisweilen überfällt ihn eine seltsame Blödsinnigkeit, dass ihm die Tage unnütz vorkommen und meint, es wäre nichts und käme zu nichts, weil das, was durch ihn entstanden, nicht wie ein beschriebener Bogen Papier vor ihm liegt." – Ach, Clemens, es ist gut, dass sie über Dich und nicht an Dich schreibt, denn Dir selber hättest Du das alles nicht sagen lassen und Dein Verwerfen ihres Missbegriffs von Dir will ich gar nicht hören müssen. Das fügte sie noch hinzu, dass der Lebensbalsam, den Du für andre hast, einem feinen geistigen Öl in einem verschlossnen Gefäss gleich ist. Nur mässig verbreitet, erquickt und belebt es, ganz geöffnet betäubt, tötet es und verzehrt sich selbst, oft habe Dein Witz einen in die Ecke geworfen, wo er das Aufstehen vergessen! – Von Jung Stilling, dessen Bekanntschaft die Günderode in Heidelberg machte, schreibt sie: "Der Mann hat meine ganze Aufmerksamkeit gefesselt, er hat etwas liebes, man sieht, dass sein Leben aus einem Guss ist, dass sich von seiner Jugend bis ins Alter eine grade Linie zieht und er mehr die Umstände bestimmt hat, als sich von ihnen bestimmen lassen; selbst seine breite Eitelkeit, mit der er unaufhörlich Fürsten und Prinzen bei den Haaren herbeizieht, indem er sich ihre Namen von seiner Frau soufflieren lässt, hat etwas Treuherziges und beleidigt nicht." –
Liebster Clemente, ein wahrhafter Zug nur aus meiner Seele gebe Dir Licht über mein Zurückhalten gegen Deine Verbindung mit Sophie! – Du schwebst also immer noch im Irrtum, als könne es mich unglücklich machen? – Hab ich Dir das gesagt? – Nein! – Meine Krankheit, ein Gallenfieber – hat wahrhaftig keine Beziehung zu Dir! – Die Günderode hatte mich geplagt mit Philosophie; ich musste ihr Schelling vorlesen, – das hat mich krank gemacht. Ach, ich war so brennend verlangend nach frischer Luft, dass die ganze Welt um mich vor Begierde zitterte wie die Gegenstände in der Nähe des Feuers; so kam Bewusstlosigkeit, und als ich wieder zu mir kam, da war das erste, dass sie ein Gelübde tat, mich nie wieder Philosophie studieren zu lassen, – ich hatte im Fieber fortwährend davon phantasiert. Was willst Du nun? – Wär es Deine Verbindung gewesen, die mir zwar auch sorge machte, aber doch nicht so viel wie die verdammte Philosophie, so würde ich von der phantasiert haben, das war aber gar nicht. – Und sei jetzt ruhig über beides, denn keines kümmert mich mehr! – Und sag nicht, Du willst um meinetwillen jetzt nicht heiraten und willst lieber mit Deiner Sophie zusammen unglücklich sein! – Ich