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am Berg neugierig stehen;

Kam die Nacht gegangen.

Stille Nacht, in deinem Schoss

Liegt der Menschen höchstes Los,

Mütterlich umfangen.

Willst du mir Trost verleihen,

Lass mich aus deinen Augen

Der Liebe Schwärmereien,

Minutenwahrheit saugen.

Lass um des Lichtes Quelle

Die trunkne Fliege schwirren,

Lass, wird es ihr zu helle,

Sie in die Flamme irren.

Du sahst im Nektarkelche

Die heitre Psyche sterben,

Wenn ich noch länger schwelge,

Lässt du mich auch verderben?

Aus deines Herzens raum

möchte ich nur einmal trinken

Und dann zum kühnsten Traume

Im Götterrausche sinken.

Du bist die Zaubervase,

Die meinen Geist umhüllet,

Und im Champagnerglase

Ist schon mein Los erfüllet. –

Dies letzte kleine Gedicht, liebe Bettine, entstand, weil unsre Sophie (denn so muss ich sie nennen, die auf Deine Gunst meines Glückes Los gesetzt hat) einen kleinen Schmetterling retten wollte, der, nachdem er seine Flügel am Licht verbrannt hatte, in ihrem Champagnerglas versank. – Ach Kind! Diese Gedichte sind wie die kleinen Johanniswürmchen, die leuchtend hin und wider fahren.

Nun sing ich Dir hier noch ein Liedchen, was aus den saiten meiner Gitarre entschlüpfte, als ich gestern abend im Mondenschein mit Sophie am Fenster lag, nachdem ich Deinen lieben Brief ihr vorgelesen hatte und sie recht tief bewegt war von dem Glück, was Du ihr im Rosenbusch unter Deinem Fenster prophezeist. –

Sieh dort auf dem Wiesengrunde

Tanzen jetzt ein Elfchen munter

Unterm Rosenbusch hinunter,

Der die Blätter niederstreut.

Elfchen spielen Lotto heute,

Schreiben auf die Blätter Nummern,

Ja, du darfst nur kühnlich schlummern,

Denn dein Glück kommt dir im Schlummer.

Du gewinnst die beste Nummer:

Eine Braut wirst du im Schlummer,

Drum erwachst du ohne Kummer,

Hochzeit, Hochzeit, hohe Zeit. –

Sieh, wie scheint der Mond so weit,

Und die Frösche und die Unken

Singen bei Johannisfunken

Ihre Metten ganz betrunken.

Brünstig glühn Johannisfunken,

Sternlein kühl am Himmel prunken,

Und das Irrlicht hüpft betrunken,

Wo du gingst, ein Jungfräulein.

Auf dem Acker glüht ein Schein,

Wo beim Drachen eingetruhet

Kaltes Gold, das rot erglutet,

Fiel dein Kränzlein unvermutet

In des Drachen Gruft hinunter,

Und der Drache ist gebunden,

Und der Schatz ist dir gefunden:

Gold und Silber, Edelstein,

Und drei Rosen, die sind dein.

Diese kleinen Gedichte oder poetischen Mücken, die einen umschwirren in heiteren Stunden, summen einem im Geist, bis man sie mit dem Reim totschlägt und in den Busen eines Freundes einsargt, damit sie doch da anständig begraben sein mögen! – Deiner Treue von jeher hab ich diese Spur heiterer und beglückender Stunden nun ganz unbefangen hingegeben; keinem andern Menschen könnt ich das. O wie sehr fühl ich in diesem Augenblick, was Du mir bist! – Ach lasse darum diese Gedichte einen Wert für Dich haben, weil Du der Lebensbaum bist, der in seine frische Rinde sie von der Bruderhand sich eingraben lässt; lasse es mit Dir verwachsen das Gefühl, dass glückliche zeiten auch mich begrüssten, und wenn böse zeiten kommen, so lasse mich in Deines Herzens Schrein die Schätze der Erinnerung finden. In dieser Empfindung einer stillen Nacht, wo ich die Schätze der Freundschaft und Treue, die nur in geliebten Menschen aufbewahrt sind, überzählte, hab ich auch nachfolgendes Gedicht an Dich gemacht:

Lass Dich, mein Kind, den Tadel nicht verführen,

Vertrau, wenn Du ihn hast, dem guten Sinn

Und sprich: Nur weil ich nicht unsterblich bin,

Will die Versöhnung liebend mir gebühren.

Denn Gottes Hand, sie kann uns plötzlich rühren,

Und stürb der Freund mir unversöhnet hin,

So würde scharfer Tadel den Gewinn,

Dass Liebe ich gegeben, mir entführen.

Bis dahin suche Trost in dem Sprichworte,

Dass Rom nicht ist in einem Tag gebauet,

Dass alle alles auch zugleich nicht können,

Dass vor dem Morgen erst der Himmel grauet,

Dass trunken bunt Aurora pflegt zu brennen,

Bevor der Gott tritt aus der Sonnenpforte.

schreibe, befriedige uns, beglücke und pflege unser Glück, ersehnt, verlangt von Deinem treuen Bruder

Clemens

Schmerzlich ist's mir immer, wenn Du Deiner Klostertage erwähnst und nie Dich bemühen magst, sie ein bisschen zu ordnen, da Du selbst noch Material dazu hast! – Wär's denn nicht höchst intressant, einen kleinen Katechismus Deiner religiösen Begriffe zu geben?

An Clemens

Endlich komme ich dazu, laut zu sagen, was ich heimlich oft dachte. Du siehst im Zauberspiegel die Bettine, wie sie sein könnte, aber nicht ist! –

Ich staune an, was Du von mir glaubst und erwartest, ich wundre mich und begreife nicht, vor was und wem Du mich warnst! – Die Günderode schreibt, Du habest Dir die Aufgabe gemacht, mich durch eine Wiedergeburt Deines Geistes als Ideal zu bilden. – Ach, ich bin recht erschrocken davor! – Und möchte mich vor Dir verbergen, dass Du ja nicht dazu kommest! – Du bittest mich, mich nicht zu verlieben; ach, Clemens, wenn Du mich nicht idealisieren willst, dann will ich Dir das gern versprechen! Mein Herz ist nicht leicht bestechlich, und verliebe ich mich einmal wirklich, so werde ich Dich nicht zum Vertrauten machen, aus Furcht, dass es Dir missfallen könnte. Hier im Schlangenbad hab ich mit dem Herzog von Gota viel zu kämpfen, der mir alle Tage von Sophie spricht, er nennt sie seine Erate und gibt