, dass er schon einmal als wir von Gützkow kommen, in meines Töchterleins Bette geschlafen, worüber er den ganzen Abend seinen Kurzweil mit ihr hatte, als sie wiederkam. Der Magd versprach er aber, da sie schon einmal meines Töchterleins Bette vor ihn gemacht, sölle sie es auch zum andern Mal machen, und übermorgen wie auch mein Ackersknecht, mit nacher Mellentin fahren, damit herrschaft und Gesinde sich nach so viel Trübsal zusammen freuen könnten.
Und da der liebe Junker bei uns die Nachterberge nehmen wollte, musste er bei mir in der kleinen Achterstuben schlafen (denn ich kunnte doch nit wissen was fürfallen würde). Schlief auch bald wie ein Dachs, aber in meine Augen kam kein Schlaf, für Freuden, sondern betete die ganze liebe Nacht oder gedachte an meine Predigt. Erst umb die Morgenzeit drusete ich ein wenig ein, und als ich aufstund sass der Junker schon in der Vorderstuben bei meim Töchterlein, welche allbereits das schwarze seidine Kleid anhatte, so er ihr mitgebracht, und wie durch ein Wunderwerk frischer aussahe, denn da der schwedische König kam, so dass ich sie mein Lebtage nit frischer und hübscher gesehen. Item hatte der Junker schon sein schwarz Wammes an und suchte ihr die besten Zweigleine zum Myrtenkranz aus, den sie sich wunde. Legte aber ihren Kranz sogleich auf die Bank, fallete ihre Händleins und betete nach ihrer Gewohnheit den Morgenseegen, als sie mich ankommen sah, welche Demut den Junker sehr erfreuete, und er bat es in Zukunft bei ihme auch also zu halten, was sie auch zu tun versprach.
Bald hierauf gingen wir auch zur lieben Kirchen in die beichte und, dieweil der Junker mein Töchterlein unter ihrem Arm gefasset, blieb alles Volk für Verwunderung stehen und rissen den Hals auf, so weit sie kunnten. Sollten sich aber annoch mehr verwundern, als ich nach der Predigt erstlich die Ehrenerklärung Sr.f.G. mit der Confirmation der Kaiserlichen Majestät und nachgehends meinen Adelsbrief auf teutsch ihnen fürlas, und letzlich mein Töchterlein mit dem Junker zu kündigen begunnte. Lieber, da mürmelte es in der Kirchen nit anders als wenn die Bienen summen. (NN. Diese Scripta seind jedoch bei dem Feuer, so vor einem Jahr in der Burg auskam, wie ich nachgehends vermelden werde, verbrennet, wannenhero ich sie allhier nicht in origine allegiren kann.)
Darauf gingen meine lieben Kinder mit vielen Volk zu Gottes Tisch, und nach der Kirchen kamen sie fast alle umb sie und wünscheten ihnen Glück. Item kam der alte Paassch noch auf den Nachmittag zu mir ins Haus, und bat mein Töchterlein abereins umb Vergebung, dass er sie unwissend beleidiget; wöllte ihr gerne ein Hochzeitsgeschenke verehren, aber er hätte jetzunder Nichtes, doch sölle seine Frau ihr zum Frühjahr ein Huhn setzen und wölle er dann selbsten die Küken nacher Mellentin bringen. Hierüber mussten wir allzumalen lachen, insonderheit der Junker, welcher letzlich sprach: so du mir ein Hochzeitsgeschenke machest, musstu auch zur Hochzeit geladen werden, darum machstu wohl morgen mitkommen.
Worauf mein Töchterlein sprach: und Eure kleine Marie, meine Päten soll auch mitkommen und soll meine Brautjungfer sein, wenn es mein Herre erlaubet. Hierauf hub sie an, dem Junker Allens zu erzählen was mit selbiger durch die List des leidigen Satans fürgefallen und männiglich ihr zur Last geleget, bis der gerechte Gott ihre Unschuld gerettet, und bate, da der liebe Junker beföhle, dass sie dasselbige Kleid zu eim Traukleid haben sölle, worin sie den schwedischen König salutiret und nachgehends zum Scheiterhaufen gefahren sei, er ihr auch verstatten müge, ihre kleine Pätin, als indicium secundum10 ihrer Trübsal mit sich vor eine Brautjungfer nehmen.
Und als er solches versprach, hiess sie den alten Paassch sein Mädken ihr anhero zu schicken, umb ihr ein neu Kleid anzupassen, so sie schon für 8 Tagen vor selbiges zugeschnitten, und die Magd heute noch fertig nähen sölle, welches Allens den alten guten Kerl so erbarmete, dass er laut zu weinen begunnte und letzlich sagte: sie sölle es nicht umbsonst getan haben, denn vor das eine Huhn sölle seine Frau ihr nunmehr zum Frühjahr auch drei Hühner setzen.
Als er wegk war und der Junker nichts anderes täte, denn mit seiner Braut schwätzen, beides deutsch, wie lateinisch, macht ich es besser und ging auf den Berg zu beten, wobei ich ihr nachfolgete, und auf den Scheiterhaufen stieg, umb hier einsamlich dem Herrn mein ganzes herz zu einem Dankopfer zu bringen, dieweil dieses sein liebstes Opfer ist. Ps. 51, v. 19.
Die Nacht nahm ich den Junker wieder bei mir, aber als am andern Morgen kaum die Sonne auf – Hiemit enden diese interessanten Mitteilungen, die ich nicht die Absicht habe, mit eigenen Zutaten zu verwässern. Meine Leser, und insonderheit meine schönen Leserinnen mögen sich nun nach Gefallen das Glück dieses vortrefflichen Paares weiter ausmalen.
Alle weiteren historischen Spuren seines Daseins wie des Daseins des Pfarrers sind verschwunden, und nur ein in die Wand der Kirche zu Mellentin gefügter Denkstein ist übrig geblieben, auf welchem der unvergleichliche Junker mit seinem noch unvergleichlicheren weib abgebildet ist, noch die "güldene Kettin mit dem Konterfett des schwedischen Königs" auf seiner treuen Brust. Beide scheinen kurz hinter einander gestorben und in einem Sarge begraben zu sein. Denn im Kirchgewölbe sieht man einen grossen Doppelsarg in welchem, der Tradition zufolge, sich auch eine goldene Kette von unschätzbarem Wert befinden soll. Vor einigen 20 Jahren wollte der Gutsbesitzer v