Sein Wille Ehre Abraham?" Ei Lieber, was hätte ich wohl dazu sagen können denn Alles Guts? Weinete ja selbsten für Freuden, wie mein Kind, und gab darum zur Antwort: warumb es nicht mein Wille sein sollte, da es Gottes Willen wär? Aber ob der gute und rechtschaffene Junker auch bedacht hätte, dass er seinem adlichen Namen einen Abbruch tun würde, wenn er mein Töchterlein, so als eine Hexe im Geschrei, und nahe vor dem Scheiterhaufen gewest, sich zu seiner Frauen nähme?
Hierauf sprach er: mit nichten, diesem hätte er längstens präcaviret und fuhr nunmehr fort uns zu erzählen, wie er es angefangen, nämblich S. fürstl. G. hätten ihme versprochen, alle Scripta, so er begehret, inner vier Tagen fertig zu halten, wo er von der Begräbnüss seines Vaters heimbzukehren hoffe. Wäre derohalben auch gleich wieder nach Mellentin abgeritten, und nachdem er seinem Herrn Vater die letzte Ehr erwiesen, hätte er sich auch alsogleich wieder aufgemacht, und befunden, dass S.f.G. unterdessen ihr Wort gehalten. Mit solchen Scriptis wäre er nacher Wien abgeritten und wiewohl er viel Leid, Mühe und Gefahr unterwegens ausgestanden (so er uns ein ander Mal erzählen wölle) wäre er doch glücklich in diese Stadt gelanget. Alldorten hätte er aber von ungefährlich einen Jesuiten getroffen mit welchem er einstmalen als Studiosus etzliche Tage sein Locament in Prag gehabt, und selbiger ihme auf sein Anliegen geantwortet: er solle guten Muts sein, angesehen Seine Majestät in diesen schweren Kriegsläuften Geld gebrauche, und wölle er, der Jesuit, Allens machen. Solches wäre auch beschehen, und hätte die Kaiserliche Majestät nicht bloss meinen Adelsbrief renoviret, besonderen auch die Ehrenerklärung S.f.G. des Herzogen confirmiret, so dass er nunmehr männiglich rede und Antwort von wegen seiner Braut stehen könne, wie nachgehends von wegen seiner Frauen. Und als er nunmehr die Acta aus seinem Busen herfürzog und mir selbige in die Hand gab sprach er: aber jetzunder muss Er mir auch einen Gefallen tun Ehre Abraham, nämblich mich morgen, wo ich mit meiner Braut zu Gottes Tisch zu gehen verhoffe, mit seinem Töchterlein einmal für allemahlen abzukündigen, und nachgehends schon übermorgen zu trauen. Sage Er nit Nein hiezu, denn mein Pfarrer, Ehre Philippus spricht, dass solches bei Adlichen in Pommern nicht ungebräuchlich, wannenhero ich auch zum Montage die Hochzeit in meiner Burg allbereits angesaget, als wohin wir fahren wollen und wo ich auch mein Beilager zu halten gedenke. Gegen solches Ansuchen hätte nun mancherlei zu moniren gehabt, insonderheit, dass er zu Ehren der heiligen Dreieinigkeit sich wöllte dreimal kündigen lassen, wie es der Brauch ist, und mit seiner Hochzeit annoch warten, aber da ich meim Töchterlein ansah, dass sie auch gern recht bald Hochzeit hätt, inmassen sie seufzeln und so rot wie ein Scharlaken wurde, kunnt ich es ihnen nicht abschlagen, sondern versprach Allens, was sie wollten. Hierauf vermahnete sie Beide zum Gebet, und nachdem ich meine hände auf ihr Haupt geleget, dankete ich dem Herrn so brünstiglich, wie ich ihm noch nimmer gedanket, also dass ich letzlich für meinen Tränen nicht weiter kommen kunnte, sondern sie mir meine stimme ersäufeten.
Hierzwischen war aber des Junkers sein Wagen mit vielen Truhen und Koffers vor der Türen angelanget, und sprach er: jetzt soll Sie auch sehen liebe Jungfer, was ich Ihr mitgebracht, und gab Befehlig Allens in das Zimmer zu tragen. Ei Lieber, welche schöne Sachen hatte es darinnen, so ich mein Lebtage nit gesehen! Allens was Weiber gebrauchen, war hier fürhanden, insonderheit an Kleidern, als Leibichen, gefaltete Höcke9, lange Mantel, zum teil mit Futterfell verbremmet, Schleier, Schürzen, item das Brautemd so mit güldenen Borten besetzet war und worauf der kurzweilige Junker an die sechs oder sieben Mirtenbüscher vor sie geleget hatte, umb sich daraus selbsten einen Kranz zu machen. Item nahm es kein Ende an Ringen, Halskettlein, Ohrenperlein etc. so ich zum teil vergessen hab. Auch wollte der gute Junker mich nit unbescheert hinterlassen, inmassen er mir ein neu Messgewand (dieweil das alte die Feinde geraubet) auch Futterhemde, Hosen und Schuhe, summa Allens was zur Mannskleidung gehört, mitgebracht hatte, weshalben ich nur im Stillen den Herrn anrief, dass er uns für solchen Staat und Hoffart nit abermals in seinem Zorn strafen wölle. Als mein Töchterlein dieses Allens sah, wurde sie betrübt, dass sie ihme nichts mehr geben könne denn ihr herz allein, und die Kettin von dem schwedischen König so sie ihme umb den Hals hing, und ihn weinende bate, sie vor ein Brautgeschenke zu behalten. Solches versprach er auch letzlich und dass er sie mit in seinen Sarg nehmen wölle, doch zuvorab müsse mein Töchterlein noch damit vertraut werden, wie mit dem blauen seidinen Kleid, denn dieses und kein anderes sölle ihr Brautkleid sein, welches sie ihme auch angeloben musste.
Doch mit der Magd begab sich noch ein seltsamer Fürfall, so ich allhier noch notiren will. Denn nachdeme das alte treue Mensch gehöret, was hieselbsten geariviret, war sie für Freuden ausser sich, sprang und klatschete in ihre hände, und sagete letzlich zu meim Töchterlein: nunmehr würde sie sicherlich nicht mehr weinen, wenn der Junker in ihr Bette liegen wölle, worüber selbige also erschaamrotete, dass sie aus der Türen lief. Und als der Junker nunmehr wissen wollte, was sie damit sagen wölle, verzählete sie ihme