Unschuld meines Töchterleins an den Tag brächte, freiwillig bekennen. Bäte daher mich und mein Kind ihme zu vergeben, und als Dn. Consul ihn hierauf kopfschüttlend fragete, ob er auf solch sein Bekenntnüss leben und sterben wölle, sprach er noch "ja!" fiel sodann aber alsogleich auf die Seite zur Erden nieder und gab seinen Geist auf.
Hierzwischen aber war dem Volk auf dem Berge, so von Coserow, vom Zitze vom Gnitze etc. alldorten zusammengelaufen war, umb mein Töchterlein brennen zu sehen, die Zeit lang worden und kamen sie nunmehr wie die Gänse, einer nach dem andern, in langer Reihe den Berg niedergelaufen, umb zu sehen, was geariviret. Und war auch mein Ackersknecht Claus Neels darunter. Als selbiger aber sah und hörete, was geschehen, hube der gute Kerl vor Freuden an, laut zu weinen und verzählete nun auch, was er in dem Garten den amtshauptmann zu der alten Lisen sprechende gehöret, und wie er ihr ein Schwein versprochen, dafür dass sie ihr eigen Ferkelken tot gehexet umb mein Töchterlein in ein böses Geschrei zu bringen, summa: Allens, was ich schon oben notirt habe und er bis dato aus Furcht vor der Marter verschwiegen. Hierüber verwunderte sich alles Volk, und entstunde ein gross Lamentiren, so dass Etzliche kamen, worunter auch der alte Paassch befindlich, und mir wie meinem Töchterlein hände und Füsse küssen wollten und uns nunmehr ebenso lobeten als sie uns vorher verachtet hatten. Aber so ist das Volk; daher auch mein Vater seliger zu sagen pflegte:
Volkes Hass:
Ein schneidend Glas;
Volkes Gunst:
Ein blauer Dunst!
Auch caressirete mein lieber Gevatter mein Töchterlein in einem zu, sie auf seinen Schooss haltend, und wie ein Vater weinend (denn ich kunnte nicht mehr weinen als er weinete). Sie selbsten aber weinte nicht, besonderen bat den Junker, welcher wieder an den Wagen getreten war, einen Reuter an ihre alte, treue Magd nacher Pudgla zu schicken, umb ihr zu sagen, was gearriviret, welches er auch alsogleich ihr zu Willen tat. Aber Ein ehrsam Gericht, (denn nunmehr hatten Dn. Camerarius und der Scriba sich auch ein Herz gefasset und waren von dem Wagen gestiegen) war annoch nicht zufrieden gestellet, angesehen Dn. Consul anhub dem Junker von der behexten Brücken zu erzählen, welche kein anderer könne bezaubert haben, denn mein Töchterlein. Hierauf gab der Junker zur Antwort: dass solches in Wahrheit ein seltsam Ding sei, inmassen sein eigen Ross sich darauf ein Bein zubrochen, und er darum den amtshauptmann sein Pferd genommen, so er unter der Mühlen angebunden gesehen. Er gläube aber nicht, dass dieses der Jungfer zuzuhalten wäre, sondern dass es ganz natürlich zuginge, wie er schon halb und halb verspüret, aber nit die Zeit gehabt, es zu untersuchen. darum wölle er bitten, dass Ein ehrsam Gericht und alles Volk, wie mein Töchterlein selbsten, wieder umbkehre, umb selbige mit Gottes hülfe auch von solchem Verdacht rein zu waschen, und männiglich ihre gänzliche Unschuld zu bezeugen.
In solches Fürhaben willigte Ein ehrsam Gericht und dieweil der Junker den amtshauptmann seinen Schimmel meinem Ackersknecht übergeben, umb den Leichnam, so man dem Ross vorne über den Hals geleget, nacher Coserow abzuführen, stieg der Junker bei uns auf den Wagen, aber setzete sich nicht bei meim Töchterlein, besonderen rückwärts bei meim lieben Gevatter nieder, gab auch Befehlig, dass nit der alte Gutscher, sondern einer von seinen Untertanen unsern Wagen fahren sölle, und also kehreten wir in Gottes Namen wieder umb. Custos Benzensis, welcher auch mit den Kindern in die Wicken gelaufen war, so annoch am Wege stunden (mein seliger Custos sollt es nicht gewest sein, der hatte mehr Courage) ging wieder mit der lieben Jugend fürauf und musste nunmehr, auf Befehlig seines Herrn Pastoren, den ambrosianischen Lobgesang anstimmen, welches uns alle mächtiglich erbarmete, insonderheit mein Töchterlein, so dass ihr Buch nass wurde von ihren Tränen, und sie es letzlich wegklegete und sprach, indem sie dem Junker ihre Hand reichete: "wie soll ich es Gott und Ihme danken, was Er an mir getan?" worauf der Junker zur Antwort gab: "ich habe mehr Ursache Gotte zu danken, als Sie liebe Jungfer, angesehen Sie unschuldig in ihrem Kerker gelitten, ich aber habe schuldig gelitten, dieweil ich durch meine Leichtfertigkeit Ihr Ungelücke angerichtet. Gläube Sie mir, als ich heute Morgen das arme Sünderglöcklein zum ersten Male in meim Verliess klingen hörete, vermeinete ich schon zu vergehen, und als es sich zum dritten Male vernehmen liesse, wäre ich wohl unsinnig worden in meinem Schmerz, wenn der allmächtige Gott es nicht so gefüget, dass er fast in selbigem Augenblick meinem wunderlichen Vater sein Leben genommen, umb Ihr unschuldig Leben durch mich retten zu lassen. darum habe ich auch dem lieben Gotteshause einen neuen Turm angelobet, und was sich sonsten befinden wird, denn nichts Bitteres hätte mir auf Erden geschehen mügen, denn Ihr Todliebe Jungfer, und nichts Süsseres, denn ihr Leben!"
Aber mein Töchterlein weinete und seufzete nur bei diesen Worten, und wenn er sie ansahe, sah sie zitternde auf ihren Schooss nieder, so dass ich gleich argumentirete, mein Jammer sei annoch nicht zu Ende, sondern solle nur ein ander Tränenfass angestochen werden, wie denn auch geschahe. Hiezu kam, dass der Esel von custos, nachdem er den Lobgesang beendet und wir annoch nicht zur Stelle waren,