Fittigen des Windes und will unsere Feinde zustossen wie Staub vor dem Winde, und will sie wegräumen wie den Rot auf den Gassen8. Da schaue nieder was der allmächtige Gott getan. Als sie hierauf ihre Augen seufzend gegen Himmel erhub, hörten wir Dn. Consulem so laut hinter uns schreien, als er kunnte; da aber Niemand nicht für den grausamen Wetter und Tumult des Gewässers ihn verstunde, sprung er von dem Wagen und wollte zu Fuss über die brücke gehen fiel aber gleichfalls auf seine Nase, also dass sie blutete, und er nunmehr auf Händen und Füssen wieder zurücke kroch, und alsbald ein gross Wort mit Dn. Camerario hatte, welcher sich aber nicht auf dem Wagen rührete. Hierzwischen hatten schon der Büttel und der Gutscher das verwundete Pferd ausgespannet, gebunden und von der Brücken geschleift, kamen daher wieder zum Wagen, und befohlen uns von selbigem zu steigen, und zu Fuss über die brücke zu gehen, welches auch geschahe, inmassen der Büttel mit vielem Fluchen und Schimpfen mein Töchterlein ablösete, auch dräuete sie nachgehends für ihre Bosheit bis auf den späten Abend zu braten. (Konnte es ihme nicht so sehr verdenken, denn es war fürwahr ein seltsam Ding!) Aber obwohl sie selbsten gut hinüberkam, fielen wir beide, Ehre Martinus und ich, wie alle Anderen doch auch an die drei Malen zu Boden, bis wir endlich durch Gottes Gnade vor dem Müllerhause wohlbehalten angelangeten, wo der Büttel dem Müller bei Leibes Leben mein Töchterlein übergab und an den Mühlenteich niederrannte, umb den amtshauptmann seinen Schimmel zu retten. Der Gutscher sölle aber unterdessen sehen, dass er den Wagen und die anderen Pferde von der behexten Brücken brächte. Wir hatten aber noch nicht lange bei dem Müller vor der Türen unter einem grossen Eichbaum gestanden, als Dn. Consul mit Eim ehrbaren Gericht und allem Volk schon über die kleine brücke gefahren kam, so nur ein Paar Mousquetenschüsse von der ersten entfernet ist, und selbiger kaum das Volk abhalten kunnte, dass sie nicht mein Kind angriffen und lebendig zerrissen, angesehen Alle, wie auch Dn. Consul selbsten vermeineten, dass kein Anderer, denn sie, benebst dem Wetter, auch die brücke behext (zumalen sie selbsten nicht darauf gefallen) und den amtshauptmann um sein Leben gebracht, was doch Allens erstunken und erlogen war, wie man Weiters hören wird. Er schalt sie daher für eine vermaledeiete Unholdin, die nach abgelegter Beicht und dem Genuss des heiligen Abendmahls noch nicht von dem leidigen Satan abgefallen wäre. Aber es sölle ihr Allens nicht helfen, sie werde dennoch ihren Lohn alsbald empfangen. Und dieweil sie stille schwieg, gab ich hierauf zwar zur Antwort: ob er nicht sähe, dass der gerechte Gott dies also gefüget, dass der amtshauptmann, so meim unschuldigen Kind Ehre Leib und Leben zu nehmen gedacht, allhier als ein erschröcklich Exempel sein eigen Leben lassen müssen, aber es wollte nit verfangen, sonden er vermeinete: dass dieses Wetter unser Herr Gott nicht gemacht, könne ein Kind einsehen, oder ob ich vielleicht auch vermeinete, dass unser Herr Gott die brücke behext? Ich müge doch endlich aufhören mein boshaft Kind zu rechtfertigen und sie lieber zur Busse vermahnen, da dies schon das zweite Mal sei, dass sie Wetter gemacht, und mir doch kein vernünftiger Mensch glauben würde, was ich sage, etc.
Hierzwischen aber hatte der Müller allbereits die Mühle angehalten, item sein wasser gestauet, und waren an die vier bis fünf Kerls mit dem Büttel auf das grosse Rad niedergestiegen, umb den amtshauptmann, so bis dato noch immer auf und niedergangen war, aus denen Schaufeln zu ziehen. Solches kunnten sie aber nicht ehender, als sie eine Schaufel zersaget, und wie sie ihn letzlich ans Land brachten, befand es sich, dass er sich das Genick abgefallen und bereits so blau als eine Trembse9 anzusehen war. Auch war ihme der Hals abgeschunden und das Blut lief ihm annoch aus Maul und Nasen. Doch hatte das Volk mein Töchterlein nicht schimpfiret, so schimpfirete es sie jetztunder, und wollte sie mit Kot und Steinen werfen, wenn es Ein ehrsam Gericht nicht mit aller Macht gewehret, sagende sie würde ja alsbald ihre wohlverdiente Straf empfangen.
Auch stieg mein lieber Gevatter Ehre Martinuswieder auf den Wagen und vermahnete das Volk, der Oberkeit nit vorzugreifen, angesehen das Wetter wiederumb ein wenig nachgelassen, dass man ihn hören konnte. Und als es sich in etwas zufrieden gestellet, übergab Dn. Consul dem Müller das Leich von dem amtshauptmann, bis er mit Gottes Hülf wiederkäme, item den Schimmel liess er so lange an die Eiche binden, dieweil der Müller schwur, er hätte keinen Raum in der Mühlen, inmassen sein Pferdestall annoch voll Stroh läge, er wölle dem Schimmel aber etwas Heu fürgeben, und ein gut Augenmerk auf ihn haben. Und jetzt mussten wir elendigen Menschen, nachdem der unerforschliche Gott unsere Hoffnung aufs Neue zu wasser gemacht, wieder auf den Wagen steigen, und der Büttel flätschete die Zähne für Grimm, als er die Stricke aus der Taschen hohlete, umb mein armes Töchterlein abereins an die Leiter zu binden. Hohlete daher, da ich leichtlich es ihm ansehen kunnte, was er im Sinne hätte, zwei Schreckensberger aus meiner Taschen und bliese ihm in das Ohr: "macht es gnädig, sie kann Euch ja nimmermehr fortlaufen, und helfet Ihr ihr nachgehends recht bald zu tod, so söllet Ihr annoch zehn Schreckensberger von mir haben!" Solches half, und wiewohl