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nachdem du deine beichte getan und das heilige hochwürdige Sakrament des Abendmahls empfangen, so gieb mir noch einmal Antwort auf jetzt folgende fragen: 1) wahr, dass du von dem lebendigen Gott abgefallen

und dich dem leidigen Satan ergeben. 2) wahr, dass du einen Geist gehabt, Disidaemonia ge

nannt, der dich umgetaufet und mit welchem du

dich unnatürlich vermischet. 3) wahr, dass du dem Vieh allerhand Uebles zugefü

get. 4) wahr, dass dir Satanas auf dem Streckelberg als ein

haarigter Riese erschienen? – Als sie dieses Alles mit vielen Seufzern bejahete, stunde er auf, nahm seinen Stab in eine Hand und ein zwotes Papier in die andere, setzte auch seine Brill auf die Nasen und sprach: so höre jetzunder dein Urtel:

(Dieses Urtel hab ich mir nachgehends abgeschrieben; die anderen Acta wollte er mir aber nicht überlassen, sondern gab für, dass sie in Wolgast lägen und lautete selbiges wörtlich also:)

Wir zu Einem hoch-not-peinlichen Halsgericht verordnete amtshauptmann und Schöppen: nachdem Maria Schweidlerin des Pastoren zu Coserow Abraham Schweidleri Tochter nach angestellter Inquisition wiederhohlentlich das gütliche Bekänntnia genennet, der sie in der Sehe umbgetaufet und mit dem sie sich fleischlich und unnatürlich vermischet, item dass sie durch selbigen dem Vieh Schaden zugefüget, er ihr auch auf dem Streckelberg als ein haarigter Riese erschienen: erkennen und sprechen für Recht: dass Rea ihr zur wohlverdienten Strafe und Andern zum Exempel billig mit vier glühnden Zangenrissen an ihren Brüsten zu belegen und nachmals mit dem Feuer vom Leben zum tod zu bringen sei. Dieweil wir aber, in Betrachtung ihres Alters sie mit den Zangenrissen aus Gnaden zu verschonen gewilliget, als soll sie nur durch die einfache Feuerstraf vom Leben zum tod gebracht werden. Inmassen sie denn dazu hiemit condemniret und verurteilt wird. Von peinlichen Rechts wegen.

Publicatum Pudgla zu Schloss den 30sten mensis Augusti anno salutis 16303.

Als er das letzte Wort ausgesprochen, zerbrach er seinen Stab und warf meinem unschuldigen Lämmelein die Stücken vor ihre Füsse, indem er zu dem Büttel sprach: jetzt tut Eure Schuldigkeit! Aber es stürzeten so viel Menschen beides Männer und Weiber auf die Erde, um die Stücken des Stabs zu greifen (dieweil es gut sein soll vor die reissende Gicht item vor das Vieh wenn es Läuse hat) dass der Büttel über ein Weibsbild zu Boden fiel, so vor ihm auf den Knieen lag, und ihm also auch von dem gerechten Gott sein naher Tod vorgebildet wurde. Solches beschahe auch dem amtshauptmann jetzunder zum andern Mal; denn da das Gerichte nunmehr aufstand und Tische, Stühle und Bänke umbwarf, fiel ihm ein Tisch, dieweil ein Paar Jungen darunter sassen, so sich um den Stab schlugen, also auf seinen Fuss, dass er in grossen Zorn geriet, und dem Volk mit der Faust dräuete, dass Jeder sölle 50 Arschprügel haben, beides Männer und Weiber, so sie nicht augenblicklich geruhsam wären und aus der Stuben gingen. Solches setzte eine Furcht, und nachdem sich das Volk auf die Strasse verlaufen, zog der Büttel ein Seil aus seiner Taschen, womit er meim Lämmelein also ihre hände auf den rücken zusammenbande, dass sie laut zu schreien begunnte; aber dieweil sie sah, wie es mich wieder an mein herz stiess, sich alsofort begriff und sprach: "ach Vater bedenket, dass es dem lieben Heiland auch nicht besser ergangen!" Dieweil aber mein lieber Gevatter, so hinter ihr stunde, sah, dass ihre Händelein und absonderlich die Nägel braun und blau worden waren, tät er eine Fürsprache bei Eim ehrsamen Gericht, worauf aber der abscheuliche amtshauptmann zur Antwort gab: ei lasset sie nur, sie muss fühlen was es bedeutet von dem lebendigen Gotte abzufallen. Aber Dn. Consul war glimpflicher, inmassen er dem Büttel Befehl gab, nachdem er die Stricke befühlet, sie menschlich zu binden und ein wenig nachzulassen, was selbiger nunmehr auch tun musste. Hiemit war mein lieber Gevatter aber noch nicht zufrieden, sondern bat, dass man sie müge ohne Bande auf den Wagen setzen, damit sie ihr Gesangbuch gebrauchen könne. Denn er hätte die Schule bestellet, um unterwegs ein geistlich Lied zu ihrer Tröstunge zu singen, und wollte sich verbürgen, da er selbsten mitzufahren gesonnen, dass sie nicht von dem Wagen kommen sölle. Im Uebrigen pflegeten ja auch Kerls mit Forken4 umb den Wagen der armen Sünder und absonderlich derer Hexen zu gehen. Aber solches wollte der grausame amtshauptmann nit zugeben, daher es verblieb, wie es war, indeme der dreuste Büttel sie alsbald auch bei ihrem Arm ergriff und aus dem Gerichtszimmer führte. Auf der Dielen aber hatte es einen grossen Scandalum, so mir wiederumb mein herz durchschnitt. Denn die Ausgebersche und den dreusten Büttel sein Weib schlugen sich dort umb meines Töchterleins ihre Betten, wie umb ihr alltagsch Zeug, so die Ausgebersche vor sich gehohlet, das andere Weib aber auch haben wollte.

Selbige rief nunmehr gleich ihren Mann zur hülfe welcher auch furts mein Töchterlein fahren liesse, und der Ausgeberschen mit seiner Faust also in ihr Maul schlug, dass ihr das Blut daraus herfürging und sie ein grausam Geschrei gegen den amtshauptmann erhube, welcher mit dem Gericht uns folgete. Selbiger bedräuete sie beide vergeblich, und sagte, dass er nachgehends, wenn er wiederkäm, die Sache untersuchen und einem Jeglichen seinen teil geben wölle. – Hierauf wollten sie aber nicht hören, bis mein Töchterlein Dn. Consulem fragte: ob ein Jeder so da stürbe, und also auch