feste und fiel zur Erden und umklammerte seine Füsse und sprach: ich bitte Ihne umb die Wunden Jesu, dass Er schweiget. Sie werden mich auf die Folter strecken und meine Schaam blössen, und ich elendes schwaches Weib werde Allens in solcher Marter bekennen, was sie wöllen, zumalen wenn mein Vater wieder dabei ist, und mir also Leib und Seele zusammen gemartert wird. darum bleib Er, bleib Er, ist es denn ein Unglück unschuldig zu sterben, und nicht besser unschuldig, denn schuldig?
Solches versprach mein guter Gevatter letzlich und nachdeme er eine Zeit gestanden und vor sich gebetet, wischte er sich seine Tränen ab, und hielt nunmehr die Vermahnung zur beichte, über Esaias 43 V. 1 und 2: fürchte dich nicht denn ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! So du ins Feuer gehest sollst du nicht brennen und die Flamme soll dich nicht anzünden, denn ich bin der Herr dein Gottder Heilige in Israel, dein Heiland.
Und als er seine tröstende Ansprach geendiget, und sie nunmehr fragete, ob sie auch williglich, bis zur letzten Stunde das Creuz tragen wölle, so der barmherzige Gott ihr nach seinem unerforschlichen Willen auferleget, sprach sie die schönen Worte, von welchen mein Gevatter nachgehends sagte, dass er sie in seinem Leben nicht vergessen würde, dieweil er niemalen eine also gläubige, freudige, und dennoch hochbetrübte Gebährde gesehen. Sie sprach aber: o heiliges Creuz, welches mein Jesus mit seinem unschuldigen Leiden geheiliget, o liebes Creuz, welches von der Hand eines gnädigen Vaters mir auferleget wird, o seeliges Creuz, durch welches ich meinem Jesu gleich gemacht und zur ewigen Herrlichkeit und Seligkeit gefördert werde, was sollt ich dich nicht willig tragen du süsses Creuz meines Bräutigams und Bruders! Kaum hatte Ehre Johannes uns darauf die Absolution und nachgehends das heilige Sacrament mit vielen Tränen gereichet, als wir auch schon einen grossen Tumult auf der Dielen vernahmen und gleich darauf der dreuste Büttel zur Türen hereinschauete, und fragende: ob wir fertig wären, alldieweil Ein ehrsam Gericht schon auf uns warte. Und als er solches vernommen, wollte mein Töchterlein erstlich von mir ihren Abschied nehmen, was ich ihr aber wehrete und sprach: nicht also, du weisst was du mir versprochen, wo du hingehest, da will ich auch hingehen, wo du bleibest, da bleibe ich auch, wo du stirbst, da sterbe ich auch2, so anders der Herr, wie ich hoffe, die brünstigen Seufzer meiner armen Seelen erhöret. darum liess sie mich fahren und umbhalsete nur die alte Magd und dankete ihr für alles Gute, so sie ihr von Jugend auf getan, und bate, dass sie nicht mitgehen und ihr ihren Tod durch ihr Geschreie noch mehr verbittern wölle. Die alte treue person kunnte lange nicht für ihren Tränen zu Worte kommen. Letzlich aber bat sie mein arm Töchterlein um Vergebung dass sie selbige auch unwissend angeklaget und sagte, dass sie ihr für ihr Lohn an die 5 Liesspfund Flachs gekaufet, damit sie bald von ihrem Leben käm.
Solches hätte heute Morgen schon der Schäfer von Pudgla mit gegen Coserow genommen und sölle sie es sich recht dicht umb ihren Leib legen, dieweil sie gesehen, dass die alte Schurnsche so in der Liepen gebrennet wäre, viele Qual ausgestanden von wegen dem nassen Holz ehebevor sie zu tod kommen.
Doch ehender ihr mein Töchterlein noch danken kunnte, begunnte das erschröckliche Blutgeschrei im Gerichtszimmer: denn eine stimme schriee so laut sie konnte: "Zeter über die vermaledeiete Hexe Maria Schweidlerin, dass sie von dem lebendigen Gotte abgefallen!" und alles Volk draussen schriee nach: Zeter über die vermaledeiete Hexen! – Als ich solches höretefiel ich gegen die Wand aber mein süsses Kind strakete mir mit ihren süssen Händeleins meine Wangen und sprach: Vater, Vatergedenket doch, dass das Volk über den unschuldigen Jesum auch kreuzige, kreuzige! geschrieen, sollten wir den Kelch nicht trinken, den uns unser himmlischer Vater gegeben hat? –
nunmehr ging auch schon die tür auf, und trat der Büttel unter eim grossen Tumult des volkes herein ein blankes scharfes Schwerdt in seinen Händen tragende, neigete es dreimal vor meinem Töchterlein und schriee: "Zeter über die vermaledeiete Hexe Maria Schweidlerin, dass sie von dem lebendigen Gotte abgefallen!" und alles Volk auf der Dielen und draussen schriee ihm nach so laut es kunnte: "Zeter über die vermaledeiete Hexe!"
Hierauf sprach er Maria Schweidlerin komm für Ein hochnot-peinliches Halsgericht, worauf sie ihme mit uns beiden elenden Männern folgete (denn Pastor Benzensis war nicht weniger geschlagen als ich selbsten) die alte Magd aber blieb für tot auf der Erden liegen.
Und als wir uns mit Not durch das viele Volk durchgedränget, blieb der Büttel vor dem offenen Gerichtszimmer stehen senkete abermahlen sein Schwert vor meim Töchterlein und schriee zum dritten Mal: "Zeter über die vermaledeiete Hexe Maria Schweidlerin dass sie von dem lebendigen Gotte abgefallen!" und alles Volk wie die grausamen Richter selbsten schrieen nach, so laut sie kunnten: "Zeter über die vermaledeiete Hexe!"
Als wir nunmehr ins Zimmer traten, fragete Dn. Consul erstlich meinen Herrn Gevatter: ob die Hexe bei ihrem freiwilligen Bekänntnüss in der beichte verblieben, worauf er nach kurzem Besinnen zur Antwort gab: man müge sie selbsten fragen, da stünde sie ja. Selbiger sprach also ein Papier in seiner Hand nehmend, so vor ihm auf dem Tische lag: Maria Schweidlerin,