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' es also laut in selbigem rumort, als wenn ein Tischler ein tännin Brett bohrt. Hätten also gegläubet, die alte Vettel wäre wieder aufgelebet, und den Sark wiederumb aufgemachet. Aber sie wäre noch gelegen wie sonst, braun und blau von Farb und kalt wie ein Eis; doch wären ihr ihre Augen offen gangen gewest, so dass männiglich sich entsetzet, und einen Teufelsspök vermutet, als denn auch gleich darauf eine lebendige Ratze aus dem Sark gesprungen und in einen Todtenkopf gefahren wäre, der am grab gelegen. nunmehr wäre Allens fortgelaufen, dieweil die alte Lise von jeher in eim bösen Geschrei gewest, bis er selbsten letzlich wieder an das Grab getreten, worauf die Ratze verschwunden gewesen, und nunmehr die Andern auch wieder einen Mut bekommen hätten. Also verzählete der Mann, und wird man nun leichtlich giessen, dass dies in Wahrheit Satanas gewest, so der Vettel als ein Wurmb in den Rachen gefahren, und eigentlich die Gestalt einer Ratzen gehabt, wiewohl es mich wiederumb wundert, was er so lange in dem Aas gemachet; es möchte denn sein, dass die bösen Geister, Allens was garstig, ebenso lieb haben, als die Engellein Gottes Allens was schön und lieblich ist. Aber dieses lasse ich in seinen Würden, summa: ich entsatzte mich nicht wenig für seiner Rede, und fragete ihn, was er nunmehr von dem amtshauptmann gläube: Hierauf zuckete er mit seinen Achseln und sprach: selbiger wäre, so lange er denken könne ein böser Bube gewesen, hätte ihm inner 10 Jahren auch sein Mistkorn nicht mehr geliefert, doch dass er ein Hexer wäre, wie die alte Lise gesagt, gläube er nicht. Denn wiewohlen er bei ihme noch gar nicht zu Gottes Tisch gewest, hätt er doch vernommen, dass er in Stettin oftermalen mit S. fr. G. dem Herzogen hinzugegangen und ihme der Pastor an der Schlosskirchen solches selbsten durch sein Communionbuch documentiret. daher könne er auch unmöglich gläuben, dass er mein Töchterlein sölle unschuldig in ihr Elend stürzen, wie die Vettel gesagt. Auch hätte mein Töchterlein sich ja gutwillig für eine Hexe ausgeben. Hierauf gab ich zur Antwort: dass sie es aus Furcht vor der Marter getan; sonst, ihren Tod anlangend, so scheue sie selbigen nicht, worauf ich ihm mit vielen Seufzern berichtete, wie der amtshauptmann gestern mich elenden und ungläubigen Knecht zum Bösen gereizet, dass ich schier willens gewest, mein einzig Kind ihme und dem Satan zu verkaufen, und nicht würdig wäre, heute das Sacrament zu empfahen. Wie mein Töchterlein aber einen viel steiferen Glauben, denn ich gehabt, was er aus ihrem Schreiben sehen könnte, so ich annoch in der Taschen hätte. Gab es ihm also in seine Hand, und nachdeme er es gelesen, seufzete er nicht anders denn ein Vater und sprach: wäre es müglich, so könnte ich für Schmerz in die Erde sinken, aber kummet, kummet mein Bruder, auf dass ich ihren Glauben selbsten sehe.

Und gingen wir nunmehr auf das Schloss; doch stand unterweges auf dem Brink vor dem Förster item umb das Schloss schon Allens voller Menschen so aber sich annoch geruhsam verhielten, als wir fürüber gingen. Meldeten uns also wieder bei dem Jäger (seinen Namen habe ich niemals behalten mügen, dieweil er ein Polacke war, doch war er ein anderer, als der Kerl, welcher mein Töchterlein freien sollte, und den der amtshauptmann wegkgejaget) welcher uns auch alsofort in ein schön, gross Zimmer brachte, wohin mein Töchterlein schon aus dem Gefängnüss abgehohlet war. Auch hatte die Magd sie allbereits geputzet, und war sie so schön als ein Engel anzusehen. Hatte die güldene Kettin mit dem Conterfett wieder umb ihren Hals item den Kranz in ihren Haaren, und lächelte als wir hineintraten sagende: "ich bin bereit!" – "Hiefür entsatzte sich aber Ehre Martinus und sprach: "ei du gottlos Weibsbild, nun sage mir Niemand mehr von deiner Unschuld! du willt zum Nachtmahl und nachgehends zum tod gehen, und stolzierest einher, als ein Weltkind, so auf den Tanzboden trottiret?" Hierauf gab sie zur Antwort: verdenk er es mir nicht Herr Pate, dass ich in demselbigen Putz, in welchem ich letzlich für den guten schwedischen König getreten, auch will für meinen guten himmlischen König treten. Solches stärket mein schwaches und verzagtes Fleisch, angesehen ich hoffe, dass der treue Heiland mich auch so an sein Herz" nehmen und mir sein Conterfett umbhängen wird, wenn ich demütig die hände zu ihm ausstrecke und ihm mein Carmen aufsage, welches lautet: "o Lamm Gottes unschuldig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, gieb mir deinen Frieden o Jesu." Solches erbarmete meinen lieben Gevatter und er sprach: ach Päte, Päte, ich wollte dir zürnen, und du zwingest mich mit dir zu weinen, bistu denn unschuldig? Ja sprach sie: Ihme Herr Päte kann ichs wohl sagen, ich bin unschuldig, so wahr mir Gott helfe in meiner letzten Not durch Jesum Christum Amen.

Als dieses die Magd hörete, erhube sie ein so grosses Geschreie dass es mir leid wurde, dass ich sie mitgenommen und hatten wir alle sie genug aus Gotts Wort zu trösten, bis sie wieder in etwas geruhlich wurde. Und als solches beschehen, sprach mein lieber Gevatter: wenn du so hoch deine Unschuld beteurest, muss ich solches zuvor dem Gericht auf mein priesterlich Gewissen vermelden, und wollte aus der Türen. Aber sie hielt ihn