1843_Meinhold_140_58.txt

hätte er zu tun versprochen, und da sie ihn alsobald wieder wacker gemacht, wären sie mit dem Silber, so ich vor ihn von dem neuen Abendmahlskelch abgeschrapet hätte, zur Nachtzeit an den Strand gangen wo er selbiges mit den Worten in die Sehe hätte schütten müssen: so wenig dieses Silber wieder an seinen Kelch kommt, komme meine Seele wieder zu Gott, worauf ihn der amtshauptmann so auch da gewest umgetaufet im Namen des Satans und ihne Hans genannt. Päten hätte er nit mehr gehabt, denn sie, (verstehe die alte Lise) allein. Da er aber in der Johannesnacht zum ersten Male mit ihnen auf dem Blocksberg gewest (es wäre aber der Herrenberg5 ihr Blocksberg) wäre auch von meim Töchterlein die Rede gewest. Und hätte Satanas dem amtshauptmann es selbsten zugeschworen, dass er sie haben sölle. Er wölle dem Alten (womit der Bösewicht Gott gemeinet) wohl zeigen was er könne, und solle der Zimmermannsjunge vor Aerger was Schönes in seinen Hosen finden (pfui du Erzbösewicht, dass du solches von meinem Erlöser geredet!) Hierüber hätte ihr alter Kerl gemurmelt, und da sie ihme niemalen recht getrauet, hätte der Geist Dudaim ihn eines Tages auf des Amtaubtmanns Befohl durch die Luft geführt, dieweil ihr Geist Stoffer geheissen, zu schwach gewest, umb ihn zu tragen. Selbiger Dudaim wäre auch der Grünspecht gewesen, so mein Töchterlein und nachgehends den alten Paasschen mit seinem Geschrei herbeigelocket, umb sie zu verderben. Doch wäre der Riese so auf dem Streckelberge erschienen kein Teufel gewest, sondern wie ihr Geist Stoffer gesagt, der Junker von Mellentin selbsten.

Und wäre dies Allens die reine Wahrheit, worauf sie leben und sterben wölle. Bäte daher umb Gottes Willen, ich wölle mich ihrer erbarmen und ihr auf solch ihr bussfertig Bekenntnüss die Vergebung ihrer Sünden sprechen und das Nachtmahl reichen, denn ihr Geist stünde dort am Ofen und lachete wie ein Spitzbube, dass es nunmehr mit ihr aus wäre. Aber ich gab zur Antwort: ich wollte ja lieber einer alten Sau das Nachtmahl geben, denn dir vermaledeieten Hexen, die du nicht bloss deinen eigenen Ehekerl dem Satanas übergeben, besonderen auch mich und mein arm Kind mit Höllenpein zu tod marterst. Doch ehe sie noch antworten kunnten begab es sich, dass ein Wurm bei eines Fingers Länge, und gelb an seinem Steiss, in die Gefängnüsstüre gekrochen kam. Als sie solchen sah, tät sie ein Geschrei, wie ich es nimmermehr gehöret, noch zu hören begehre. Denn als ich in meiner Jugend in der Schlesien sah, wie ein feindlicher Soldat einer Mutter in ihrer Gegenwärtigkeit ein Kindlein spiessete, meinete ich, das sei ein Geschrei gewest, so die Mutter tät; aber dieses Geschrei war ein Kinderspiel gegen das Geschrei der alten Lisen. Alle meine Haare recketen sich gegen Himmel, und auch ihre roten Haare wurden also steif, und wie die Reiser von dem Besen anzusehen, worauf sie lag. Brüllete auch ebenmässig: "das ist der Geist Dudaim, den mir der verfluchte amtshauptmann schicket, das Nachtmahl umb Gottes willen das Nachtmahlich will auch noch viel mehr bekennen –, ich bin schon an die 30 Jahre eine Hexe! – das Nachtmahl, das Nachtmahl! Also brüllende schlug sie mit Händen und Füssen umb sich, dieweil das garstige Gewürm sich gehoben, und allbereits umb ihr Lager schnurrete und burrete, dass es ein Gräuel anzusehen und hören war. Und rief die Unholdin umwechselnd bald Gott bald ihren Geist Stoffer bald mich an, ihr beizuspringen, bis das Gewürm ihr mit einem Male in den offenen Rachen fuhr, worauf sie alsogleich verreckete und schwarz und blau, wie eine Brummelbeer wurde.

Hörete darauf weiter nichtes, als dass das Fenster klirrete, doch nicht gar harte, besonderen als wenn eine Erbse dagegen geworfen würde, woraus ich leichtlich abnehmen kunnte, dass Satanas mit ihrer Seelen hindurch gefahren. Der barmherzige Gott bewahre doch jedes Mutterkind für solches Ende umb Jesu Christi unsers lieben Herrn und Heilandes willen, Amen.

Als ich mich in etwas wieder verhohlet, was aber, lange dauerte, inmassen mein Blut zu Eis geronnen, und meine Füsse so steif wie ein Stock waren, hub ich an nach dem dreusten Büttel zu schreien, welcher aber nicht mehr im gefängnis war. Solches nahm mich ein Wunder, da ich ihn doch kurz zuvorab noch gesehen, ehe denn der Wurmb kam und ahnete mir gleich nichts Gutes. Und also geschah es auch. Denn als er endlich auf mein Rufen hereinkam, und ich sagete: er möge das Aas auskarren lassen, so hier eben im Namen des Teufels verrecket wäre, tat er ganz verwundert und als ich ihme zuhielt, er würde doch ein Zeugnüss ablegen für mein Töchterlein von wegen ihrer Unschuld, so die Vettel auf ihrem Todeslager bekennet, stellte er sich noch mehr verwundert und sprach: dass er Nichtes gehört hätte. Dieses stiess mir wie ein Schwert durch mein herz und fiel ich draussen an einen Piler6 wo ich wohl eine ganze Zeit gestanden. Ging aber als ich wieder zu mir selbsten kam zu Dn. Consuli, welcher nach Usedom abfahren wollte und schon auf dem Wagen sass. Auf mein demütig Bitten aber kam er wieder in das Gerichtszimmer mit dem Camerario und Scriba herab, und verzählete ich anjetzo ihnen Allens was fürgefallen, und wie der gottlose Büttel leugne, solches auch gehört zu haben. Hierunter habe ich aber viel Wirrisches gesprochen, und unter andern gesagt, dass die Fischlein alle zu meim Töchterlein in den